Transferpoker: Die Wechseltricks der Fußballprofis

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Einen solchen Zufall kennt man beim HSV: Rafael van der Vaart hat sich kurz vor seinem Uefa-Cup-Einsatz verletzt, der einen Vereinswechsel sehr erschwert hätte. Immer wieder tricksen Stars, wenn es um Transfers geht. SPIEGEL ONLINE hat einige Beispiele zusammengestellt.

Morgen ist der Tag der Entscheidung. Sollte Rafael van der Vaart beim Uefa-Cup-Qualifikationsspiel des HSV bei Honved Budapest (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auflaufen, dürften die HSV-Fans aufatmen. In diesem Fall wäre der Mittelfeldstratege für keinen anderen Verein mehr in internationalen Wettbewerben spielberechtigt. Damit würde die Wahrscheinlichkeit, dass der 24-Jährige noch vor dem Transferschluss zum FC Valencia wechselt, gen Null tendieren. Doch danach sieht es nicht aus. Ausgerechnet einen Tag vor dem entscheidenden Spiel hat sich van der Vaart verletzt - beim Hochheben seines Sohnes.

Die Anhänger der Rothosen werden spätestens jetzt ein Déjà-vu-Erlebnis haben. Denn vor fast genau einem Jahr verletzte sich der von halb Europa umworbene Innenverteidiger Khalid Boulahrouz angeblich beim Aufwärmen für das Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Osasuna am Knöchel. "Der angeblich lädierte Knöchel ist jedenfalls nie dick geworden", erinnert das "Hamburger Abendblatt" an die skurrile Szene. Hätte der Niederländer das Spiel absolviert, hätte er für keinen anderen Verein in der Königsklasse antreten dürfen. Wenige Tage später unterschrieb Boulahrouz beim Champions-League-Favoriten FC Chelsea.

Überhaupt mussten die HSV-Fans in den vergangenen Jahren einige merkwürdig eingefädelte Abgänge der Stars verkraften. Denn neben Boulahrouz hatte auch dessen Innenverteidiger-Kollege Daniel van Buyten einen unrühmlichen Abgang. Anstatt sich zum HSV zu bekennen, schwärmte der Belgier öffentlich für zahlreiche europäische Topclubs. Nicht zuletzt für den FC Bayern, zu dem der Nationalspieler dann vor der abgelaufenen Saison wechselte.

Unkontrollierter Selbstbewusstseinsschub

Einen anderen Pflegefall teilte sich der HSV mit dem VfB Stuttgart. Kurz vorm Transferschluss vor der Saison 2006/2007 wurden die Hamburger auf der Suche nach einem Stürmer beim Ligakonkurrenten VfB Stuttgart fündig und liehen Danijel Ljuboja aus. Der Serbe hatte in der Vorsaison in 26 Spielen acht Treffer erzielt. Die Tore gaben ihm allerdings einen etwas unkontrollierten Selbstbewusstseinsschub. Trotz eines gültigen Vertrages forderte Ljuboja am Saisonende eine Verdoppelung der Bezüge. Der VfB versetzte ihn zur Strafe in die Regionalliga-Mannschaft und legte ihm einen Wechsel nahe.

Auch beim HSV wurde der Nationalspieler nicht glücklich. Spätestens, als Huub Stevens den beurlaubten Thomas Doll beerbte, war auch beim HSV Schluss für Ljuboja, der erneut zur zweiten Mannschaft geschickt wird. Nach seiner Rückkehr nach Stuttgart wollten die Schwaben den ungeliebten Angreifer zum AC Siena in die italienische Serie A transferieren. Der Deal scheiterte allerdings. Ljuboja stellte zu hohe Gehaltsforderungen.

Doch nicht nur in der Bundesliga haben die Stars mittlerweile ihre eigenen Methoden entwickelt, um schnell aus gültigen Arbeitsverträgen herauszukommen. Um Bezüge ging es auch im Streit zwischen Claude Makelele und Real Madrid. Der Franzose fühlte sich 2003 von seinem Verein Madrid mit 1,5 Millionen Euro im Jahr unterbezahlt und forderte eine sofortige Gehaltsverdopplung. Der damals 30-Jährige verlieh seiner Forderung Nachdruck, in dem er mehrere Tage das Training schwänzte. Die Real-Ärzte schrieben den defensiven Mittelfeldspieler daraufhin aufgrund einer "leichten emotionalen Störung" krank. "Es wird bald was Gutes für alle passieren", verkündete Makelele. Kurze Zeit später überwies der FC Chelsea 20 Millionen Euro nach Spanien.

Zwei Vereinswechsel in 48 Stunden

Ein besonders krasser Fall ereignete sich vor einem Jahr in England. Chelseas Verteidiger William Gallas soll seinen Wechsel zum FC Arsenal dadurch beschleunigt haben, indem er ein Eigentor androhte. Der Franzose dementierte, landete aber letztlich beim gewünschten Club.

Nicht ganz so günstig kam Robinho davon. Der Brasilianer wollte seinen Heimatclub FC Santos 2005 unbedingt verlassen und zu Real Madrid wechseln. Da er sich den Königlichen innerlich bereits angehörig empfand, trat er in einen Streik. Am Ende stockte der Nationalspieler die Ablösesumme von 24 Millionen um einige private Millionen auf und durfte nach Spanien wechseln.

