Wechsel zu Manchester City Darum hat Guardiola zugesagt. Und darum. Und darum.

Josep Guardiola wird neuer Trainer bei Manchester City. Was zieht den Spanier zu dem Klub arabischer Investoren? Die Gründe, seine Erfolgsaussichten, die Transfergerüchte über neue Spieler.

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Manchester City hat das seit Wochen offene Geheimnis nun formal gelüftet: Josep Guardiola wird neuer Trainer des Premier-League-Klubs. Der Spanier erhält einen Vertrag bis 2019 und soll die Citizens aus dem internationalen Schattendasein befreien.

Warum wechselt Guardiola zu Manchester City?

"Ich will in England in der Premier League trainieren." So begründete Guardiola seine Absage an den FC Bayern. Für eine Vertragsverlängerung bei seiner zweiten Trainerstation fühle er sich noch zu jung - er brauche "eine neue Herausforderung". Das war aber nur die halbe Wahrheit, denn die Ambitionen seines neuen Klubs waren das entscheidende Kriterium. Ein Wechsel zum FC Watford wäre für den Spanier sicherlich keine Alternative gewesen.

Zudem trifft Guardiola in Manchester auf alte Weggefährten aus seiner Zeit beim FC Barcelona. Geschäftsführer Ferran Soriano und Sportdirektor Txiki Begiristain haben verantwortliche Positionen, werden im neuen Machtgefüge aber zurücktreten und dem Trainer möglichst jeden Wunsch erfüllen. Das war in München nicht der Fall, gerade in Sachen Transfers hatte Guardiola nicht das letzte Wort.

Was erwartet City von Guardiola?

Seit die Investoren aus Abu Dhabi im Jahr 2008 die Mehrheit am Klub aus Manchester übernommen haben, wurden vier Titel gewonnen. 2012 und 2014 wurden die Citizens englischer Meister, in den beiden nationalen Pokalwettbewerben kam jeweils ein Sieg dazu. Diese Bilanz ist, gemessen an den finanziellen Möglichkeiten, ausbaufähig.

Auf internationaler Ebene ist die Erwartungshaltung noch größer. In den vergangenen Jahren war in der Champions League spätestens im Achtelfinale Schluss - zumindest das könnte sich in dieser Saison mit dem kommenden Gegner Dynamo Kiew ändern. Guardiola muss in seiner dreijährigen Vertragslaufzeit aber die Champions League gewinnen.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

In finanzieller Hinsicht wechselt Guardiola in eine Liga, in der sein neuer Klub - anders als der FC Bayern in der Bundesliga - mit Konkurrenz auf Augenhöhe leben muss. Manchester United und der FC Chelsea haben ähnliche Voraussetzungen wie City, der FC Arsenal, Liverpool und Tottenham stehen etwas dahinter.

Allerdings haben alle englischen Spitzenteams derzeit mit eigenen Problemen zu kämpfen. Bei Manchester United ist die Zukunft von Trainer Louis van Gaal ungewiss, Chelsea sucht noch einen Nachfolger für Interimscoach Guus Hiddink und Arsenal agiert unter Arsène Wenger seit Jahren eher konservativ und scheint nicht bereit für ganz große Würfe. Auf nationaler Ebene könnte Projektleiter Guardiola schnell Erfolge feiern - zumal er das Team nach seinen Vorstellungen umbauen darf.

In der Champions League ist der Erfolg aber schwerer zu planen. Das hat Guardiola in München lernen müssen. Verletzungen, Belastung der Spieler, Leistungsdichte an der Spitze - diese Stolperfallen wird der 45-Jährige auch in Manchester nicht umgehen können.

Was passiert nach den drei Jahren in Manchester?

Guardiola hat in Interviews immer wieder betont, dass es keinen Sinn mache, länger als drei Jahre bei einem Verein zu verweilen. Das vierte Jahr beim FC Barcelona bezeichnete er einst als den "größten Fehler meiner Karriere". Das wird sich nach drei Spielzeiten in München und Manchester kaum ändern.

