Transfer-Reform: Rummenigge kritisiert EU-Pläne scharf

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Bayern-Boss Rummenigge: "Da dreht sich mein Magen noch heute um"

Hände weg vom Fußball: Wenn es nach Karl-Heinz Rummenigge geht, sollte sich die EU bloß nicht ins europäische Transfer- und Ablösesystem einmischen. Der Bayern-Boss sieht keinen Korrekturbedarf bei der derzeitigen Regelung und verweist auf das Bosman-Urteil: "Da dreht sich mein Magen noch heute um."

Hamburg - Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, hat die Pläne der Europäischen Union zur Reform des Transfersystems im europäischen Vereinsfußballs scharf kritisiert. "Das ist eine Initiative der EU-Kommission, also der Politik. Und ich muss offen und ehrlich sagen: Alle Entscheidungen der vergangenen 20 Jahre, die die Politik im Fußball getroffen hat, waren für den Fußball katastrophal", sagte Rummenigge dem "Münchner Merkur" und der "tz".

Die Politiker hätten nach Ansicht von Rummenigge die Materie nicht ganz verstanden. "Der Fußball bedarf keiner großen Korrekturen, man muss uns jetzt nicht ins Steuer hinein greifen", sagte der 57-Jährige. Die EU-Kommission will im Fußball mit Hilfe einer Fairplay-Gebühr auf Transfersummen die finanzielle Balance zwischen großen und kleineren Klubs verbessern.

Dabei soll ein noch nicht festgelegter Anteil des Betrags, um den eine Transfersumme einen ebenfalls noch zu bestimmenden Schwellenwert übersteigt, an kleinere Vereine fließen. In welcher Form die Umverteilung erfolgen soll und welche Clubs in welcher Höhe von der Fairplay-Gebühr profitieren könnten, ist noch offen. Zudem sind Obergrenzen für festgeschriebene Ablösesummen geplant.

Die Details der künftigen Transferbestimmungen sollen die internationalen Dachverbände ausarbeiten. Im Fußball sind der Weltverband Fifa und die Europäische Fußball-Union Uefa am Prozess beteiligt. Beratungen der europäischen Sportminister über die Ergebnisse sind für Dezember vorgesehen.

Rummenigge hält jedoch grundsätzlich wenig von der Einflussnahme der Politik auf den Sport. "Wenn ich mich nur an das Bosman-Urteil erinnere, dreht sich mein Magen noch heute um. Da hat die Politik dem Fußball ein Ei ins Nest gelegt wie nie zuvor eine Institution. Niemals gab es eine negativere Beeinflussung.

Als Bosman-Urteil wurde eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes bekannt, der 1995 entschied: Profi-Fußballer in der EU dürfen nach Ende ihres Vertrages ablösefrei zu einem anderen Club wechseln. "Bosman hat dazu geführt, dass die Transfersummen explodiert sind. Bosman hat dazu geführt, dass die Gehälter explodiert sind. Ich würde sagen, die Spieler und die Berater reiben sich noch heute die Hände, aber die Vereine und Verbände waren die, die Zeche gezahlt haben", sagte Rummenigge.

ham/luk/sid

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Seltsam
axel h. 01.03.2013
Nennt er wirklich ein Gerichtsurteil von höchster Instanz "Politik"? Das wäre ein seltsames Rechtsverständnis. Im Gegensatz zu "Bosmann" IST es allerdings aktuell Politik. Diese Initiative der EU-Kommission macht Sinn, weil wir bekanntlich in der EU derzeit überhaupt keine anderen Probleme haben...
2. Es reicht!
siegfriedluckner 01.03.2013
Gibt es eigentlich noch irgendeinen Bereich des menschlichen Lebens, in den das Zentralkomitee der EUdSSR glaubt, sich nicht einmischen zu müssen? So langsam sträuben sich bei mir als eigentlich überzeugten Europäer schon die Nackenhaare, wenn ich nur den Begriff „EU-Kommission“ lese. Die ganze Gutmenschendiktatur aus Brüssel ist kaum noch zu ertragen. Erstaunt bin ich eigentlich nur, dass die aus Luxemburg stammende Justizkommissarin Redding nicht gleich noch eine vierzigprozentige Frauenquote für alle Spieler auf dem Platz per EU-Richtlinie den Völkern Europas aufoktroyiert. Aber ich bin sicher, auch auf diese Schwachsinnsidee werden durchgeknallte Eurokraten früher oder später noch kommen.
3. Interessant....
krulle 01.03.2013
"Bosman hat dazu geführt, dass die Transfersummen explodiert sind. Bosman hat dazu geführt, dass die Gehälter explodiert sind. Ich würde sagen, die Spieler und die Berater reiben sich noch heute die Hände, aber die Vereine und Verbände waren die, die Zeche gezahlt haben", sagte Rummenigge. Meines Erachtens sind durch Bosman die Ablösesummen gefallen. Die Spitzensummen werden ja nur noch von wenigen Vereinen bezahlt, allesamt Spitzenvereinen. Spitzenspieler sind teurer geworden, da wenige EINZELNE Individuen ganz bestimmte Spieler für ihr Team zusammengekauft haben, und ihre "Investition" durch lange Vertragslaufzeiten gesichert haben. Nach Arbeitsrecht kann eigentlich jeder Arbeitnehmer mit einer 3-monatigen Kündigungsfrist gehen. Und da er kein Know-How mitnimmt (sondern nur sein Talent) wären Konkurentklauseln im Arbeitsvertrag anfechtbar. Dem sind UEFA, DFB und FIFA schon durch eigene Regeln und Transferperioden zuvorgekommen..... Arbeitsrecht ist auch auf Fussballer anzuwenden! Die Gehälter steigen, da der Fussballer an sich weniger kostet (und diese gesparte Transfergebühr als Gehalt eingefordert wird), und man ihn mit langen Vertragslaufzeiten an sich binden will. Und wer ist schon so doof, einen Fussballer für 40 Mio. zu kaufen, wenn man in einem Jahr den Kerl für lau haben kann (und eben nur ein besseres Gehalt als andere bieten muss)? Kann so ein Spieler wirklich die 40 Mio in einem Jahr erwirtschaften? Solange manche Vereine der Spitzenklasse auch ohne Individualzubutterung (wie eben der FCBavaria) es schaffen, dennoch schwarze Zahlen zu präsentieren, kann es ja wohl nicht so schlimm sein...
4. Bosman
whc80 01.03.2013
Ja, Herr R. Dass die Spieler durch dieses URTEIL aus der modernen Sklaverei befreit hat führt natürlich zu Magenverstimmungen... Warum such die EU jetzt in dieses Thema einmischt ist mir auch nicht klar. Aber das mit Bosman zu begründen ist falsch.
5. Da hat die Politik dem Fußball ein Ei ins Nest gelegt wie nie zuvor eine Institution.
nando70 01.03.2013
Lieber Herr Rummenigge, so ein Unsinn kommt raus, wenn Leute wie Sie - die offenbar in einer Parallelgesellschaft leben- Aussagen über die reale Welt treffen- Nicht die Politik. sondern ein Gericht hat dieses Urteil gesprochen, weil der Zustand vorher rechtswidrig war. Fußballer sollten Fußbal spielen, aber nach dem Verlassen des Feldes einfach mal die Klappe halten.
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