EM-Sieg der DFB-Junioren Die Nachmacher

Erst Weltmeister, nun Europameister: Bei den deutschen Nationalteams läuft es. Die U19-Junioren waren bei ihrem EM-Triumph die überragende Mannschaft des Turniers. Alles Wichtige zum Finalsieg gegen Portugal.

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Die Ausgangslage: Es waren würdige Endspielteilnehmer: Deutschland und Portugal hatten bei der U19-Europameisterschaft in Ungarn ihre Gruppen dominiert. Dass sich im Finale beide Teams dann nicht immer auf Augenhöhe begegnen würden, war überraschend.

Ergebnis: 1:0 (1:0) - Deutschland ist Europameister! Herthas Hany Mukhtar erzielte das Tor des Tages (39. Minute).

Die erste Halbzeit: Einbahnstraßenfußball in Budapest: Portugal wählte einen, sagen wir mal: "vorsichtigen" Ansatz gegen die deutsche Mannschaft. Meist zogen sich bis zu sieben Spieler zentral vor das eigene Tor zurück. Pressing? Lieber nicht, könnte ja überspielt werden. Blöd nur, dass die Defensive trotzdem kein Bollwerk war. Die deutschen Junioren brachen immer wieder durch, vergaben ihre Chancen aber leichtfertig. Stendera (8.), Davie Selke (10., 16.), Niklas Stark (30.), Julian Brandt (29.) - sie alle verschenkten gute Gelegenheiten auf das 1:0. Das besorgte dann Mukhtar nach starker Vorarbeit von Marc Stendera.

Die zweite Halbzeit: Verlief nicht mehr ganz so eindeutig. Portugal kam offensiver aus der Pause - defensiver wäre auch kaum möglich gewesen. Gefährlich wurden die Portugiesen dem deutschen Team aber erst nach 80 Minuten, dafür dann gleich mehrfach: Erst schoss André Silva aufs Tor, dann folgten zwei Versuche von Marcos Lopes, aber jedes Mal warf sich ein DFB-Spieler in die Flugbahn des Balls. Deutschland überstand das Mini-Hoch des Gegners unbeschadet, vergab in der Schlussphase dann mehrfach die Gelegenheit auf das zweite Tor.

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Deutschland vs. Portugal: Abgeklärt, sicher, europameisterlich
Zirkusnummer des Spiels: 88 Minuten lang spielte Julian Brandt unglücklich. Dann bekam er seinen großen Auftritt. Einen halbhohen Ball lupfte der Leverkusener volley über die eigene Schulter, drehte sich blitzschnell und ließ damit seinen Gegenspieler aussteigen. Seine Aktion hätte ein Tor verdient gehabt. Beinahe wäre das auch gefallen, doch der anschließend freigespielte Stuttgarter Felix Lohkemper scheiterte am portugiesischen Torwart André Moreira.

Wiedergutmacher des Spiels: Vor zwei Jahren scheiterte die Mannschaft bei der U17-EM im Endspiel gegen die Niederlande im Elfmeterschießen. Nur ein Talent war damals vom Punkt gescheitert: Marc Stendera. Spätestens nach seiner Leistung gegen Portugal ist der Fehlschuss von 2012 vergessen. Frankfurts Stendera bereitete nicht nur das 1:0 vor, er war an den meisten deutschen Chancen beteiligt. Weil er für die portugiesische Abwehr nie zu greifen war, und weil er am Ball stets den Kopf oben hatte, um seine Mitspieler einzusetzen. Eintracht-Trainer Thomas Schaaf wird genau hingesehen haben.

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Nachmacher des Spiels: Alle 18 Spieler im Kader der U19. In Brasilien hatten die "Großen" vorgelegt und den WM-Titel gewonnen. Nun legten die Junioren nach. Joachim Löw war denn auch einer der ersten Gratulanten: "Ganz herzlichen Glückwunsch allen, die an diesem Erfolg beteiligt sind", sagte der Bundestrainer. Er dürfte ganz gut einschätzen können, was den Europameistern nun bevorsteht.

Versprechen des Spiels: Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil: Als eine DFB-Nachwuchsmannschaft letztmals einen großen Titel gewann, waren sechs Spieler dabei, die später auch im Männerbereich Geschichte schreiben sollten. Und nun? Hat Deutschland das U19-Turnier in beeindruckender Weise dominiert, obwohl in Timo Werner (Stuttgart) und Max Meyer (Schalke) zwei Schlüsselspieler die EM verpassten, weil sie von ihren Bundesliga-Vereinen gebraucht werden. Das macht zwar klar, wie stark der Jahrgang im internationalen Vergleich einzuschätzen ist, zeigt aber auch, wie weit der Weg ist, den die Europameister vor sich haben: Kein deutscher Spieler aus dem EM-Finale gehört bei einem Erstligisten schon zum Kreis der Unverzichtbaren.

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insgesamt 31 Beiträge
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derfalscheprophet 31.07.2014
1. Wahnsinn
Solch hochtalentierte Spieler wünsche ich mir auch bei der FIGC. ich beneide den deutschen Fußball.
remmbremmerdeng 01.08.2014
2. Na, und Angie leistete keinen geistigen Beistand vor Ort?
Lag doch hoffentlich nicht daran, daß die U19 nicht ganz so medienwirksam ist wie die A-Nationalmannschaft. Da haben die Jungs aber Glück gehabt, daß es auch ohne ging.
DerUnvorstellbare 01.08.2014
3.
Uwe Seelers Enkel, Öztunali, hat mich begeistert. Er scheint mir wie das komplette Paket. Schnell, ballstark, Übersicht und dazu sehr robust und ziemlich lang. Da haben wir einen Offensivspieler den es vom Typ her nicht mal in der jetzigen N11 gibt.
KingTut 01.08.2014
4. Unglaublich ....
Zitat von sysopAFPErst Weltmeister, nun Europameister: Bei den deutschen Nationalteams läuft es. Die U19-Junioren waren bei ihrem EM-Triumph die überragende Mannschaft des Turniers. Alles Wichtige zum Finalsieg gegen Portugal. http://www.spiegel.de/sport/fussball/u19-em-deutschland-ist-europameister-nach-sieg-gegen-portugal-a-983918.html
.... wie erfolgreich der deutsche Fußball derzeit ist. Ich denke, die Gründe dafür liegen in der erfolgreichen Jugendarbeit des DFB über viele Jahre hinweg, was jetzt im WM und EM Titel gipfelte. Danke und Glückwunsch an die U19-Junioren; Ihr macht mich sehr stolz.
reihensechser 01.08.2014
5. Ganz schwach...
... vom VfB und S04 ihren Spielern solch ein Erlebnis vorzuenthalten, zumal ein Wettkampf die Spieler weiterbringt als Training.
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