U21-EM Deutschland im Halbfinale - und bei Olympia

Am Ende war es richtig knapp: Die deutsche U21 hat sich mit einem Unentschieden gegen Gastgeber Tschechien ins Halbfinale der EM gemüht. Das Team schaffte aber noch mehr - als erste DFB-Mannschaft seit 1988 ist es wieder bei Olympia dabei.

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Die U21 des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat mit einem 1:1 (0:0) gegen Gastgeber Tschechien das EM-Halbfinale erreicht. Das Team beendete seine Gruppe als Tabellenzweiter und qualifizierte sich dank des Unentschiedens auch für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro - zum ersten Mal seit 1988. Gruppenerster wurde Dänemark nach einem 2:0 (1:0)-Erfolg gegen Serbien.

Die deutsche Mannschaft begann druckvoll. Nach drei Minuten schoss Kapitän Kevin Volland aus halbrechter Position aufs Tor, doch der Ball ging weit rechts vorbei. Zwei Minuten später probierte es Volland aus rund 23 Metern erneut, doch wieder war der Abschluss zu harmlos. Die größte Chance zur Führung hatte in der zehnten Minute Amin Younes, der nach einem Fehler der Tschechen im Strafraum zum Schuss kam - aber zu ungenau zielte.

Das Spiel der DFB-Junioren war auf die schnelle Überbrückung des Mittelfeldes ausgelegt. Der hoch stehende Gegner sollte durch lange Bälle ausgehebelt werden, eine Idee, die vor allem wegen des flinken und körperlich überlegenen Volland vielversprechend war. Doch nach zwanzig Minuten war noch immer kein zählbarer Erfolg eingetreten. Stattdessen kamen die Tschechen über die rechte Seite mit einfachem Direktspiel bis an die Grundlinie und dort zu Flanken. Glück hatte die deutsche Mannschaft in der 27. Minute, als ein Schuss von Martin Frydek knapp am rechten Pfosten vorbeiging. Auch diese Chance war über die rechte Seite eingeleitet worden.

Nach einer Ecke kam die DFB-Elf erst in der 30. Minute wieder zu einer Chance, Matthias Ginter köpfte den Ball aus zehn Metern aber direkt in die Arme des tschechischen Torhüter Tomas Koubek. Ein Rechtsschuss von Linksfuß Nico Schulz aus 14 Metern blieb die letzte gute Möglichkeit in einer zunehmend fahrigen ersten Halbzeit.

Schulz trifft, Can vergibt

Die zweite Hälfte begann gleich mit einem Beinahe-Schock: In der 47. Minute trat Frydek eine Ecke, in der Mitte köpfte Jakub Brabec den Ball Richtung langes Eck. Torwart Marc-André ter Stegen wäre geschlagen gewesen, doch Julian Korb klärte den Ball auf der Linie. Paradoxerweise war es diesmal die deutsche Mannschaft, die zehn Minuten brauchte, um ins Spiel zu finden. Dann aber schlug Nico Schulz einen schönen Pass hinter die Viererkette auf Max Meyer, aber der Schalker legte sich den Ball in der 55. Minute zu weit vor.

Eine Minute später machte es Schulz dann selbst besser. Nach einer eigentlich verunglückten Flanke von Volland misslang die tschechische Abwehraktion, der Ball landete direkt vor den Füßen des Herthaners Schulz, der ins rechte Eck zur Führung traf. Das Tor hatte offensichtlich befreiende Wirkung, schon kurz darauf hatte Emre Can gleich zweimal die Gelegenheit, auf 2:0 zu erhöhen (57., 60.). Doch beide Male vergab der Mann vom FC Liverpool leichtfertig.

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EM-Halbfinale

Was kann die deutsche Mannschaft bei diesem Turnier noch erreichen?

Leider sollte sich das schon in der 67. Minute rächen. Denn gerade als es so aussah, als habe das DFB-Team die Kontrolle über das Spiel zurückgewonnen, kam der EM-Gastgeber über seine starke rechte Seite zu einem schnellen Gegenstoß. Ondrej Petrak flankte auf den eingewechselten Ladislav Krejci, der im Rücken von Korb in den Strafraum lief und aus kurzer Distanz traf (67.).

Zwanzig Minuten blieben dem Gastgeber nun noch, um sich noch fürs Halbfinale zu qualifizieren und gleichzeitig den deutschen Traum vom EM-Titel zu begraben. Und so motiviert die Mannschaft in Rot wirkte, so fehleranfällig zeigte sich das Hrubesch-Team. Selten gab es Entlastung wie in der 76. Minute, als sich der eingewechselte Leonardo Bittencourt über rechts durchsetzte, Meyer in der Mitte aber kläglich vergab. Freistöße, Ecken, Einwürfe - die Tschechen versuchten es ihrerseits mit Standards, die allesamt irgendwie gefährlich wirkten. Oder war es doch die Unsicherheit des DFB?

