Griechenland vs. Tschechien: Optimismus trifft Tristesse

Von Jan Reschke

Überraschend deutlich hat Russland bei der Europameisterschaft Tschechien im ersten Spiel seine Grenzen aufgezeigt. Gegen die Griechen muss das Team von Trainer Michal Bilek nun gewinnen. Doch der Europameister von 2004 sieht seinen Gegner nur als Zwischenstation auf dem Weg zum Gruppensieg.

Gruppe A: Zwischen Titeltraum und Trauma Fotos
AFP

Hamburg - "Wir kämpfen immer noch um den ersten Platz. Es ist noch alles möglich." Gesagt hat das nicht etwa Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Italien. Oder gar Bert van Marwijk, dessen Team als Top-Favorit 0:1 gegen Dänemark verlor. Nein, dieser Ausdruck von Selbstbewusstsein stammt von Fernando Santos, seines Zeichens Coach von Griechenlands Nationalelf.

Das Team, das nach den ersten zwanzig Minuten im Eröffnungsspiel gegen Polen als heißester Kandidat für das Aus in der Vorrunde galt, weil die Mannschaft derart langsam, unzeitgemäß und uninspiriert auf dem Feld agierte. Das Team, das sich am Ende nach einem verschossenen Elfmeter aber sogar ob eines hergeschenkten Sieges ärgern musste. Und das Team, das nun am Dienstag gegen Tschechien (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) einen großen Schritt Richtung Viertelfinale machen will. Als Gruppenerster wohlgemerkt.

Das Interessante ist: Die Griechen haben sogar alle Möglichkeiten dazu. Weil sich Gegner Tschechien bei der 1:4-Pleite gegen Russland phasenweise derart schwach präsentiert hat, dass man schon fragen darf, wie das Team überhaupt einen Punkt bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ergattern will. Trotz großer Namen wie des EM-Torschützenkönigs von 2004, Milan Baros, Arsenal-Profi Tomas Rosicky oder Torwart Petr Cech vom Champions-League-Gewinner FC Chelsea.

"Wir sind hingefallen und müssen jetzt wieder aufstehen"

Angesichts der derben Niederlage gegen Russland bleibt den Tschechen derzeit nicht viel anderes übrig, als sich in Optimismus zu flüchten: "Wir sind hingefallen und müssen jetzt wieder aufstehen. Die Mannschaft hat genug Erfahrung, mit so einem Druck umzugehen", sagte Leverkusens Außenverteidiger Michal Kadlec. Viel Anlass zu dieser Hoffnung hatte seine Vorstellung in der Abwehr gegen Russland nicht geboten.

"Meine Leistung war schlecht. Da brauchen wir gar nicht lange drüber zu diskutieren. Ich werde alles geben, um es gegen die Griechen besser zu machen", so Kadlec. Nationaltrainer Michal Bilek plant, Kadlec wie in der Vorbereitung als Innenverteidiger aufzustellen. Dort muss für ihn Hertha-Profi Roman Hubnik weichen. Immerhin: Viel schlechter kann es Kadlec gar nicht machen.

Für Griechenlands Coach Fernando Santos hat das Debakel des kommenden Kontrahenten aus dem ersten Spiel aber keine Aussagekraft. "Die Tschechen haben trotzdem viele starke und schnelle Spieler und sind als Team sehr kompakt. Außerdem waren sie in den ersten 20, 25 Minuten gegen Russland auch die stärkere Mannschaft", so der Portugiese.

Griechenland hat große Probleme in der Defensive

Den schwächelnden Stürmerstar Baros kann er damit nicht gemeint haben. Der wurde am Ende gar von den eigenen Fans ausgepfiffen, Bilek wird wohl trotzdem an ihm festhalten. Nicht zuletzt, weil es ihm an Alternativen mangelt. Nürnbergs Tomas Pekhart oder David Lafata verkörpern kein internationales Top-Niveau.

Ein Lichtblick für die Tschechen: Griechenland hat große Probleme in der Defensive. Nach dem Kreuzbandriss von Avraam Papadopoulos und dem Platzverweis für den Bremer Sokratis muss Santos seine Abwehr umbauen. Auch der Ausfall von Georgios Fotakis (Oberschenkelprobleme) droht. Santos sagt dennoch: "Ich habe einen Plan, wie wir spielen können." Von der Misere wird wohl Schalkes Kyriakos Papadopoulos profitieren, der in die Startelf rücken könnte.

An Selbstvertrauen zumindest mangelt es Griechenland nicht. Bei der Frage nach dem EM-Favoriten überlegte Kyriakos Papadopoulos nicht lange. "Griechenland natürlich." Hätte das ein griechischer Nationalspieler nach der ersten Partie der EM 2004 gesagt, man hätte ihn ausgelacht. Heute weiß man es besser.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Griechenland: Chalkias - Torosidis, Katsouranis, K. Papadopoulos, Holebas - Maniatis, Makos, Karagounis - Salpingidis, Gekas, Samaras
Tschechien: P. Cech - Gebre Selassie, Sivok, Kadlec, Limbersky - Jiracek, Plasil - Rezek, Rosicky, Pilar - Pekhart
Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)

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