Uefa-Cup-Finale: Donezk zerstört Bremer Traum vom historischen Triumph

Von Markus Tischler und

Geschlagen in der Verlängerung: Werder hat das Uefa-Cup-Endspiel in Istanbul gegen Schachtjor Donezk verloren. Einmal konnten die Bremer einen Rückstand ausgleichen, doch dann wurde der bis dahin starke Keeper Tim Wiese zur tragischen Figur.

120 Minuten Kampf reichten nicht: Werder Bremen hat das letzte Endspiel um den Uefa Cup verloren. Vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften Sükrü-Saracoglu-Stadion in Istanbul unterlag die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf dem ukrainischen Club Schachtjor Donezk nach Verlängerung 1:2 (1:1, 1:1). Den entscheidenden Treffer erzielte der Brasilianer Jadson in der 97. Minute. Luiz Adriano hatte in der 25. Minute das 1:0 erzielt, Werders Naldo für den Ausgleich gesorgt (35.). Ab der kommenden Saison heißt der Wettbewerb Europa League.

Werder-Torwart Wiese, Schachtjor-Profi Jadson (r.): Siegtor für Donezk
Getty Images

Werder-Torwart Wiese, Schachtjor-Profi Jadson (r.): Siegtor für Donezk

"Wir sind sehr enttäuscht. Wir haben alles gegeben", sagte Torsten Frings nach der Partie. "Bei den Gegentoren haben wir nicht gut ausgesehen. Das ist natürlich ein heftiger Schlag. So oft bekommt man nicht die Chance, einen wichtigen Titel zu gewinnen. Wir müssen jetzt den Blick voll auf Berlin richten. Da haben wir nochmal die Chance, einen Pokal zu holen", so Frings weiter.

Auch ohne den gelbgesperrten Spielmacher Diego hatte Schaaf seinen Team offenbar eine offensive Marschrichtung verordnet. Die Bremer störten Donezk zu Beginn der Partie schon früh in deren Hälfte, konnten aber nicht verhindern, dass Luiz Adriano in der fünften Minute von der Strafraumgrenze frei zum Schuss kam, das Tor jedoch verfehlte. Donezk wirkte in dieser Phase ballsicherer und gefährlicher in seinen Aktionen nach vorne und stellte die Werder-Abwehr immer wieder vor Probleme.

Auch die Hoffnungen der Bremer, Vorteile aus dem Größenunterschied zu ziehen, erfüllten sich nicht. Zu ungenau waren die Pässe auf die Außenbahn, Flanken hatten Seltenheitswert, weder gefährliche Freistoßsituationen noch Ecken konnte der Bundesligist in den ersten 20 Minuten verbuchen. Clemens Fritz' missglückter Schuss aus 20 Metern war schon fast ein Highlight aus Werder-Sicht, kurz darauf vertändelte Mesut Özil den Ball im Strafraum.

In der 25. Minute erreichte ein schnell gespielter Pass durch das Mittelfeld Adriano und der Brasilianer überwand Torhüter Tim Wiese mit einem sehenswerten Heber. Keine zwei Minuten später hatte erneut Adriano sogar das 2:0 auf dem Fuß, schoss den Ball aber über das Tor.

Beflügelt durch die Führung, kombinierte sich Donezk ein paar Mal ansehnlich bis zum Bremer Strafraum, doch der zweite Treffer des Abends fiel auf der anderen Seite. Nach Naldos Freistoß aus rund 25 Metern rutschte Torhüter Andrej Pjatow der Ball über die Fäuste zum zu diesem Zeitpunkt glücklichen Ausgleich.

