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12. November 2009, 13:12 Uhr

Trainer Christoph Daum

"Enke hat sich mir anvertraut"

Niemand will etwas geahnt haben. Robert Enkes sportliches Umfeld schien komplett ahnungslos über die Krankheit des Torhüters, bis dieser sich das Leben nahm. Jetzt berichtet Christoph Daum, er sei eingeweiht gewesen. Der Trainer sprach zudem über Enkes schwere Zeit in Istanbul.

Hamburg - Christoph Daum, Trainer des türkischen Clubs Fenerbahce Istanbul, hat nach eigenen Angaben seit 2003 von Robert Enkes Depressionen gewusst. "Ja. Er war gerade zwei Wochen bei uns, da kam er in mein Büro und vertraute sich mir an", sagte Daum in einem Interview mit dem "Express". Er habe dem Torhüter, den er als damaliger Fenerbahce-Coach vom FC Barcelona ausgeliehen hatte, jegliche Hilfe und Unterstützung zugesagt, berichtete Daum.

"Ich habe ihm gesagt: Ich helfe dir, wo ich kann, weil ich absolut überzeugt von dir bin." Der 56-Jährige erklärte, er habe Enke einen Experten aus Köln empfohlen. So kam Enke zum Facharzt für Psychiatrie, Valentin Markser, bei dem er bis zu seinem Suizid am Dienstagabend in Behandlung war.

Daum erklärte, er sei sicher gewesen, dass Enke nach seiner Flucht aus Istanbul seine Karriere beenden würde. "Ich war dann total überrascht, als er in Teneriffa unterschrieb. Dann tauchte er plötzlich in Hannover auf. Ich war happy, dass er seine Krankheit offensichtlich im Griff hatte." Auf die Frage, warum Enke Istanbul verlassen habe, sagte Daum: "Er hat mir etwas gesagt, das ich nie verraten werde. Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart."

Der Trainer trat der Ansicht, Enke sei als Torhüter seinerzeit in Istanbul gescheitert, energisch entgegen. "Quatsch. Im ersten Spiel haben wir mit Robert 0:3 verloren. Ich habe zu ihm gesagt: Robert, du bist ein großartiger Torwart. Du bist ein toller Mensch. Wir wollten, dass er bei uns bleibt." Dennoch löste Enke seinen Vertrag in Istanbul auf, nachdem er bei seinem ersten Auftritt von den eigenen Fans beschimpft und mit Gegenständen beworfen worden war. Danach war Enke einige Zeit ohne Verein, bevor er vor seinem Engagement bei Hannover 96 bei CD Teneriffa in den Profifußball zurückkehrte.

Daum, der nach seinem Engagement beim 1. FC Köln in diesem Sommer wieder zum türkischen Rekordmeister Fenerbahce wechselte, sprach sich dafür aus, mit psychischen Erkrankungen viel offener umzugehen. Depressionen seien "keine Kopfschmerzen", sondern "eine schwere Krankheit, die leider von der Gesellschaft tabuisiert wird. Da heißt es schnell: 'Mensch, was ist das für ein Weichei'".

goe/sid

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