Trauerspiel gegen USA Torwart-Aussetzer kostet England den Sieg

Was ist nur mit Englands Torhütern los? Robert Green verpatzte seinem Team den Sieg - durch einen schweren Fehler schenkte er den USA ein Unentschieden. Am Ende lief es für den Außenseiter besser als für den angeblichen Geheimfavoriten der WM.

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Hamburg - Es waren noch keine vier Minuten gespielt, da sah schon alles nach einem Sieg für England aus.

Der erste brauchbare Angriff der Engländer lief in der Auftaktpartie der Gruppe C gegen die USA. Stürmerstar Wayne Rooney passte den Ball in der Mitte auf seinen Angriffspartner Emile Heskey, der ließ den Ball zu Steven Gerrard abprallen - und der neue Kapitän brauchte gerade mal zwei Ballberührungen, um seine Mannschaft in Führung zu bringen. Er nahm den Ball mit links an und schob ihn per rechtem Außenrist clever am amerikanischen Torwart Tim Howard vorbei ein. Erster Angriff, erstes Tor - zu diesem frühen Zeitpunkt schien der Verlauf der Partie vorgezeichnet.

Doch England ruhte sich auf seiner Führung aus.

Und dann kam die 40. Minute. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Engländer keine Großchance der Gegner zugelassen, also versuchte es US-Mittelfeldspieler Clint Dempsey mit einem Distanzschuss, der eher ein Rückpass war - keine ernste Prüfung für einen WM-Torwart. Doch Robert Green im englischen Tor, der von Trainer Fabio Capello den Vorzug vor David James erhalten hatte, ließ den harmlosen Ball passieren.

Tor für die USA.

Der Ausgleichstreffer war der Wendepunkt des Spiels. Greens Patzer kostete seinem Team beim 1:1 (1:1) den Sieg.

So glücklich der Ausgleich zustande gekommen war - völlig unverdient war er nicht. Denn selbst nach dem Fehlstart mit dem frühen Rückstand wirkte das US-Team von Trainer Bob Bradley nicht schockiert. Jozy Altidore hatte mit einem Kopfball das englische Tor knapp verfehlt (19.). England spielte enttäuschend, zog sich zu weit zurück und überließ den USA das Feld. "Nach dem 1:1 hatten wir gute Chancen zu gewinnen", sagte US-Trainer Bob Bradley.

England spielte nach dem Seitenwechsel entschlossener. In der 49. Minute setzte sich Aaron Lennon auf der rechten Seite durch, seinen Pass spielte er jedoch in den Rücken der mitgelaufenen Mitspieler. In der 52. Minute war es wiederum Lennon, der Heskey in den freien Raum schickte. Doch der Stürmer schoss US-Torhüter Tim Howard direkt in die Arme. Howard parierte auch gegen Frank Lampard (63.).

"Wir müssen uns alle hinter ihn stellen"

Danach war es zunächst auch schon wieder vorbei mit dem englischen Offensivdrang. Zu langsam war der Spielaufbau, zu berechenbar das Passspiel. Die USA hatten weiter gefährliche Aktionen. So konnte auch Green seine Klasse unter Beweis stellen, als er Altidores Schuss aus kurzer Distanz reaktionsschnell an den Pfosten lenkte (64.).

Auf der anderen Seite hatten Rooney (74.) und Shaun Wright-Phillips (75.), der in Howard seinen Meister fand, das zweite Tor für England auf dem Fuß. In der Schlussphase brachte Capello auch noch Stürmer Peter Crouch, doch auch dem Zwei-Meter-Mann gelang nicht der Siegtreffer für den Favoriten.

"Unglücklicherweise haben wir ein unglückliches Tor bekommen, das war ein bisschen ein Schock", sagte Gerrard. Nach dem frühen Führungstreffer "haben wir natürlich erwartet, dass wir gewinnen". Dennoch versuchte Gerrard, dem Remis etwas Positives abzugewinnen: "Ich denke, das Wichtigste ist, dass man im ersten Spiel nicht verliert." Seinem Torhüter Green wollte er keinen Vorwurf machen: "Wir müssen uns jetzt alle hinter ihn stellen."

Vor der Partie, der ersten am WM-Spielort Rustenburg, war es auf der Anfahrt und rund um das Stadion teils zu chaotischen Szenen gekommen. Die Organisatoren waren mit dem Zuschaueraufkommen für das Spiel völlig überfordert. Bereits auf der Anfahrt über Pretoria standen die anreisenden Besucher in zum Teil kilometerlangen Staus, weil die Mautstellen auf der Autobahn jedes Fahrzeug einzeln abfertigten. Auch rund um das knapp 40.000 Zuschauer fassende Royal Bafokeng Stadium herrschte Chaos. Einweiser und Ordner waren nicht in der Lage, die anreisenden Zuschauer zu Parkplätzen oder Eingängen zu dirigieren. Das Stadion liegt etwa zwölf Kilometer außerhalb der Stadt und ist nur über eine einzige Zufahrtsstraße zu erreichen.

England - USA 1:1 (1:1)
1:0 Gerrard (4.)
1:1 Dempsey (40.)
England: Green - Johnson, Terry, King (46. Carragher), Ashley Cole - Lennon, Lampard, Gerrard, Milner (31. Wright-Phillips) - Rooney, Heskey (79. Crouch)
USA: Howard - Cherundolo, Demerit, Onyewu, Bocanegra - Bradley, Clark - Dempsey, Donovan - Altidore (86. Holden), Findley (77. Buddle)
Schiedsrichter: Simon (Brasilien)
Zuschauer: 38.646
Gelbe Karten: Milner, Carragher, Gerrard - Cherundolo, Demerit, Findley

Mit Material von sid und dpa

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Seite 1
Brieli 01.06.2010
1.
Zitat von sysopEngland fühlt sich reif für den Titel. Doch erst gilt es, die Vorrunde zu überstehen. Setzen sich die Briten gegen die USA, Algerien und Slowenien durch?
Ja. England und USA.
klumpenhund 01.06.2010
2.
Zitat von sysopEngland fühlt sich reif für den Titel. Doch erst gilt es, die Vorrunde zu überstehen. Setzen sich die Briten gegen die USA, Algerien und Slowenien durch?
Keine Überraschungen: 1.) England, trotz der mageren Vorbereitungsspiele 2.) USA 3.) Slowenien 4.) Algerien
BeckerC1972, 01.06.2010
3.
England Slowenien Algerien USA
Polar, 01.06.2010
4.
Zitat von sysopEngland fühlt sich reif für den Titel. Doch erst gilt es, die Vorrunde zu überstehen. Setzen sich die Briten gegen die USA, Algerien und Slowenien durch?
1. Slowenien ist eines meiner Lieblingsurlaubsländer 2. Algerien...war da nicht mal was? 3. und 4. ...und Tschüss. Na okay, gezz ma im Ernst: 1. England 2. USA 3. Algerien 4. Slowenien
ray05, 02.06.2010
5.
Zitat von Polar1. Slowenien ist eines meiner Lieblingsurlaubsländer 2. Algerien...war da nicht mal was? 3. und 4. ...und Tschüss. Na okay, gezz ma im Ernst: 1. England 2. USA 3. Algerien 4. Slowenien
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