U21-Star Serge Gnabry In die Zwickmühle gedribbelt

Zum Auftakt der U21-EM brillierte Serge Gnabry. Mit seinen Auftritten bestimmt der DFB-Stürmer seine Zukunft: Will ihn der FC Bayern verleihen? Oder darf er beim Rekordmeister auf Einsätze hoffen?

Serge Gnabry
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Serge Gnabry


Der Mann des Spiels entzog sich den Fragen. Denen nach seiner Leistung. Und denen nach seiner Zukunft. Serge Gnabry hatte glänzend gespielt im ersten Match der deutschen U21 bei der Europameisterschaft in Polen. In Tychy hatte Deutschland 2:0 gegen Tschechien gewonnen. Ein guter Auftakt, der alle Möglichkeiten auf das Erreichen des Halbfinals eröffnet bei dieser EM, deren Teilnehmerfeld enorm stark ist. Er wäre kaum so verheißungsvoll gewesen ohne Gnabry und den Schalker Max Meyer. Jeder der beiden erzielte ein Tor. Gnabry traf zum 2:0-Endstand, es gelang ihm wie so oft in der vergangenen Bundesligasaison auf spektakuläre Weise.

Gnabry ist ein besonderer Fussballer. Um das zu begreifen, braucht man nur ein paar Szenen von ihm zu sehen. Seine Eleganz, die Ballmitnahme in höchstem Tempo, die Art und Weise, wie er dann aufs Tor zusteuert: Das alles ist von einer Zielstrebigkeit, die nur wenige Außenstürmer in diesem Alter besitzen. So gelangen ihm elf Treffer in der vergangenen Saison für Bremen. Kein Wunder, meint Trainer Stefan Kuntz: "Er hat einen tiefen Schwerpunkt. Er ist schnell, daher ist er sehr gut im Dribbling." Tatsächlich ist Gnabry kaum vom Ball zu trennen. Zwar ist er nur 1,73 Meter groß, aber athletisch und kompakt.

Gnabry geht mit Leistung voran

Das sind in der Summe seltene Eigenschaften. Daher haben sich nach nur einem Jahr bei Werder die Bayern Gnabrys Dienste gesichert. Vor Bremen war er beim FC Arsenal, wo er aber kaum eingesetzt wurde. Erst nach seinem Wechsel in die Bundesliga stieg Gnabry innerhalb kürzester Zeit auf. Zu verdanken hat er seine rasante Entwicklung vor allem seinem Förderer Horst Hrubesch, der ihn im Vorjahr ins Olympiateam berief. Gnabry wurde der beste Torschütze des Turniers, die Mannschaft gewann Silber. Bald darauf folgte das erste Länderspiel bei Joachim Löw. Auch da traf er. Drei Mal, auch wenn der Gegner nur San Marino hieß.

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Kader der U21-Nationalmannschaft: Die Kuntz-Akadamie

Schon damals war zu erkennen, dass ihn neben seinen Fähigkeiten, die aus dem 21-Jährigen einen nahezu kompletten Flügelstürmer machen, noch etwas anderes auszeichnet: die Lust am Spiel. Die Dinge scheinen ihm mit Leichtigkeit zu gelingen. Mancher Kritiker meint aber, das könnte auch deshalb so lässig aussehen, weil Gnabry sich gerne bei der Defensivarbeit schont, um später auf der anderen Seite des Spielfelds glänzen zu können. In Bremen nannten sie ihn, der viel Zeit in sein Äußeres investiert, schon mal "Gucci".

Auf dem Platz tritt er dominant auf, seine Körpersprache zeugt von Selbstbewusstsein. In Reihen der U21 wirkt es ein wenig wie eine Chefattitüde. In Bremen war es zuletzt anders. Zwar pries man auch dort das Talent des jungen Mannes, aber man wusste auch um die eine oder andere Schwäche. Im Saisonfinale, das für Bremer Verhältnisse mit einem guten achten Platz endete, war Gnabry häufiger Zuschauer, weil er nach einer Verletzung nicht mehr in die Startelf fand.

Im Video: Deutsche U21 siegt zum Auftakt gegen Tschechien

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Namhafte Konkurrenz beim Rekordmeister

Kurz nachdem er in München unterschrieben hatte, hieß es, die Bayern wollten Gnabry eventuell ausleihen, um ihn beim ambitionierten Konkurrenten Hoffenheim reifen zu lassen. Unersetzlich ist er dagegen für U21-Nationalcoach Stefan Kuntz. Gnabry, sagt er, sei wichtig für das Team, er habe ein gutes Gespür für die Situation, wisse, "wann es an der Zeit für Späße ist und wann für Räson." In seinem Team ist Gnabry eine feste Stütze: "Ich bin froh, dass er die Rolle als Führungsspieler annimmt und auch ausfüllt."