Schwache Bremer halten das Remis

Werders Weg nach Istanbul
GRUPPENPHASE CL
Famagusta 0:0/2:2
Inter Mailand 1:1/2:1
Panathinaikos Athen 2:2/0:3

ZWISCHENRUNDE UEFA CUP
AC Mailand 1:1/2:2
ACHTELFINALE
AS Saint-Etienne 1:0/2:2

VIERTELFINALE
Udinese Calcio 3:1/3:3

HALBFINALE
Hamburger SV 0:1/3:2

FINALE
Schachtjor Donezk 1:2 n.V.
"Wir können besser spielen, einige der Spieler sind zu angespannt. Ich hoffe, dass da jetzt die Lockerheit kommt", stellte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem ersten Durchgang fest. Seine Hoffnung, es würde in der zweiten Halbzeit besser werden, blieb indes erst einmal unerfüllt. Schachtjor bestimmte weiter das Geschehen, in der 51. Minute war es erneut Wiese, der nach einem Freistoß von Darijo Srna den Ball abwehren musste. Seine Vorderleute brachten kaum einen konstruktiven Spielzug zu Stande. Wo der Ball war, war meistens auch ein Schachtjor-Profi nicht weit weg.

Um die 60. Minute herum schien sich die Partie dann langsam zu Gunsten der Bremer zu entwickeln, die nun einige Male im Strafraum von Donezk auftauchten, doch Markus Rosenberg und Özil ließen ihre Möglichkeiten ungenutzt. Danach war Schachtjor wieder das gefährlichere Team und brachte die Bremer mehrfach in Verlegenheit, die müde wirkten und sich bis in die Schlussphase hinein meist auf die Defensive konzentrierten. Dennoch hätte Claudio Pizarro per Kopf fast die Führung (79.) erzielt. In der 90. Minute lag der Ball dann zwar im Netz, der Peruaner hatte bei dem Treffer jedoch im Abseits gestanden. So mussten beide Teams in die Verlängerung.

Jadson sorgt für die Entscheidung, Wiese greift daneben

Die erste gefährliche Aktion ging erneut von Schachtjor aus. Bei Srnas verdecktem 18-Meter-Schuss hatte Wiese etwas Mühe. In der 97. Minute rutschte dem Torhüter der durchaus haltbare Schuss über die Hände, nachdem Jadson im Strafraum aus zehn Metern frei zum Abschluss gekommen war. Auf der Gegenseite verhinderte Pjatow den sofortigen Ausgleichstreffer von Pizarro. Bremen erhöhte den Druck, kam aber nur noch zu einer guten Chance. Zwar lag der Ball noch einmal im Schachtjor-Tor, doch zuvor hatte Pizarro ein Foul begangen.

"Die Mannschaft sitzt traurig in der Kabine. Wir haben es heute nicht geschafft, das müssen wir akzeptieren. Jetzt müssen wir uns auf die Dinge konzentrieren, die wir noch vor uns haben, Samstag in Wolfsburg und dann das Pokalfinale", sagte Schaaf Minuten nach der Niederlage. "Es ist schon eine lange Saison, wir haben schon einiges in den Knochen, das hat man heute gemerkt, vielleicht hat uns ein bisschen die Frische gefehlt", so der Trainer, dessen Team nun im Finale des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen am 30. Mai (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), die Chance hat, doch noch einen Titel einzufahren.

Schachtjor Donezk - Werder Bremen 2:1 (1:1, 1:1) n.V.
1:0 Adriano (25.)
1:1 Naldo (35.)
2:1 Jadson (97.)
Donezk: Pjatow - Srna, Kutscher, Tschygrynskij, Rat - Lewandowski, Fernandinho - Ilsinho (100. Gai), Jadson (112. Duljaj), Willian - Luiz Adriano (90. Gladkij). - Trainer: Lucescu Bremen: Wiese - Fritz (95. Pasanen), Prödl, Naldo, Boenisch - Niemeyer (103. Tziolis), Baumann - Frings, Özil - Rosenberg (78. Hunt), Pizarro. - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Luis Medina Cantalejo (Spanien)
Zuschauer: 40.000
Gelbe Karten: Srna, Lewandowski, Ilsinho - Frings, Fritz, Tziolis, Boenisch

Mit Material von dpa und sid

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