Trainerwechsel in Stuttgart Schweizer Gross wird Babbel-Nachfolger

Der VfB Stuttgart hat sich von Trainer Markus Babbel getrennt - und sofort dessen Nachfolger präsentiert. Der Schweizer Christian Gross soll den kriselnden Club vor dem Abstieg retten.

dpa/dpaweb

Hamburg - Der VfB Stuttgart hat Christian Gross als neuen Trainer verpflichtet. Knapp eine Stunde nach der Trennung vom bisherigen Teamchef Markus Babbel stellte der Bundesligist am Sonntagabend den Schweizer bei einer Pressekonferenz als neuen Übungsleiter vor. Der 55-Jährige war seit Sommer diesen Jahres vereinslos, zuvor hatte er den FC Basel trainiert. Er erhielt einen Vertrag bis 30. Juni 2011. "Ich bin hier um zu retten, was noch zu retten ist", sagte Gross, der die Mannschaft noch am Abend zum ersten gemeinsamen Training anrücken ließ. "Ich will mit der Mannschaft zurück auf die Siegerstraße."

"Der Samstag hat uns den Rest gegeben", begründete Manager Horst Heldt den Wechsel. Selbst gegen den ebenfalls bedrohten VfL Bochum hatte es trotz Überzahl nur zu einem 1:1 gereicht. Mehrere hundert Fans ("Wir haben die Schnauze voll!") hatten nach dem Spiel randaliert. Die Polizei musste Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen, um zu verhindern, dass das Vereinsheim gestürmt wurde. "Solche Szenen wie am Samstag habe ich noch nicht erlebt. Selbst die so genannten Fußball-Millionäre haben es nicht verdient, dass ihnen ein solcher Hass und sogar Mordgesten entgegengebracht werden", kritisierte Babbel die Fans des VfB.

"Wir haben schon wieder mit ansehen müssen, dass die Mannschaft ihr Potential nicht abruft", sagte Heldt. Gross, ehemaliger Profi des VfL Bochum (29 Bundesliga-Spiele, 4 Tore), soll das nun ändern. "Ich kenne die meisten Spieler sehr gut", sagte er. "Meine Hauptaufgabe bis Weihnachten wird sein, alles aus ihnen herauszuholen und die Fans happy zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir aus dieser schlechten Situation herauskommen."

Vorgänger Babbel zeigte Verständnis für seine Freistellung. "Ich weiß, dass ein Schlussstrich gezogen wird, wenn die Ergebnisse ausbleiben", sagte der 37-Jährige. "Es geht jetzt nicht um Einzelschicksale, sondern nur um den VfB. Ich wünsche dem neuen Trainerteam alles Gute. Ich hoffe, dass sie den Knopf finden und drücken, damit die Mannschaft wieder funktioniert. Ich habe ihn nicht gefunden."

Stuttgarts Absturz auf den Relegationsplatz

Der VfB liegt nach acht Bundesliga-Spielen ohne Sieg und nur zwölf Punkten aus 15 Spielen auf Platz 16, der am Saisonende in die Relegation führen würde. Stuttgart hat am Mittwoch aber die Chance, mit einem Sieg gegen den rumänischen Meister Unirea Urziceni ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Damit wurde Babbel vor die Tür gesetzt, bevor er überhaupt seinen DFB-Trainerschein machen konnte.

Babbel war 2007 noch als Spieler an der fünften deutschen Meisterschaft der Schwaben beteiligt. Nach eineinhalb Jahren als Assistenztrainer von Armin Veh übernahm er nach dessen Entlassung am 23. November 2008 selbst die Verantwortung. Unter Babbel spielte der VfB die beste Rückrunde seiner Clubgeschichte, belegte in der Bundesliga Rang drei und erreichte nach den zwei Qualifikationsspielen gegen den FC Timisoara aus Rumänien die Champions League. In dieser Saison folgte der Absturz.