Ob er allerdings den hohen Ansprüchen der Münchner schon jetzt gerecht werden kann? Und es schafft, sich gegen die klubinterne Konkurrenz durchzusetzen? Dort heißt der Mann für die linke Außenbahn Franck Ribéry, und das immerhin schon seit zehn Jahren. Ribérys größter Trumpf ist gleichzeitig sein Manko: Er hat Routine, viele wichtige Spiele bestritten. Aber er ist eben auch 34 Jahre alt und gewiss nicht der Mann der Zukunft. Ähnliches gilt für Arjen Robben, der auf der rechten Seite auch in hohem Alter regelmäßig Spektakel veranstaltet.

Kingsley Coman, der junge Franzose, hat hingegen noch nicht vollends überzeugen können. Der Brasilianer Douglas Costa steht angeblich kurz vor einer Einigung mit Juventus. Daher ist es möglich, dass Gnabry mit Leistungen wie gegen die Tschechen dazu beiträgt, seine erste Saison in München und nicht als Leihgabe anderswo zu spielen - auch wenn ein Trainer wie der Hoffenheimer Julian Nagelsmann für ihn der ideale Entwicklungshelfer sein könnte.

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mr-mucki 19.06.2017
1. Ganz schwierig einzuschätzen
Die ganze FCB Situation ist schwer einzuschätzen. Robben, Ribery, Vidal stehen den jungen Talenten im Weg. Aber alle drei bringen noch gute bis sehr gute Leistungen. Der Trainer ist nicht bekannt dafür Talente zu fördern. Das Publikum will Titel und zwar immer. Aber der Umbruch muss bald kommen auf diesen Positionen. Der Abgang von Lahm macht eine weitere Baustelle auf. Lewandoski hat immer noch kein back up und Müller keinen Platz im taktischen System.
Pela1961 19.06.2017
2. Was soll eigentlich immer die Frage?
Wenn er gut genug ist, wird er spielen. Das ist das bekannte Risiko jedes Spielers, der von einem kleineren Verein zu einem grösseren Verein wechselt. Kein Trainer kann einen Spieler spielen lassen, weil er so nett und freundlich ist. Und kein Spieler muss auf der Bank sitzen, nur weil er "alt" ist. Solange Robben und Ribery eine Leistung bringen, die eine Klasse besser ist als die von anderen Spielern werden sie spielen. Aber alle wissen doch oder glauben zu wissen, dass gerade Robben und Ribery der hoffentlich lang anhaltenden Dreifachbelastung in Buli, Pokal und CL kaum standhalten können. Ich bin mir sicher, die Münchner Planungen laufen bereits seit längerem in Richtung Umbau der Mannschaft. MIT Ancelotti. Das wird wahrscheinlich schon vor Vertragsantritt von Ancelotti passiert sein. Denn es war ja abzusehen, dass es so kommen wird. Das Alter der Spieler ist schließlich schon länger bekannt :-)
pr8kerl 19.06.2017
3. Ich sehe da kein Problem
Ancelotti wird die bewährten Kräfte spielen lassen. Vorne links Ribery. Ist er verletzt, was häufig vorkommt, spielt Gnabry. Ribery wird zum Saisonende verabschiedet, dann ist Gnabry links gesetzt. Auf dem Platz von Lahn spielt beim FCB und in der Nationalelf Kimmich.
gnarze 19.06.2017
4. Kein Problem
Ribery ist häufig verletzt, Robben leider auch. Da sollte schon genug Spielzeit zusammenkommen. Wichtig wäre eher, dass man ihm mehr Spielübersicht beibringt, da hapert es doch noch ziemlich. Zur Not wird ihn aber wohl Lewandowski das in angemessener Form vermitteln.
laberbacke08/15 19.06.2017
5.
mein Mitleid haelt sich in Grenzen. Serge scheint jedes Mal zu wechseln wenn er auf der Bank sitzt. Ein weiteres Jahr in Bremen oder direkt bei Hoffenheim haette ihm gut getan aber sein Berater und die Herren Rummenigge und Hoeness haben ihn offenbar mit irgendwechen Versprechungen in eine Sackgasse gelockt.
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