Über 200 Festnahmen Hooligan-Randale in Wien beschämt deutschen Fußball

Sie sind eine Schande für den deutschen Fußball: Mit Schlagstöcken und Tränengas musste eine Spezialeinheit der Wiener Polizei vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Hooligans vorgehen. Über 200 Randalierer wurden festgenommen. Im Stadion unterbrachen DFB-Anhänger eine Schweigeminute mit fragwürdigen Gesängen.

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DPA

Die Welt zu Gast bei Freunden - das war das Motto der WM 2006 in Deutschland. Aus einigen Freunden sind mittlerweile Feinde geworden. Feinde des Fußballs. Mehrere hundert dieser unangenehmen Gattung hielten am Freitagnachmittag die Polizei in Wien in Atem. Vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich randalierten deutsche Hooligans in der Innenstadt.

Bereits am Donnerstagabend hatte es erste Auseinandersetzungen zwischen deutschen Randalierern und der Polizei gegeben. Laut österreichischen Medienberichten riefen betrunkene Hooligans vor einer Bar rechtsradikale Parolen und zeigten den Hitlergruß. Die Sicherheitsbeamten nahmen drei Deutsche vorübergehend in Gewahrsam.

Wesentlich mehr vorübergehende Festnahmen gab es dann am Freitagnachmittag, also nur wenige Stunden vor dem Spiel. Gegen 17 Uhr rottete sich ein Mob von rund 400 Randalierern - laut Polizei zum großen Teil aus Berlin, Erfurt und anderen ostdeutschen Städten - auf der Wiener Partymeile zusammen. Die Angreifer warfen mit Stühlen, Gläsern und Böllern auf die Polizei, die hart durchgriff.

Die Wega, eine Spezialeinheit der Wiener Polizei, rückte mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Randalierer vor und nahm im Laufe der Auseinandersetzungen 213 überwiegend deutsche Hooligans vorübergehend fest. Ein Polizist wurde verletzt. Es waren die zweiten schweren Hooligan-Ausschreitungen in Wien binnen zwei Wochen. Am 22. Mai hatten Anhänger von Rapid Wien während des Stadtderbys gegen Austria den Platz gestürmt und so für einen Spielabbruch gesorgt.

Patriotismus statt Pietät

Diesmal hielten sich die Österreicher zurück. Ganz im Gegensatz zu den Deutschen, die die Sicherheitskräfte über vier Stunden beschäftigten. Ganze Straßenzüge des Szeneviertels Bermudadreieck waren von den Beamten gesperrt worden. Am Ende ging die Taktik auf. "Die Wiener Polizei hat deutlich gemacht, dass es für Ausschreitungen in der Stadt keinen Platz gibt", sagte Polizeipräsident Gerhard Pürstl.

Die Polizei verschärfte nach den Ausschreitungen die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Stadion und führte verschärfte Einlasskontrollen durch. In der Arena selbst blieb es friedlich. Allerdings benahmen sich auch hier zahlreiche deutsche Anhänger daneben. Nach dem üblichen Pfeifwettstreit bei den Nationalhymnen sollte es eine Schweigeminute für Ernst Weber geben.

Der ehemalige Nationaltrainer des österreichischen Frauenteams war im April auf bislang ungeklärte Weise ums Leben gekommen. Österreichische Medien schrieben, der 62-Jährige habe aufgrund einer erneuten schweren Erkrankung den Freitod gewählt. Weber hatte 2002 mit zahlreichen Chemotherapien einen Lymphdrüsenkrebs besiegt.

Mitten in dieser Schweigeminute skandierte ein Teil des deutschen Anhangs den Schlachtruf "Hurra, Hurra, die Deutschen, die sind da" und bewies damit, dass einigen Fans der deutschen Nationalmannschaft Patriotismus mehr bedeutet als Pietät.

Immerhin nach dem Spiel, das Deutschland durch ein Tor von Mario Gomez in der 90. Minute glücklich 2:1 (1:0) gewann, blieb alles friedlich.

