Anweisung des Sportministers Galatasaray wirft Klublegenden raus

Reichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung, um zwei Fußballikonen aus dem Verein zu werfen? Nein, findet die Mehrheit der Galatasaray-Mitglieder. Die türkische Regierung sieht das anders.

Hakan Sükür (r.)
dpa

Hakan Sükür (r.)


Hakan Sükür und Arif Erdem haben beim türkischen Fußball-Rekordmeister Galatasaray Legendenstatus. Gemeinsam absolvierten sie mehrere Hundert Pflichtspiele für den Istanbuler Klub, 2000 führten sie ihn zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte, dem Sieg im damaligen Uefa Cup. Trotzdem sind sie seit Sonntag nicht mehr Galatasaray-Mitglieder. Der Klub hat seine ehemaligen Superstars mit sofortiger Wirkung aus dem Verein geworfen.

Die Mitteilung über den Ausschluss auf der Internetseite des Klubs besteht nur aus zwei Zeilen. Doch die Entscheidung birgt Brisanz. Denn eigentlich war am Samstag auf der Mitgliederversammlung von Galatasaray beschlossen worden, dass sowohl Sükür als auch Erdem bleiben dürfen. Das war Medienberichten zufolge das Resultat einer Abstimmung über den Ausschluss mehrerer Mitglieder, die angeblich Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen sind.

Der Sportminister schaltet sich ein

Während einige von ihnen des Klubs verwiesen wurden, votierte die Mehrheit dafür, dass Sükür und Erdem bleiben dürfen. Diese Entscheidung wurde hinterher vom türkischen Sportminister Akif Cagatay Kilic scharf kritisiert. Galatasaray müsse sie "umgehend korrigieren", sagte Kilic. Am Sonntagabend gab Galatasaray dann den Beschluss bekannt, seine Ex-Stars und viele weitere Mitglieder doch noch rauszuwerfen.

Sükür, mit 51 Treffern Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, steht schon länger im Visier der türkischen Justiz. Bereits im vergangenen August hatte die Staatsanwaltschaft seine Festnahme angeordnet. Dem 45-Jährigen, der Medienberichten zufolge inzwischen in den USA lebt, wird vorgeworfen, Gülen-Anhänger und damit "Mitglied einer bewaffneten Terrororganisation" zu sein. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan macht Gülen für den Putschversuch im Juli vergangenen Jahres verantwortlich.

Erdogan und Gülen waren enge Verbündete, bis sie sich 2013 überwarfen. Sükür saß zu der Zeit für Erdogans AKP im Parlament in Ankara. Ende 2013 trat er aus der islamisch-konservativen Partei aus. Er erklärte damals, die Gülen-Anhänger, die die Regierung unterstützt hätten, nun als Feinde zu betrachten, sei "nichts als Undankbarkeit". Im vergangenen Juni begann in Istanbul ein weiterer Prozess gegen den WM-Dritten von 2002, dem Beleidigung des Präsidenten und von dessen Sohn Bilal Erdogan vorgeworfen wird.

mon/dpa



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