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Trainer-Rauswurf beim HSV: Hoffmann, der Krisenmacher

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Der Coach ist gefeuert, die Krise geht weiter: Beim HSV nimmt mit Bruno Labbadia schon wieder ein Trainer seinen Abschied, der sechste unter der Ägide von Vereinspräsident Hoffmann. Künftige Kandidaten werden sich ein Engagement in Hamburg gut überlegen.

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Kurz vor Weihnachten hat der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, Bernd Hoffmann, auf der Website des Vereins ein langes Interview gegeben, in dem er die Arbeit von Trainer Bruno Labbadia in hohen Tönen lobt. "Diese Elf trägt die Handschrift von Bruno Labbadia", heißt die Überschrift über dem Interview - und dieser Satz ist auch im April noch genauso wahr. Die Mannschaft hat zuletzt gespielt, wie ein von Labbadia betreutes Team in der Rückrunde gemeinhin auftritt: ohne Saft, ohne Feuer, ohne Leben. So wie es bei seinen bisherigen Trainerstationen in Fürth und Leverkusen auch war.

Der Trainer darf folgerichtig deswegen beim HSV vorzeitig gehen, ein Abgang mit Ansage. Der Vorstandsvorsitzende wird wohl bleiben. Labbadia ist Coach Nummer sechs, der in Bernd Hoffmanns rund siebenjähriger Amtszeit seit Februar 2003 verbraucht wird. Das sagt viel über die Machtverhältnisse im Club aus, das spricht Bände, welchen Status ein Trainer im System Hoffmann besitzt.

Hoffmann hat seine unbestrittenen Verdienste um den Verein. Er hat die Marke Hamburger SV noch einmal neu erfunden, er hat Sponsoren herangeholt, er hat die Geldmaschine HSV zum Laufen gebracht, andere Vereine hätten ihre Stadionfinanzierung gerne auf so solide Füße gestellt, wie das Hoffmann beim HSV gelungen ist. Auf den Feldern, die ein Präsident bestellen sollte, leistet er Überdurchschnittliches. Die Zahlen stimmen. Der 47-Jährige ist ein Marketing-Experte, da bringt er seine beruflichen Erfahrungen als Deutschland-Chef des Sportrechtevermarkters Sportfive ein.

Mit dem Eigenmarketing hapert es dagegen.

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HSV-Präsident: Hoffmann hoffnungslos
Es gibt Vereine, da hält sich der Präsident aus sportlichen Belangen des eigenen Vereins weitgehend heraus. Werder Bremen ist ein Beispiel, wo Präsident Klaus-Dieter Fischer die sportliche Kompetenz von Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf uneingeschränkt anerkennt und sich auf die kaufmännischen Belange konzentriert.

Der Präsident handelt aus Überzeugung

Ein solches Amtsverständnis war Hoffmann immer fremd. Es wäre ihm auch unerträglich. Zu sehr hat er die Sache HSV zu seiner eigenen gemacht. Der Vorstandsvorsitzende gilt bei vielen Fans als arrogant, als kalt, als entrückt. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Hoffmann ist Überzeugungstäter. So einer muss sich in alles im Verein einmischen, so einer muss irgendwann der Überzeugung sein, ohne sein Zutun funktioniere wenig bis nichts. Weil er glaubt, zu wissen, wie es richtig zu laufen habe. Der frühere Vorsitzende der Geschäftsführung bei Hertha BSC, Dieter Hoeneß, war ein ähnlicher Typ. Mit dem Unterschied immerhin, dass Hoffmann besser mit Geld umgehen kann als Hoeneß zu Hertha-Zeiten.

In ein solches Umfeld passen nur Trainer, die schwach genug sind, ein solches Prinzip der Einmischung zu dulden. Trainer, die ihr eigenes Revier abstecken, die Ansprüche auf Spielräume erheben und ihren Kompetenzbereich gegen Eingriffe von außen verteidigen, müssen in einem solchen System irgendwann resignieren. Das wären allerdings genau die sportlichen Leiter, die einen Verein weiterbrächten. Weil sie die Autorität besitzen, sowohl jüngere Spieler zu begeistern, als auch älteren Spielern noch die notwendigen Impulse zu geben. Eine Autorität, die ein Bruno Labbadia bei den erfahrenen Spielern nie besessen hat.

Keine Aussicht auf Änderung

Als am Ende der Vorsaison zuerst der holländische Trainer Martin Jol Hals über Kopf den HSV verließ und dann auch noch Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer genervt vom Kompetenzstreit mit dem Präsidenten seinen Abschied nahm, nachdem er die Machtprobe mit Hoffmann riskierte und verlor, riss der Vorstandsvorsitzende die Transferpolitik weitgehend an sich. Die Suche nach einem neuen Sportdirektor zog sich über Monate hin - es gab schließlich den Präsidenten, der sich um das eine oder andere kümmern konnte, was Aufgabe eines Managers wäre.

Einem Trainer auch dann zu vertrauen, wenn es kriselt, ihm bei der Auswahl der Transfers weitgehend freie Hand zu lassen, die Kaderplanung dem Betreuerstab zu überlassen und lediglich die finanziellen Rahmenbedingungen zu setzen - sich persönlich zurückzunehmen, hat Hoffmann in Hamburg bisher nicht gelernt. Nach sieben Jahren im Amt ist die Aussicht relativ begrenzt, dass der Präsident sich noch einmal ändern wird.