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diefreiheitdermeinung 04.06.2011
1. Nach diesen peinlichen
Ausfaellen haette die deutsche Mannschaft eigentlich einen hohen Spielverlust verdient. Vor Allem wo doch die oest. Mannschaft sowieso ein besseres Bild abgab. Deutsche sind in Oesterreich sowieso wegen ihres oft grosskotzigen Auftretens eher unbeliebt, solche Vorkommnisse koennen das Vorurteil nur verfestigen. Es wird Zeit, dass der DFB endlich selbst radikale Schritte einleitet um diese Leute zu identifizieren und auf die schwarze Liste zu setzen. Oder ist auch hier wieder Datenschutz und Schutz der Privatsphaere die lahme Entschuldigung fuer Nichtstun ?
watermark71 04.06.2011
2. Eigenschuld der Gesellschaft
Beschämend für DE und noch beschämender für Ostdeutschland. Was mir aber schleierhaft ist: Warum verhängt man nicht mal schmerzhafte Strafen. 2...5 Monatsgehältern bei Werktätigen, 2..5 Monate Hartz IV Sperre beim Rest. Völlig egal wovon er drei Monate lang seinen Kühlschrank füllen soll. Betteln gehen oder was auch sonst... Nur über Sanktionen wird man sie bekommen, das Eiteitei, das darfst du nicht Gesülze mit evtl etwas Bewährung und Sozialdienste wiegt doch nicht annähernd den "Spass" auf, den sie meinen erlebt zu haben....
fussball11 04.06.2011
3. Medien Hooligans
Sie mögen ja eine Schande für Deutschland sein, aber was hat das mit Fußball zu tun? Aufgewachsen und sozialisiert in unserem Land suchen diese Irren ein internationales Ereignis um Aufmerksamkeit in der Presse zu bekommen. Letztlich kommen sie wegen der Berichterstattung der Medien, nicht wegen Fußball. Nein - es sind "Medien Hools" die mit Hilfe der Presse ihre braune und gewalttätige Ideologie verbreiten wollen. In unseren Stadien herrscht Ruhe, wenn einer rumspinnt, wird das im Stadien geregelt. Es mag Bengalos oder Rauch geben, aber keine Gewalt. Die Presse sollte endlich die Verantwortung für ihre auf Sensation gepolte Berichterstattung übernehmen und diese Schmeißfliegen nicht so lauthals promoten, dann wäre schnell Ruhe.
Skeptikus 04.06.2011
4. Hooliganismus
Zitat von sysopSie sind eine Schande für den deutschen Fußball: Mit Schlagstöcken und Tränengas musste eine Spezialeinheit der Wiener Polizei vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Hooligans vorgehen. Über 200 Randalierer wurden festgenommen.*Im Stadion unterbrachen DFB-Anhänger eine Schweigeminute mit fragwürdigen Gesängen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766575,00.html
[QUOTE=sysop;7988184]Sie sind eine Schande für den deutschen Fußball: Mit Schlagstöcken und Tränengas musste eine Spezialeinheit der Wiener Polizei vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Hooligans vorgehen. Über 200 Randalierer wurden festgenommen.*Im Stadion unterbrachen DFB-Anhänger eine Schweigeminute mit fragwürdigen Gesängen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766575,00.html[/QUOTE Dass sich diese Pest aber auch nicht ausrotten lässt!Fan-Initiativen hin, Fan-Initiativen her: Dagegen hilft anscheinend nur "Knüppel-aus-dem-Sack" und anschließend zur Kasse bitten für den Aufwand. Und von wegen Patriotismus bei den Schmähgesängen - das pure Dumpf- und Dummheit, nichts anderes!
blue0711 04.06.2011
5. ..
Interessant vorallem, das aktuell N24 von einem friedlichen Spiel und Feiern mit lediglich vorsorglichem hohem Polizeiaufgebot spricht. Kein Wort von den Ausschreitungen und Ausfällen. ...
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