Von Lukas Rilke
Més que un club, mehr als ein Club, lautet das offizielle Motto des Futbol Club Barcelona. In der Vergangenheit bezog sich dieses Selbstverständnis bei den Katalanen vor allem auf die Bedeutung des Vereins für die Region und die Verpflichtung zu sozialem Engagement.
Schon immer war Barça auch sportlich einer der ganz großen Clubs in Europa, doch zu der Übermannschaft, die 13 Titel in den vergangenen vier Jahren gewinnen konnte, machte es erst ein Mann: Josep Guardiola i Sala.
Der 41-Jährige hatte zur Spielzeit 2008/2009 das Traineramt angetreten, zum Ende dieser Saison ist Schluss. "Das ist keine einfache Entscheidung für mich", sagte Guardiola bei einer Pressekonferenz vor den Augen mehrerer Spieler, "es ist für mich an der Zeit, zu gehen." Er könne nicht mehr die Energie aufbringen, die nötig sei. Das Amt übernimmt der ein Jahr ältere Tito Vilanova, der wie Guardiola der clubeigenen Talentschmiede La Masia entstammt und bislang als Co-Trainer arbeitete.
Guardiola brachte dem Club Erfolg - und eine Philosophie
Stets verlängerte Guardiola nur um ein Jahr. "Barça-Trainer kann man nicht auf Lebenszeit sein", sagte er 2010. Man dürfe nur für kurze Zeitspannen unterschreiben, in denen man etwas erreichen müsse, "gemeinsam mit den Spielern, mit den Fans."
Das gelang ihm gleich in seiner ersten Saison in nie dagewesener Art und Weise. Guardiola gewann Meisterschaft, Champions League, den spanischen Pokal und Supercup sowie den Uefa-Supercup und die Club-Weltmeisterschaft. Dabei war es eine große Überraschung, dass er im Sommer 2008 den Trainerposten von Frank Rijkaard übernahm, und kein Star-Trainer. Guardiola hatte als Mittelfeldspieler bei Barcelona Erfolge gefeiert, galt im Team seines Lehrmeisters Johan Cruyff als Denker und Lenker. Vor seiner Beförderung trainierte er die zweite Mannschaft des FC Barcelona.
Der Niederländer Rijkaard hatte den Club 2005 nach sechs Jahren wieder zur Meisterschaft geführt, 2006 gelang der Champions-League-Triumph gegen den FC Arsenal. Es folgten zwei erfolglose Jahre. Die Club-Bosse waren weniger auf der Suche nach einem Trainer denn nach einem Fußball-Philosophen.
Zwar bildeten schon damals Andrés Iniesta, Xavi, Carles Puyol und Lionel Messi das Gerüst des Teams. Doch erst das Eigengewächs Guardiola ließ einen Fußball spielen, der die Welt staunen ließ. Kaum enden wollende Kurzpass-Stafetten, das sogenannte Tikitaka, bescherten Barça unter Guardiolas Regie regelmäßig über 70 Prozent Ballbesitz, Arsenals Trainer Arsène Wenger sprach von der "besten Mannschaft der Welt".
Insgesamt führte "Pep" den Verein zu zwei Erfolgen in der Champions League (2009, 2011), drei Meistertiteln (2009, 2010, 2011), dem Weltpokal (2009, 2011) und einem Sieg im spanischen Königspokal (2009). In dieser Saison jedoch ist die Meisterschaft außer Reichweite, spätestens seit der Niederlage im Clásico gegen Tabellenführer und Erzrivale Real Madrid.
"Sobald ich das Feuer nicht mehr spüre, verabschiede ich mich"
Das Ausscheiden gegen den FC Chelsea in der Champions League gilt als ausschlaggebend für Guardiolas Entscheidung. "Dieses Spiel wird unsere Zukunft markieren", hatte der Coach vor dem Rückspiel gesagt. Wie schon in London rannte seine Mannschaft beim 2:2 in Barcelona 90 Minuten lang gegen die englische Abwehrmauer an, allein die Kreativität, das gewisse Extra, das den FC Barcelona unter Guardiola so ausgezeichnet hatte, fehlte.
Es zeichnet den Trainer aus, dass er dies erkennt und die Konsequenzen zieht. "Wir müssen in den nächsten Tagen untersuchen, was wir falsch gemacht haben", hatte Guardiola nach dem Spiel gesagt. Nicht ausgeschlossen, dass er die Gründe vor allem bei sich selbst sieht. "Vier Jahre als Trainer bei Barça sind eine Ewigkeit", sagte er am Freitag: "Es waren vier Jahre mit großer Belastung, die an die Substanz gegangen sind."
Zuletzt war in der spanischen Presse erstmals von Rissen zwischen Team und Trainer die Rede, von einer Maulwurfsaffäre, bei der taktische Anweisungen nach außen gelangten, von internem Neid dem Weltfußballer Messi gegenüber. Im Vergleich zu anderen Mannschaften mag all dies harmlos wirken. Doch in der sonst so um heile Welt bemühten Barça-Familie sind selbst solche Lapalien schon außergewöhnlich.
"Sobald ich das Feuer nicht mehr spüre, gehe ich zum Präsidenten, um mich zu verabschieden, aber bis dahin lebe ich den Job kompromisslos", hatte Guardiola kurz nach seinem Amtsantritt gesagt. Nun ist der Zeitpunkt gekommen.
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