Sofern er mit Manchester City große Titel gewinnen sollte, könnte er eine Nationalmannschaftslaufbahn anstreben. Ganz abwegig scheint das nicht. Barça-Verteidiger Dani Alves hatte erst kürzlich verraten, dass Guardiola die brasilianische Nationalmannschaft 2014 zum WM-Titel führen wollte.

Welche Transfers gelten als wahrscheinlich?

An Kandidaten für mögliche Transfers dürfte es nicht mangeln. Geld spielt bei seinem neuen Klub ohnehin keine Rolle. Der Trainer ist ein großer Fan von Neymar, schon 2013 wollte er Brasiliens Superstar Mario Götze vorziehen. Doch die Verantwortlichen des FC Bayern bestanden auf den Götze-Transfer. Vorstellbar ist auch, dass er sich bei seinem jetzigen Verein bedient. Guardiola gilt als Bewunderer von Robert Lewandowski, Holger Badstuber, David Alaba und Thiago.

Ob solche Wechsel realistisch sind, muss jedoch angezweifelt werden. Bayern ist auf das Geld nicht angewiesen, zudem hat der Rekordmeister kein Interesse, einen Champions-League-Konkurrenten unnötig zu stärken. Zuletzt wurde der vierfache englische Meister auch mit den Dortmundern Julian Weigl und Ilkay Gündogan in Verbindung gebracht. Besonders die letzte Personalie dürfte interessant werden. Der BVB könnte nur noch im kommenden Sommer eine Ablösesumme für den Nationalspieler erhalten.

In Bezug auf den typischen Guardiola-Fußball dürfte im Kader der Citizens aber vor allem in der Abwehr Handlungsbedarf bestehen. Schnelligkeit, Passsicherheit, Pressingresistenz - all diese Attribute sucht man in Manchesters Verteidigung vergeblich. Die Sommer-Transferperiode könnte deshalb besonders interessant werden.

"Du brauchst Feinde"

Womöglich ein weiterer Grund, warum Guardiola weiterzieht: Der Trainer hatte in einem Interview mit dem Fernsehsender Sport 1 betont, dass es wichtig sei, Feinde zu haben. Diese seien für die Weiterentwicklung eines Trainers unabdingbar. In Manchester könnte er gar auf seinen Erzfeind treffen: José Mourinho gilt als aussichtsreicher Kandidat auf den Trainerposten bei Manchester United. Optimale Voraussetzungen also für Guardiola.



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insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
johannesraabe 01.02.2016
1.
Er wird in Manchester keinen Blumentopf gewinnen. Der Kader ist im Moment noch nicht auf Gurdiola ausgelegt, das wird MCity 400 Millionen kosten. Weiterhin ist der englische Spielplan so ausgelegt, dass das Powerplay von Gurdiola nicht durchzuhalten ist. Mourinho wurde auch nur durch Bunkern Meister. Außerdem gibt es keine Narren in der Premier League. Selbst das Spiel gegen die schlechteste Mannschaft wird zum Gefecht, also nicht so wie Hoffenheim und Co. Es wird Gurdiolas größter Fehler werden, aber am Ende wird er aufjedenfall ausgesorgt haben. Das ist das Ende seines schönen Fußballs.
totalmayhem 01.02.2016
2.
Und die 24 Millionen wahren Gruende werden mit keiner silbe erwaehnt. :D
Tom Joad 01.02.2016
3. Zu spät!
"Dani Alves hatte erst kürzlich verraten, dass Guardiola die brasilianische Nationalmannschaft 2014 zum WM-Titel führen wollte." Der Drops ist gelutscht.
foolbar 01.02.2016
4.
Er wechselt dorthin, weil da alles "super, super, super" ist?
TS_Alien 01.02.2016
5.
Eine gute Mannschaft kann jeder ordentliche Trainer zur Meisterschaft führen. Manchmal schafft sogar ein richtig schlechter Trainer einen Titel. Wenn man genauer hinsieht, haben die sogenannten Spitzentrainer auch nicht mehr Ahnung vom Fußball als ein ordentlicher Trainer. Das Bohei um angebliche Spitzentrainer kann man sich sparen.
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