Bayerns Triple-Party Feierbiester sollt ihr sein

Drei Pötte sind jetzt in München, der FC Bayern hat sich in der Stadt für den Gewinn von Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal feiern lassen. Trotz Dauerregens strömten Tausende auf den Marienplatz. Trainer Jupp Heynckes löste nach 23 Jahren ein Versprechen ein.

Von , München


Schwer zu sagen, was für Christian Ude an diesem Sonntagnachmittag auf dem Münchner Marienplatz die größere Zumutung ist: Auf dem Rathausbalkon im Regen zu stehen, der seit Tagen wie besinnungslos auf die Stadt prasselt. Oder aber den Tausenden Menschen, die sich hier trotzdem versammelt haben, etwas Euphorisches über den FC Bayern zu sagen.

Ude ist nämlich ein Sechzger, ein Mitglied des 1860 München, des Vereins also, der dem FC Bayern in herzlicher Abneigung verbunden ist. Aber Ude ist eben auch Oberbürgermeister der Landeshauptstadt und deshalb fällt ihm jetzt sozusagen von Amts wegen die Aufgabe zu, dem FCB ein paar Freundlichkeiten mit auf den Weg zu geben. Schließlich sind die Leute nur für den Fußballklub hier hergekommen: Gewinn der Meisterschaft, Gewinn der Champions League, am Samstag dann noch der Triumph im DFB-Pokal, das historische Triple soll gefeiert werden.

Also spricht Ude von einem "herausragenden Ergebnis", von den "Annalen der Stadt" und der "Krone des Fußballs". Die ersten Worte des SPD-Politikers gehen fast in den lauten Pfiffen unter, weil hier ohnehin jeder weiß, dass Ude ein Sechzger ist. Ein, zwei Sätze noch, Ende des kurzen Auftritts, denn auf dem Balkon stehen ganz andere im Mittelpunkt: Mit großem Tamtam präsentiert der FC Bayern seine Mannschaft im Herzen Münchens.

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Triple-Party in München: Die neuen Partykönige
Ein Korso war am frühen Nachmittag an der Münchner Freiheit gestartet, Spieler, Trainer, Vorstand und Pokale im Gepäck, um sich auf den Weg ins Zentrum bejubeln zu lassen. Diejenigen, die da bereits auf dem Marienplatz mit Schirmen und Regenjacken ausharren, werden zuverlässig auf dem Laufenden gehalten: "Sie kommen in die Zielgerade", heißt es einmal über Lautsprecher, wenig später halb-englisch, halb deutsch: "Der FC Bayern has entered the building." Das klingt ein bisschen nach Elvis Presley ("The king has left the building") und Rock'n'Roll, auch wenn auf dem Marienplatz dann später nur noch "We are the champions" oder die Vereinshymne "Stern des Südens" aus den Boxen wummern.

Die Spieler kommen einzeln auf den Balkon. "Marioooo", heißt es etwa über Lautsprecher, und dann donnern die Fans ein "Gomez" zurück. "Fraaaaanck" - "Ribéry". So geht es weiter, mit Thomas Müller, Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger und all den anderen. Besonders euphorisch werden die Fans, als Präsident Uli Hoeneß angekündigt wird, der durch eine Steueraffäre in Bedrängnis geraten ist. "Uli, Uli, Uli", schallt es über den Platz, "es gibt nur einen Uli Hoeneß".

Die Stadt ist an diesem Tag rot-weiß, daran ändern auch die Dutzenden Fans des 1860 München nichts, die am frühen Nachmittag am Odeonsplatz aus der U-Bahn strömen und mit "Tod-und-Hass-dem-FCB"-Rufen Richtung Marienplatz laufen - Polizisten schirmen die Sechzger entschieden von der Route des Bayern-München-Korsos ab.

Gute Haltungs- oder besser Unterhaltungsnoten auf dem Rathausbalkon verdienen sich gleich mehrere Fußballer: Schweinsteiger klemmt sich die Meisterschale so fest unter den Arm, dass damit zu rechnen ist, dass der Pokal bei ihm übernachtet. Torwart Manuel Neuer springt euphorisch auf den Balkon und wirft seine Mütze in die Menge. Arjen Robben trällert so beharrlich "Triple-Sieger, Triple-Sieger" ins Mikrofon, dass der Rest der Truppe mit einstimmt. Der Brasilianer Dante schickt aus seiner südamerikanischen Heimat einen Gruß per Videobotschaft nach München und beweist mit einer Gesangseinlage, dass die Musikbranche eher keine Alternative für ihn sein dürfte.

Ribérys Stimme wiederum klingt so angeschlagen, dass jeder auf dem Marienplatz die kurze Nacht des Franzosen erahnen kann. Und dann ist da noch Trainer Jupp Heynckes. Er habe 1990 "ein bisschen großspurig den Europapokal versprochen", sagt er auf dem Rathausbalkon. Dieses Versprechen wolle er "jetzt einlösen". Den Pott hat er in den Händen, auf dem Marienplatz brandet Jubel auf.

Tanz, Schunkelei, das letzt Wort auf dem Rathausbalkon hat Ribéry: "Muss gehen, Männer. Bis bald, Männer. Schönen Urlaub."

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richardheinen 02.06.2013
1. kaum zu toppen,
armer Pep Guardiola.
derbochumerjunge 02.06.2013
2. Gejammer
So, und jetzt bitte noch etwas Gejammer über die hohe Anzahl der Bayern München-Threads und etwas Geplärre über Uli Hoeneß' Finanzen - dann war das ein runder Tag.
raber 02.06.2013
3. Euphorie fuer Hoeness
Da muss man sich ja fuer den FC Bauern Muenchen schaemen; wahrscheinlich aber nur die Nicht-Bayern. Moral wird jetzt ganz kleingeschrieben.
_oasis_, 02.06.2013
4. Feierbiester
Das hamse sich verdient. Sei es ihnen vergönnt. (Bereits gegen Madrid, aber da haben sie ja nicht gefeiert, sondern ohne jeden Übermut weiterhin voll auf Konzentration gesetzt)
kreis_rund 02.06.2013
5.
Zitat von derbochumerjungeSo, und jetzt bitte noch etwas Gejammer über die hohe Anzahl der Bayern München-Threads und etwas Geplärre über Uli Hoeneß' Finanzen - dann war das ein runder Tag.
Gab's dieses Gejammer eigentlich auch letztes Jahr, als der BVB hier so gehypet wurde? ;-) Das ist mir nämlich wirklich auf den Senkel gegangen. ;-)
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