Zwei Vereinswechsel binnen 48 Stunden - diesen Rekord stellte der ehemalige deutsche Nationalspieler Dietmar Hamann auf der Insel auf. Sein Vertrag beim FC Liverpool, mit dem er 2005 die Champions League gewann, war vor der Saison 2005/2006 ausgelaufen. Hamann unterschrieb daraufhin im Juli beim Premier-League-Club Bolton Wanderers, entschied sich dann noch am selben Tag anders. Einen Tag später wurde Hamann als Neuzugang bei Liga-Konkurrent Manchester City vorgestellt. Auch der damals 32-Jährige soll sich aus seinem eigenen Vertrag herausgekauft haben.

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Forum - Verrat trotz Vertrag?
insgesamt 245 Beiträge
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1.
Tomislav 15.08.2007
Zitat von sysopImmer mehr Stars tricksen sich aus gültigen Verträgen, um zu einem anderen Verein zu wechseln. Sind Sie der Meinung, dass die Manager wieder verstärkt auf die Einhaltungen der Verträge pochen sollten? Welche Möglichkeiten oder Sanktionen gibt es dafür? Oder gilt bei Ihnen eher das Motto "Reisende soll man nicht aufhalten"?
Reisende sollte man wirklich nicht aufhalten. Jemand der unter "Zwang" für einen Verein spielt, bringt sowieso nicht mehr seine 100%-ige Leistung. Abgesehen davon, wird es doch andersrum auch oft so betrieben. Spieler die man nicht mehr haben will schiebt man ab, mobbt sie raus, etc.
2. Typisch HSV
JustusJonas 15.08.2007
Seit Netzer nicht mehr beim HSV ist (okay, die Zeiten sind auch insgesamt anders) hat es der HSV nie mehr geschafft, ein Team aufzubauen. Jedesmal, wenn man mal in der oberen Tabellenregion war, wurde sofort den Verlockungen des Geldes nachgegeben und die Spieler waren weg. Ob Kovac, Salihamidzic, Butt, Ujfalusi, van Buyten, Boulahrouz - immer ließ man wichtige Spieler ziehen und damit zerfiel die Mannschaft. Ganz fatal ist das dann, wenn das nicht zu Saisonende, sondern wie jetzt am Beginn passiert. Das Signal ist doch klar, jeder talentiertere Spieler wie Kompany, Trochowski oder Feilhaber wird den Verein verlassen. Dann ist wieder Geld in der Kasse, aber keine Mannschaft. Meiner Meinung nach sollte der HSV nun mal Stärke zeigen und Van der Vaart nicht ziehen lassen, gegen Budapest auf den Platz tragen, dann ist das Kapitel Champions League mit Valencia erledigt. Er hat einen Vertrag, den muss er erfüllen, er ist dem HSV und den Fans auch etwas schuldig, schließlich hat er ihn von der Bank aus Amsterdam weggeholt und ein Podium gegeben. Wenn er dann aus Trotz schlecht spielt, sollte man ihn einfach bei den Amateuren verhungern lassen, dann wird er sich schon überlegen, ob er die EM aufs Spiel setzen wird. Die Konkurrenz wie Sneijder kann sich derweil bei Real profilieren. Sollte Valencia dann noch mal richtig was draufpacken, so 35 Mio bieten, kann man ihn immer noch ziehen lassen, dann hat man vielleicht noch die Chance, einen adäquaten Ersatz zu verpflichten.
3.
Frau Wutz 15.08.2007
Mir ist nicht ganz klar, warum die Vereine nicht diese Verträge so gestalten, dass ein Spieler wie nun in Hamburg regressflichtig gemacht werden kann. Denn er schadet dem Verein, auch wirtschaftlich. Klar würde Hamburg eine ordentliche Ablöse bekommen, doch damit hätte der HSV noch lange keinen spielerisch gleichwertigen Ersatz. Ansonsten: Spieler solchen Charakters sollte man so schnell wie möglich loswerden. Sie schaden dem gesamten Mannschaftsgefüge.
4. von mehreren Faktoren abhängig
seifertinho 15.08.2007
So wie die Spieler auch bei sportlichem Versagen auf ihre Millionenverträge pochen, sollten die Clubs bei sportlichen Topleistungen eines Spielers auf Vertragserfüllung bestehen. Dazu gehört jedoch der entsprechende Hintergrund: Zunächst in finanzieller Dimension, denn die Ablöse darf nicht zum Einlenken verlocken. Ferner auch und besonders hinsichtlich der Verträglichkeit für die Gruppe. Das Management muss abwägen, ob der Spieler noch tragbar ist und Leistungsbereitschaft aufbringt. Letzteres wird Werder Bremen dazu bewogen haben, Miro Klose an die Bayern zu verscherbeln. Nun hat sich Raffael van der Vaart beim Hochheben seines Sohnes am Rücken verletzt und der Verdacht liegt nahe, dass er sich damit eine Europacupteilnahme mit dem FC Valencia offenhalten möchte (vgl. Khalid Bhoularouz 2006). Wenn es soweit ist, hat ein Verein kaum noch die Wahl und muss den Spieler verkaufen! Gegenbeispiele gibt es ebenfalls. Bei Werder Bremen hatten die Spieler Marco Bode und Dieter Eilts mehrfach lukrative Angebote anderer Clubs, haben jedoch nie ihren Wechsel provoziert. Eilts sagte irgendwann sinnemäß, dass er einfach Pech gehabt habe, dass sein Vertrag nie zum richtigen Zeitpunkt auslief... Fazit: Es hängt ab von im wesentlichen zwei Faktoren - dem Reiz des Geldes - dem Charakter des Spielers
5. Wohl nicht praktikabel, .....
nillivanmilli 15.08.2007
... aber eventuell doch möglich. Verzichtet auf all das Geld und setzt den Kerl auf die Tribüne. Und sei es nur zur Abschreckung für die anderen Geldsäcke. 2010 kann er dann Straßen kehren.
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