Hamburg - Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, hat die Pläne der Europäischen Union zur Reform des Transfersystems im europäischen Vereinsfußballs scharf kritisiert. "Das ist eine Initiative der EU-Kommission, also der Politik. Und ich muss offen und ehrlich sagen: Alle Entscheidungen der vergangenen 20 Jahre, die die Politik im Fußball getroffen hat, waren für den Fußball katastrophal", sagte Rummenigge dem "Münchner Merkur" und der "tz".
Die Politiker hätten nach Ansicht von Rummenigge die Materie nicht ganz verstanden. "Der Fußball bedarf keiner großen Korrekturen, man muss uns jetzt nicht ins Steuer hinein greifen", sagte der 57-Jährige. Die EU-Kommission will im Fußball mit Hilfe einer Fairplay-Gebühr auf Transfersummen die finanzielle Balance zwischen großen und kleineren Klubs verbessern.
Dabei soll ein noch nicht festgelegter Anteil des Betrags, um den eine Transfersumme einen ebenfalls noch zu bestimmenden Schwellenwert übersteigt, an kleinere Vereine fließen. In welcher Form die Umverteilung erfolgen soll und welche Clubs in welcher Höhe von der Fairplay-Gebühr profitieren könnten, ist noch offen. Zudem sind Obergrenzen für festgeschriebene Ablösesummen geplant.
Die Details der künftigen Transferbestimmungen sollen die internationalen Dachverbände ausarbeiten. Im Fußball sind der Weltverband Fifa und die Europäische Fußball-Union Uefa am Prozess beteiligt. Beratungen der europäischen Sportminister über die Ergebnisse sind für Dezember vorgesehen.
Rummenigge hält jedoch grundsätzlich wenig von der Einflussnahme der Politik auf den Sport. "Wenn ich mich nur an das Bosman-Urteil erinnere, dreht sich mein Magen noch heute um. Da hat die Politik dem Fußball ein Ei ins Nest gelegt wie nie zuvor eine Institution. Niemals gab es eine negativere Beeinflussung.
Als Bosman-Urteil wurde eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes bekannt, der 1995 entschied: Profi-Fußballer in der EU dürfen nach Ende ihres Vertrages ablösefrei zu einem anderen Club wechseln. "Bosman hat dazu geführt, dass die Transfersummen explodiert sind. Bosman hat dazu geführt, dass die Gehälter explodiert sind. Ich würde sagen, die Spieler und die Berater reiben sich noch heute die Hände, aber die Vereine und Verbände waren die, die Zeche gezahlt haben", sagte Rummenigge.
ham/luk/sid
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