Manipulationsskandal in der Türkei: Premier Erdogan verteidigt milde Strafen

Im Fußball-Manipulationsskandal in der Türkei hat Premierminister Recep Tayyip Erdogan die milden Strafen des Verbands verteidigt. Die Konkurrenz von Fenerbahce ist dagegen sauer. Sie glaubt, dass der Skandal vertuscht werden soll, um die Chancen des Landes auf die EM 2020 zu steigern.

Türkischer Premier Erdogan: "Personen müssen bestraft werden, nicht Institutionen"Zur Großansicht
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Türkischer Premier Erdogan: "Personen müssen bestraft werden, nicht Institutionen"

Hamburg - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Freispruch von 16 Clubs im Manipulationsskandal durch den türkischen Fußball-Verband (TFF) verteidigt. "Personen müssen bestraft werden, nicht Vereine", sagte der 58-Jährige: "Wenn man die Clubs bestraft, dann werden auch Millionen von Fans bestraft, die mit ihren Herzen an diesen Vereinen hängen." Erdogan ist selbst Mitglied von Fenerbahce Istanbul. Der Club und sein Präsident Aziz Yildirim stehen im Zentrum der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Insgesamt wird gegen 93 Funktionäre, Spieler und Trainer ermittelt, sie stehen seit Februar vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, in der vergangenen Saison der ersten türkischen Liga (Süper Lig) 19 Partien mit hohen Geldbeträgen manipuliert zu haben. Unter den verschobenen Spielen soll auch die Begegnung von Fenerbahce gegen Sivasspor sein, in der Fenerbahce am letzten Spieltag der Saison 2010/2011 den Titel holte.

Neben den Freisprüchen hatte der TFF am Montag erste Strafen verhängt: Mittelfeldspieler Ibrahim Akin von Istanbul BB war für drei, Torwart Serdar Kulbilge von Ankaragücü für zwei Jahre gesperrt worden. Zudem waren acht Funktionäre bestraft worden. Unter den freigesprochenen Vereinen war auch Fenerbahce, Präsident Yildirim wurde ebenfalls nicht belangt. Sollte es in der vergangenen Saison Betrugsversuche gegeben haben, hätten sich diese nicht auf das Ergebnis der Spiele ausgewirkt, hatte TFF-Präsident Yildirim Demirören bereits zuvor gesagt. Im August 2011 hatte der türkische Verband Fenerbahce auf Drängen der Uefa noch für die Champions League gesperrt. Dagegen hatte der Club vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas geklagt und 45 Millionen Euro Schadensersatz gefordert. Ende April dieses Jahres zog Fenerbahce die Klage ohne Angabe von Gründen zurück.

Fenerbahce-Konkurrenten kritisieren die Urteile

Die Ermittlungen und Verfahren der türkischen Justiz sind von den Entscheidungen des Verbands nicht betroffen. Trotzdem forderte Fenerbahce eine Freilassung von Yildirim, der seit Juli 2011 in Untersuchungshaft sitzt und die Vorwürfe bestreitet. Erst vor einigen Wochen hatte das Gericht in Istanbul ein solches Gesuch abgelehnt, weil es erhebliche Verdachtsmomente gebe.

Die milden Strafen des TFF sind in der Türkei umstritten. Sadri Sener, der Präsident von Trabzonspor, und Yusuf Reha Alp, Mitglied der Disziplinarkommission des Verbands, äußerten erhebliche Bedenken über die Urteile angesichts der umfassenden Anschuldigungen. Zudem hatte der TFF in der vergangenen Woche beschlossen, den Versuch von Spielmanipulationen künftig weniger hart zu bestrafen. Das Reglement sieht statt eines Zwangsabstiegs nur noch einen Punktabzug oder eine Geldstrafe vor.

Darüber ist besonders Tabellenführer Galatasaray Istanbul empört, gegen das nicht ermittelt wird. Tausende Galatasaray-Fans hatten am vergangenen Mittwoch gegen die TFF-Entscheidungen demonstriert, die bereits in den Medien durchgesickert waren. "Die Uefa wird Versuche zurückweisen, den Skandal ohne Strafen unter den Teppich zu kehren", hatte der Club-Vorsitzende Ünal Aysal gesagt. Am Samstag treffen Galatasaray und Fenerbahce im letzten Spiel der Meisterrunde aufeinander. Mit einem Sieg könnte Fenerbahce den Titel verteidigen.

Die Uefa hatte vom TFF und Demirören gefordert, bis zum 1. Juni angemessene Urteile zu fällen. Der türkische Verband hat ein großes Interesse daran, den Skandal möglichst schnell zu beenden, da sich das Land um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2020 bewirbt. Im März hatte Uefa-Präsident Michel Platini mit Premier Erdogan beim Uefa-Kongress in Istanbul über den Manipulationsskandal und die mögliche EM-Vergabe gesprochen. Danach hatte Platini angekündigt, für die Türkei stimmen zu wollen, dabei aber durchblicken lassen, dass die Aufklärung des Skandals hohe Priorität habe.

max/AP/dpa

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Keyser Söze 09.05.2012
Jeder andere Verein wäre schon längst zum Zwangsabstieg verdammt gewesen, nur weil Fenerbahce auf der Anklagebank sitzt, eiert der Verband rum. Hoffentlich sperrt die UEFA alle türkischen Vereine und die Nationalmannschaft [...]
Zitat von sysopIm Fußball-Manipulationsskandal in der Türkei hat Premierminister Recep Tayyip Erdogan die milden Strafen des Verbandes verteidigt. Die Konkurrenz von Fenerbahce ist dagegen sauer. Sie glaubt, dass der Skandal vertuscht werden soll, um die Chancen des Landes auf die EM 2020 zu steigern. Türkischer Premier Erdogan verteidigt Strafen im Manipulationsskandal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,832295,00.html)
Jeder andere Verein wäre schon längst zum Zwangsabstieg verdammt gewesen, nur weil Fenerbahce auf der Anklagebank sitzt, eiert der Verband rum. Hoffentlich sperrt die UEFA alle türkischen Vereine und die Nationalmannschaft für viele Jahre, dann kann der Verband mal drüber nachdenken, was er angerichtet hat.
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  • Mittwoch, 09.05.2012 – 17:34 Uhr
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Manipulationsskandale im Fußball
Vor dem Landgericht Bochum beginnt im August der erste Prozess im Zusammenhang mit den Spielmanipulationen. Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, 370.000 Euro aufgewendet zu haben, um Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder Funktionäre zu bestechen und anschließend Wetten auf vereinbarte Spielausgänge zu platzieren. Zwei der Angeklagten zeigten sich teilgeständig. Der Prozess ist nur der Auftakt der juristischen Aufarbeitung des Wettskandals. Es geht in Bochum lediglich um 32 Partien in Deutschland, Belgien, Slowenien, Ungarn, Kroatien und der Schweiz.

Vor einer anderen Institution gibt es bereits eine Entscheidung: Der ehemalige Osnabrücker Zweitligaspieler Marcel Schuon wurde vom DFB-Sportgericht wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Sperre von zwei Jahren und neun Monaten belegt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schuon sich bereit erklärt hat, Spiele zu manipulieren.





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