Und doch: Es reichte. Die Tschechen kamen zu keiner klaren Chance mehr, die DFB-Junioren retteten sich über die Zeit. "Wir sind da, wo wir hinwollten, und jetzt werden die Karten neu gemischt", sagte Trainer Hrubesch, der aber auch deutliche Kritik äußerte. "Was mich gestört hat: Die einfachen Pässe, die nicht ankommen. Nach dem 1:0 war das Spiel normal entschieden, wir müssen das 2:0 machen", so Hrubesch im ZDF.

Auf wen seine Mannschaft im Halbfinale trifft, entscheidet sich am Mittwoch bei den Partien England-Italien und Portugal-Schweden (beide 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Deutschland - Tschechien 1:1 (0:0)
1:0 Schulz (55.) 1:1 Krejci (66.)
Deutschland: ter Stegen - Korb, Ginter, Günter - Can, Kimmich - Younes (64. Bittencourt), Meyer (ab 82. Malli), Schulz (ab 90.+2 P. Hofmann) - Volland. - Trainer: Hrubesch
Tschechien: Koubek - Kaderabek, Brabec, Kalas, Hybs - Petrak, Zmrhal - Skalak (ab 61. Masopust), Frýdek (ab 80. Prikryl) - Travnik (ab 59. Krejci), Kliment. - Trainer: Dovalil
Schiedsrichter: Danny Makkelie (Niederlande)
Zuschauer: 18.068
Gelbe Karten: Younes, Korb, Kimmich, Can - Frydek

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Crom 23.06.2015
1.
Gehören die Frauen jetzt nicht mehr zum DFB? Die haben sich in der Vergangenheit auch schon für Olympia qualifiziert.
tmhamacher1 23.06.2015
2. Wir waren benachteiligt!
Das Unentschieden ist ein gutes Ergebnis, wenn man berücksichtig, dass wir - zumindest laut Spiegel - nur mit 10 Mann gespielt haben!!!
Peter Eckes 23.06.2015
3. Dämliche Regeln.
Man kann ja schon geteilter Meinung darüber sein das bei den Olympischen Spielen nur U-23-Mannschaften starten dürfen oder was Fußball überhaupt bei Olympia zu suchen hat. Die Tatsache aber das mehr als die Hälfte der deutschen Mannschaft die die Qualifikation für Olympia (U-21-EM) bestritten hat dann beim Olympischen Turnier grundsätzlich nicht startberechtigt sein wird ist ja wohl eine Farce sondergleichen. Auch die Regel das bei Olympia drei ältere Spieler mit dabei sein dürfen wird so ad absurdum geführt. Die Idee mit Lahm oder Mertesacker nach Rio zu fahren hätte mir gut gefallen, aber so ist natürlich klar das Hrubesch sich moralisch verpflichtet fühlt die drei Plätze an Mitglieder der diesjährigen U-21 zu vergeben die nächstes Jahr bereits Ü-23 sein werden. Die Frage von Hitzlsperger nach Lahm und Mertesacker hat er ja dann auch prompt mit den Worten "Da könnte ich ja auch noch spielen." abgebügelt.
derherrlustig 24.06.2015
4. Sogar zu zehnt...
...haben wir die weggehauen: Deutschland: ter Stegen (1), Korb (2), Ginter (3), Günter (4) - Can (5), Kimmich (6), Younes (7) (64. Bittencourt), Meyer (8) (ab 82. Malli), Schulz (9) (ab 90.+2 P. Hofmann) - Volland (10), Trainer: Hrubesch Ok, etwas pedantisch. Trotzdem grosse Leistung
Herr-B. 24.06.2015
5. Überschrift
Dieses Spiel hinterlässt einen äußerst fragwürdigen Eindruck von unseren Jungspunden. Insbesondere die Alibitorschüsse (wie auch schon in den vorangegangenen Spielen), allen voran von Herrn Volland, wie auch das ständige Markieren von Fouls bzw. Verletzungen (z.B. von Herrn Heintz) werfen kein gutes Licht auf die U21. Das war Durchwurschteln vom Allerfeinsten. Besonders erstaunlich: ter Stegen. Von einem Torhüter, der gerade die Champions League gewonnen hat und Ansprüche auf eine feste Position in der N11 anmeldet, müsste man eigentlich erwarten können, dass er in der Lage ist, seine Abwehr besser zu dirigieren.
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