Überraschungsteam Gladbach: Zu stark für Favres dritte Etappe

Von , Mönchengladbach

Vom Fast-Absteiger zum Bayern-Jäger: Borussia Mönchengladbach ist die Überraschungsmannschaft der Saison. Gegen Bremen zeigten Marco Reus und Co. erneut berauschenden Offensivfußball - und ließen Trainer Lucien Favre weiter auf den nächsten Schritt im Erfolgskonzept warten.

Grafische Analyse: Riese Reus, Sünder Sokratis Fotos
REUTERS

Die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach macht es ihrem Trainer derzeit nicht leicht. Woche für Woche setzt sie zielsicher die Anweisungen des Schweizers um, beim 5:0 gegen Werder Bremen zeigte das Team rauschenden Offensiv-Fußball.

Dabei müsste Gladbach endlich mal wieder eine schwache Leistung zeigen, um in Favres Erfolgsplan die nächste Stufe zu erreichen. "Auf der ersten Etappe", erklärte der 54-Jährige nach dem Spiel, "haben wir gelernt, grundsolide zu stehen. Und auf der zweiten Etappe haben wir gelernt, mehr Chancen zu kreieren."

Doch nun soll der nächste Schritt folgen, was also fehlt noch? "Die dritte Etappe", so Favre, "haben wir dann geschafft, wenn wir mal schlecht spielen - und trotzdem gewinnen."

Mit der Probe aufs Exempel macht es der Fast-Absteiger vom Mai dieses Jahres seinem Trainer allerdings schwer: Schwache Auftritte gibt es kaum noch, bei den letzten drei Siegen gegen Hannover, in Berlin und nun gegen Bremen wirkte das Team sogar von Mal zu Mal gefestigter.

"Wollt ihr die ganze Liga auseinander nehmen?"

So gefestigt, dass sich Werders Einwechselspieler Lukas Schmitz nach bitteren Pleite nicht mit dem Trikot des dreifachen Torschützen Marco Reus begnügte. "Er hat mich gefragt, ob wir noch die ganze Liga auseinander nehmen wollen", sagte Reus. Als Antwort gab es für den Bremer nur die Standard-Version, man denke nur von Spiel zu Spiel. So oft hat das Team dieses Gebot des Trainers wiederholt, dass es dem Jung-Nationalspieler fast schon peinlich war. "Ich sage ja doch immer dasselbe", sagte Reus grinsend.

Der überragende Borusse und seine Kollegen hinterließen mit ihrer Spielweise einen tiefen Eindruck bei Thomas Schaaf. "Hier in Gladbach", sagte Bremens Cheftrainer, "wird fantastische Arbeit geleistet. Mein Kollege hat eine Mannschaft aufgebaut, die genau das umsetzt, was man braucht. Die voll als Team auftritt. Das ist genau das, was uns hier gefehlt hat."

So fiel es auch überhaupt nicht ins Gewicht, dass die Gastgeber nach einer halben Stunde den verletzten Innenverteidiger Martin Stranzl durch Roel Brouwers ersetzen mussten. Das Gladbacher Gefüge passt auch dann noch, wenn zwischendurch ein Teilchen durch ein anderes ersetzt werden muss.

Das große Plus der Favre-Elf sind dabei die großen Qualitäten in der Offensive, mit denen kleinere Wackler in der Defensive umgehend ausgebessert werden können - und das nachweislich auch bei Rückständen wie gegen Leverkusen oder vor zwei Wochen bei Hertha BSC.

Hanke schafft Freiräume für andere Spieler

Und so hat die Borussia inzwischen eine Eigendynamik entwickelt, bei der es auch nicht ins Gewicht fällt, dass Mittelstürmer Mike Hanke nach dem 14. Spieltag noch immer kein Tor erzielt hat. Denn durch seinen unermüdlichen Einsatz im und vor dem gegnerischen Strafraum schafft der Angreifer viel Platz für seine Kollegen Reus (sieben Treffer in den letzten drei Spielen), Patrick Herrmann und Juan Arango, die gegen Werder die übrigen Tore erzielten.

"Mike arbeitet viel für die Mannschaft, schafft Räume, ist vorne immer anspielbereit. Ich bin sehr zufrieden mit ihm", sagt Favre über Hanke und lobte nach dem höchsten Gladbacher Sieg seit 18 Jahren aber auch einen seiner Jüngsten: "Die Tore waren schön, sehr schön. Wir sind im richtigen Moment in die Tiefe gelaufen - und zwar nicht nur Marco Reus, sondern auch Patrick Herrmann."

So wie beim 1:0, als der 20-jährige Mittelfeldspieler schneller reagierte als Werder-Keeper Tim Wiese und den Ball ins Tor köpfte. "Wir waren gedanklich langsamer als der Gegner und haben uns in Zweikämpfen anfängerhaft angestellt", kritisierte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs - und lobte damit zugleich die Favre-Elf. Auch der Trost der Borussen-Fans vermochte Allofs nicht zu besänftigen, lautstark schallte es von den Rängen: "Gegen Gladbach", sangen sie voller Mitgefühl, "kann man mal verlier'n."

Und Niederlagen für die Konkurrenz werden angesichts der Tatsache, dass die Gegner inzwischen zwar um die Konterstärke der Gladbacher wissen, aber einfach kein Mittel dagegen finden, immer wahrscheinlicher. "Der Trainer verlangt immer sehr viel von uns, auch im taktischen Bereich", sagt Hanke: "Wenn wir so weitermachen, werden wir hier noch einiges entwickeln."

Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 5:0 (3:0)
1:0 Herrmann (16.)
2:0 Reus (23.)
3:0 Reus (38.)
4:0 Reus (51.)
5:0 Arango (53.)
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl (28. Brouwers), Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann (81. Bobadilla), Arango - Hanke, Reus (87. Wendt)
Bremen: Wiese - Sokratis, Prödl, Wolf, Ignjovski - Bargfrede - Fritz, Hunt (78. Stevanovic) - Ekici (46. Schmitz) - Arnautovic (61. Rosenberg), Pizarro
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 53.465
Gelb-Rote Karte: Sokratis wegen Foulspiels (76.)

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