Die Wahl des neuen Sportdirektors zur kommenden Saison spricht zumindest auch nicht dafür. Urs Siegenthaler hat als Chefscout des Deutschen Fußball-Bundes in einem von der sportlichen Leitung geschützten Umfeld seine Meriten erworben. Managerqualitäten hat er bisher nicht unter Beweis stellen können.

Labbadias Bundesligakarriere ist vorerst vorbei

In der vergangenen Spielzeit hat der HSV auf der Zielgerade fast alles verspielt: Den möglichen Pokalsieg, die Finalteilnahme im Uefa-Cup. Hoffmann bekam anschließend auf der Jahreshauptversammlung den geballten Zorn der Anhängerschaft zu spüren. In diesem Jahr wiederholt sich die Geschichte, angereichert um eine Last-Minute-Trainerentlassung.

Hoffmann hat viel Geld in die Hand genommen, um Bruno Labbadia im Sommer aus dem Vertrag bei Bayer Leverkusen loszukaufen. 1,3 Millionen Euro Ablösesumme soll der HSV bezahlt haben. Jetzt darf er dem freigestellten Coach geschätzt noch eine Million Euro an Abfindung überweisen, heißt es. Eine Summe, von der Labbadia unter Umständen eine Weile zehren muss. Ein neuer Job in der Bundesliga ist nach den Erfahrungen von Leverkusen und Hamburg für ihn in weiter Ferne. Der Trainer hatte am Ende überhaupt keinen Rückhalt mehr, vereinsinterne Gerüchte brachten ihn in Misskredit, mit Führungsspielern lag er über Kreuz. Bruno Labbadia wird sich nach einem Job in der Türkei oder in Österreich umsehen müssen.

Ein Trainer mit Ambitionen wird es sich künftig gut überlegen, ob er einen Vertrag in Hamburg unterschreibt. Der Verein bietet glänzende Perspektiven, er hat ein beeindruckendes Stadion anzubieten, eine zwar kritische, aber letztlich treue Fangemeinde, einen Spielerkader, der jedes Jahr um die Meisterschaft mitspielen könnte - Standortfaktoren, die jeden Coach anlocken müssten.

Der HSV hat allerdings auch einen Präsidenten Bernd Hoffmann.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
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1. Endlich eine wahre Erkenntnis: "Hoffmann der Krisenmacher"
Eppelein von Gailingen 26.04.2010
Zitat von sysopBruno Labbadia gefeuert: Beim HSV nimmt schon wieder ein Trainer seinen Abschied, der sechste unter der Ägide von Vereinspräsident Bernd Hoffmann. Dessen Strategie ist gründlich gescheitert. Künftige Trainer werden sich ein Engagement in Hamburg gut überlegen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,691191,00.html
Genau so ist es. HSV hat noch immer keinen Nachfolger für den ebenfalls umstritten gewesenen Beiersdorfer. So lange Bernd Hoffmann dort seine Kreise zieht und seinen Einfluß ausströmt, will keiner mehr zum HSV.
2. Hoffmann
vw71, 26.04.2010
Wenn ich mich recht entsinne, wurde Labbadia noch unter der Ägide von Diddi Beiersdorfer verpflichtet. Jetzt Hoffmann für alles Unglück verantwortlich zu machen scheint mir reine Effekthascherei zu sein. Nur der HSV
3. ......
onecomment 26.04.2010
Zitat von sysopBruno Labbadia gefeuert: Beim HSV nimmt schon wieder ein Trainer seinen Abschied, der sechste unter der Ägide von Vereinspräsident Bernd Hoffmann. Dessen Strategie ist gründlich gescheitert. Künftige Trainer werden sich ein Engagement in Hamburg gut überlegen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,691191,00.html
Der HSV hat relativ viel Geld, eine gute Infrastruktur, einen akzeptablen Kader, ein gute Umfeld in einer schönen Stadt und ein tolles Stadion. Ich denke da werden nicht viele Trainer lange überlegen. Es sei noch angemerkt dass 2 Trainer freiwillig gegangen sind.
4. Tja.
josipbroztito 26.04.2010
Quod licet Iovi, non licet bovi. Der HSV ist ein Karnvalsverein der durch jämmerliche Transferpolitik und mangelnde Jugendarbeit wieder einmal mit leeren Händen dastehen wird. Zu Recht. Der letzte deutsche Nationalspieler der vom HSV ausgebildet wurde war meines Wissens Uwe Seeler (vorsicht, Ironie). Die Träumereien des HSV, der in die Gruppe von Bayern, Bremen und Stuttgart eindringen wollte, also zu denen Vereinen gehören wollte, die finanziell sehr gut dastehen und sportlichen Erfolg haben, erweisen sich als wohlfeil. Pech nur, dass mit Dortmund und Schalke zwei Vereine vor dem HSV stehen, die durch Übervorteilung ihrer Stakeholder (BVB) oder extreme Verschuldung (S04) glänzen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Schwierigkeiten auf dem Finanzsektor auch hier für die längst fällige Katharsis sorgen.
5. Hsv
Hansschwarz 26.04.2010
die Verhältnisse in diesem Traditionsverein sind und bleiben zerrüttet, solange Berndt Hoffmann dort regieren darf.
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HSV-Trainer der Ära Hoffmann
Kurt Jara Okt. 2001 - Okt. 2003
Klaus Toppmöller Okt. 2003 - Okt. 2004
Thomas Doll Okt. 2004 - Feb. 2007
Huub Stevens Feb. 2007 - Jun. 2008
Martin Jol Jul. 2008 - Mai. 2009
Bruno Labbadia Jul. 2009 - Apr. 2010
Armin Veh Jul. 2010

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