Von Mike Glindmeier
Die Welt zu Gast bei Freunden - das war das Motto der WM 2006 in Deutschland. Aus einigen Freunden sind mittlerweile Feinde geworden. Feinde des Fußballs. Mehrere hundert dieser unangenehmen Gattung hielten am Freitagnachmittag die Polizei in Wien in Atem. Vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich randalierten deutsche Hooligans in der Innenstadt.
Bereits am Donnerstagabend hatte es erste Auseinandersetzungen zwischen deutschen Randalierern und der Polizei gegeben. Laut österreichischen Medienberichten riefen betrunkene Hooligans vor einer Bar rechtsradikale Parolen und zeigten den Hitlergruß. Die Sicherheitsbeamten nahmen drei Deutsche vorübergehend in Gewahrsam.
Wesentlich mehr vorübergehende Festnahmen gab es dann am Freitagnachmittag, also nur wenige Stunden vor dem Spiel. Gegen 17 Uhr rottete sich ein Mob von rund 400 Randalierern - laut Polizei zum großen Teil aus Berlin, Erfurt und anderen ostdeutschen Städten - auf der Wiener Partymeile zusammen. Die Angreifer warfen mit Stühlen, Gläsern und Böllern auf die Polizei, die hart durchgriff.
Die Wega, eine Spezialeinheit der Wiener Polizei, rückte mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Randalierer vor und nahm im Laufe der Auseinandersetzungen 213 überwiegend deutsche Hooligans vorübergehend fest. Ein Polizist wurde verletzt. Es waren die zweiten schweren Hooligan-Ausschreitungen in Wien binnen zwei Wochen. Am 22. Mai hatten Anhänger von Rapid Wien während des Stadtderbys gegen Austria den Platz gestürmt und so für einen Spielabbruch gesorgt.
Patriotismus statt Pietät
Diesmal hielten sich die Österreicher zurück. Ganz im Gegensatz zu den Deutschen, die die Sicherheitskräfte über vier Stunden beschäftigten. Ganze Straßenzüge des Szeneviertels Bermudadreieck waren von den Beamten gesperrt worden. Am Ende ging die Taktik auf. "Die Wiener Polizei hat deutlich gemacht, dass es für Ausschreitungen in der Stadt keinen Platz gibt", sagte Polizeipräsident Gerhard Pürstl.
Die Polizei verschärfte nach den Ausschreitungen die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Stadion und führte verschärfte Einlasskontrollen durch. In der Arena selbst blieb es friedlich. Allerdings benahmen sich auch hier zahlreiche deutsche Anhänger daneben. Nach dem üblichen Pfeifwettstreit bei den Nationalhymnen sollte es eine Schweigeminute für Ernst Weber geben.
Der ehemalige Nationaltrainer des österreichischen Frauenteams war im April auf bislang ungeklärte Weise ums Leben gekommen. Österreichische Medien schrieben, der 62-Jährige habe aufgrund einer erneuten schweren Erkrankung den Freitod gewählt. Weber hatte 2002 mit zahlreichen Chemotherapien einen Lymphdrüsenkrebs besiegt.
Mitten in dieser Schweigeminute skandierte ein Teil des deutschen Anhangs den Schlachtruf "Hurra, Hurra, die Deutschen, die sind da" und bewies damit, dass einigen Fans der deutschen Nationalmannschaft Patriotismus mehr bedeutet als Pietät.
Immerhin nach dem Spiel, das Deutschland durch ein Tor von Mario Gomez in der 90. Minute glücklich 2:1 (1:0) gewann, blieb alles friedlich.
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