Trainer in der Bundesliga Dominanz der Dauerdirigenten

Die Bundesligavereine setzen auf Konstanz: Gerade mal zwei neue Trainer wurden vor der neuen Saison verpflichtet. Vor allem Bayern München, Schalke und Dortmund hoffen auf Erfolg durch Stabilität - die ganze Liga profitiert davon.

dpa

Von Jan Reschke


Übung macht den Meister. Das gilt überall - und erst recht in der Bundesliga. Wenn also ein Trainer mit seiner Mannschaft über einen langen Zeitraum arbeitet, müsste sie der Regel nach besser werden - entsprechende Qualifikation und Harmonie auf beiden Seiten vorausgesetzt.

Das scheinen auch die meisten Vereine in der Bundesliga begriffen zu haben. Momentan gilt auf den Trainerbänken das Motto: Kontinuität statt Kurzzeitdenken. Lediglich zwei Clubs tauschten während der Sommerpause den Trainer aus. Armin Veh fand beim HSV eine neue Heimat, Wolfsburg nahm den Engländer Steve McClaren unter Vertrag. Die restlichen 16 Mannschaften gehen mit demselben Coach, mit dem sie auch die vergangene Saison beendeten, in die neue Spielzeit.

Und profitieren nun davon. "Wir fangen auf einem höheren Niveau als vor einem Jahr an. Die Spieler kannten damals meine Forderungen noch nicht", sagte etwa Bayern-Trainer Louis van Gaal dem "Kicker".

In Dortmund und Schalke wurde in der vergangenen Saison die Defensive auf Topniveau gehoben, nun soll auch die Offensive schrittweise verbessert werden. Als BVB-Trainer Jürgen Klopp die Entwicklung seines Teams mit einem Hausbau vergleichen sollte, erklärte er der Internetseite Ran.de: "Das Haus ist fertig, es ist längst bewohnbar! Jetzt fangen wir an, das zuvor für den Übergang verlegte, billige PVC- oder Laminat wieder herauszureißen und durch Parkett zu ersetzen." Schalke-Coach Felix Magath sagt: "Wir wollen den Anfang einer spielerischen Entwicklung einleiten." Schon vor seinem Amtsantritt hatte Magath von einem mehrjährigen Prozess gesprochen, den Verein und Mannschaft durchlaufen müssten.

Erfolgreiche Konzepte und Spielweisen werden fortgeführt und verfeinert

Auch in Freiburg wird eine in der vergangenen Saison begonnene Spielweise fortgeführt. Weil der SC da zwölf Partien in Folge nicht gewinnen konnte, hatte Trainer Robin Dutt auf das 4-1-4-1-System umgestellt - mit Erfolg, der Klassenerhalt wurde geschafft. Nun wird das System auch in der kommenden Spielzeit gespielt. Werder Bremen, einst Synonym für das Spielsystem mit Mittelfeldraute, wird wohl wie in einigen Spielen der vergangenen Spielzeit in Zukunft auf die Doppelsechs vor der Abwehr setzen. Thomas Schaaf ist das Trainerurgestein der Liga und arbeitet seit 1999 als sportlich Verantwortlicher in Bremen, entsprechend vertraut sind seinem Team die von ihm vorgegebenen Abläufe.

Erfolgreiche Konzepte und Spielweisen werden fortgeführt und verfeinert, was die Qualität in der Bundesliga erhöht.

Ein neuer Coach bedeutet immer den größtmöglichen Umbruch

Das war nicht immer so: Vor dem Beginn der Saison 2009/2010 hatten die Verantwortlichen der Bundesliga-Clubs viel zu tun. Von 18 Teams brauchten gleich neun einen neuen Trainer. Für den sportlichen Bereich bedeutet ein neuer Coach aber immer den größtmöglichen Umbruch. Denn jeder Übungsleiter hat sein eigenes Konzept, das sein Team in möglichst kurzer Zeit verinnerlichen soll.

Im schlechtesten Fall passen Spieler und Konzept nicht zueinander, so dass entweder die Profis oder die Trainer Kompromisse eingehen müssen. So geschehen beim VfL Wolfsburg unter Armin Veh in der vergangenen Saison, der einem auf Kontertaktik ausgelegten Kader sein Verständnis von Kombinationsfußball nicht nachhaltig näherbringen konnte und vorzeitig gehen musste.

Wie stark sich Kontinuität auf der Trainerbank auswirken kann, verdeutlicht im Zeitraffer die vergangene Saison des FC Bayern München. In den ersten Spielen unter Louis van Gaal wirkte das Team verunsichert, niemand wusste in der Offensive etwas mit dem Ball anzufangen. Endlose, erfolglose Passstafetten waren die Folge. Doch je näher die Winterpause rückte, desto stärker begann sich das Bayern-Spiel zu wandeln. Das Geschehen auf dem Platz wurde nun planvoll kontrolliert, immer häufiger gelangen schöne Spielzügen und Torerfolge. Die Entwicklung setzte sich fort, zum Ende der Saison wurde Hannover 96 7:0 deklassiert, im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gelang ein grandioses 3:0 gegen Olympique Lyon, das DFB-Pokalfinale gewannen die Bayern mit 4:0.

Im Finale der Champions League unterlagen die Münchner dennoch - gegen Inter Mailand, das die Kontertaktik seines Trainers José Mourinho zu diesem Zeitpunkt perfektioniert hatte. Damit fuhr Mourinho den Lohn ein, seine Mannschaft ganz gezielt auf diese Spielweise ausgerichtet zu haben. Es war sein zweites Jahr als Coach der Mailänder.

Vielleicht ein gutes Omen: Auch Bayern-Trainer Louis van Gaal geht in der Saison 2010/2011 in sein zweites Jahr.

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tommes S. 08.08.2010
1. Selten dummer Artikel...
...wenn als Beispiel für Kontinuität ausgerechnet Mannschaften herhalten müssen, bei denen der Trainer ein Jahr (FCB und S04) oder zwei Jahre (BVB) tätig ist. Und das ganze garniert mit einem Foto von Thomas Schaaf, der bei Bremen in die *zwölfte* Saison geht. Da kann man doch nur den Kopf schütteln. Leute, dies ist die Online-Ausgabe Eurer Zeitung, da ist es nicht so schlimm, wenn ein Artikel nicht erscheint, denn es gibt keine freien Flächen oder Lücken! Armseelig!!!
humble_opinion 09.08.2010
2.
Als HSV-Fan kann ich dem Artikel nur zustimmen. 'Mein' Verein scheint das einfach nicht zu kapieren. Trotz eines theoretisch großen Potentials sorgen die ständigen Veränderungen in Vorstand und auf der Trainerbank dafür, dass keine wirkliche Mannschaft wächst. Und Leistungsträger in der Mannschaft werden oft nicht gehalten. Da schaue ich neidvoll z.B. nach Bremen. Obwohl mit weniger Geld 'gesegnet', machen uns die Bremer seit Jahren/Jahrzehnten vor, wie es geht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.