Markus Babbel ist der 319. Trainer in der Geschichte der Bundesliga, der vorzeitig seinen Posten räumen musste. Zuvor hatten in dieser Saison Marcel Koller beim VfL Bochum, Dieter Hecking bei Hannover 96 und Lucien Favre bei Hertha BSC Berlin vorzeitig gehen müssen. Noch vor Saisonbeginn war Aufstiegstrainer Jörn Andersen beim FSV Mainz durch Thomas Tuchel ersetzt worden.

luk/sid/dpa

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deefens 06.12.2009
1. Es langweilt langsam
Spielt die Mannschaft schlecht, rollt der Kopf des Trainers. Ist die Mannschaft aber katastrophal vom Management zusammengestellt bzw. der Leistungsträger ersatzlos verkauft worden, rollt ebenfalls der Kopf des Trainers. Das versteht zwar kein Mensch, tuts aber als Bauernopfer um die schlichteren unter den Fans zufriedenzustellen. Mir reicht das allerdings nicht
lynx2 06.12.2009
2. Rebelliert?
Zitat von sysopVergangene Saison führte Markus Babbel den VfB Stuttgart in die Champions-League-Ränge, in dieser Spielzeit folgte der Absturz in den Tabellenkeller. War die Trennung vom Trainer der richtige Schritt?
........ Randaliert ist wohl der richtige Ausdruck. Außerdem sind das keine Fans, sondern Hooligans, ein Abschaum, dem es nicht um Sport geht, sondern nur um Randale.
JaIchBinEs, 06.12.2009
3. Fußball ist ein Spiel ..
Zitat von sysopVergangene Saison führte Markus Babbel den VfB Stuttgart in die Champions-League-Ränge, in dieser Spielzeit folgte der Absturz in den Tabellenkeller. War die Trennung vom Trainer der richtige Schritt?
Seltsamerweise haben Leistungsdefizite im Profifußball andere Konsequenzen als z.B. in einem mittelständischen Betrieb. Dort werden, wenn der Laden schlecht läuft, eher Mitarbeiter entlassen, als z.B. der Geschäftsführer. Warum soll man sich nicht auch von aktiven Spieler in einem Verein trennen, wenn diese schlechte Leistungen zeigen oder nicht ins Team passen. Was ist daran so schlimm, im „Tabellenkeller“ zu landen, schließlich ist Fußball ein *Spiel*, wo immer einer verlieren muß, wenn der andere gewinnt. Auch ein Unternehmen kann eine Krise durchlaufen und wieder gestärkt aus dieser hervorgehen. Ob dabei hektische Personalwechsel hilfreich sind, bezweifele ich eher. Tom
klumpenhund 06.12.2009
4.
Zitat von JaIchBinEsSeltsamerweise haben Leistungsdefizite im Profifußball andere Konsequenzen als z.B. in einem mittelständischen Betrieb. Dort werden, wenn der Laden schlecht läuft, eher Mitarbeiter entlassen, als z.B. der Geschäftsführer. Warum soll man sich nicht auch von aktiven Spieler in einem Verein trennen, wenn diese schlechte Leistungen zeigen oder nicht ins Team passen. Was ist daran so schlimm, im „Tabellenkeller“ zu landen, schließlich ist Fußball ein *Spiel*, wo immer einer verlieren muß, wenn der andere gewinnt. Auch ein Unternehmen kann eine Krise durchlaufen und wieder gestärkt aus dieser hervorgehen. Ob dabei hektische Personalwechsel hilfreich sind, bezweifele ich eher. Tom
Meistens zumindest temporär schon, das ist der Unterschied zu einem konventionellen Unternehmen. Nun ist Babbel doch weg, besonders witzig finde ich die völlig überzogene Berichterstattung der letzten Tage, wie lobenswert und selten es doch sei an seinem Trainer so lange festzuhalten. Dabei haben z.B. Doll oder Klinsmann wesentlich mehr Zeit bekommen. Ich finde, sie hätten den Mann entweder vor ca. 2 Monaten feuern sollen oder noch bis Anfang März halten sollen um erst dann im Falle akuter Abstiegsgefahr einen Feuerwehrmann zu holen. So wie sie es jetzt machten ist es wenig sinnvoll. Kein Ersatz in Sicht, kein klares Saisonziel mehr.
hajott59, 06.12.2009
5. Verantwortung
Na ja, der Herr Babbel hat ja sicher auch ein Wörtchen mitgesprochen, als die Gomez-Millionen in Neuzugänge investiert wurden. Und die haben halt bisher nichts gebracht. In so einer Situation geht immer zuerst der Trainer, das ist nun mal so üblich. Obs was bringt steht auf einem anderen Blatt ... die Spieler sind ja immer noch die selben. Als KSC-Fan habe ich dasselbe ja bei meinem Klub auch erlebt, da hat der Trainerwechsel auch keine Wunder bewirkt. Aber auch als "Badener" wünsche ich dem VFB am Mittwoch viel Erfolg und hoffe, daß sie da unten wieder rauskommen.
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