Zoff der Fußballfunktionäre Uefa-Größen attackieren Zwanziger

Theo Zwanziger ist nun offiziell das Feindbild im europäischen Fußball: Ungewöhnlich scharf kritisiert der Uefa-Generalsekretär den Ex-DFB-Präsidenten. Dessen Vorwürfe gegen seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach seien "peinlich und traurig".

Uefa-Generalsekretär Infantino: "Für uns völlig unverständlich"
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Uefa-Generalsekretär Infantino: "Für uns völlig unverständlich"

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Hamburg - Die Uefa schaltet sich in den Streit zwischen Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach ein. Der ehemalige DFB-Präsident hatte seinen Nachfolger wegen einer umstrittenen Betriebsrente scharf kritisiert und die Ethikkommission der Fifa eingeschaltet. Diese sprach Niersbach frei, seine Vergütung verstoße nicht gegen die Regeln des Weltverbands.

"Das ist peinlich für Zwanziger und traurig für den Fußball", sagte Gianni Infantino, Generalsekretär der Uefa: "Wir haben das im Exekutivkomitee besprochen und lehnen die Handlungsweise von Zwanziger vollumfänglich ab." Der 69-Jährige habe "versucht, das Image des DFB zu schädigen", sagte Infantino: "Das ist für uns völlig unverständlich - das kann von niemandem verstanden werden."

Hintergrund des Streits ist eine Betriebsrente, die Niersbach als DFB-Präsident kassiert. Bis zu seiner Wahl 2012 war er Generalsekretär des Verbands - ein gut bezahlter Posten. Das Amt des Präsidenten dagegen ist ehrenamtlich, es gibt nur eine Aufwandsentschädigung. Als Ausgleich kassiert Niersbach eine Betriebsrente, die angeblich sechsstellig ist. Zwanziger kritisierte dies als unangemessen für einen gemeinnützigen Verband. Der DFB konterte, Niersbach habe die Rente "durch seine 24-jährige Tätigkeit als Angestellter des DFB erarbeitet und verdient".

Auf die heftige Reaktion der Uefa angesprochen, zeigte sich Zwanziger gelassen: "Die Vorwürfe sind absolut nicht gerechtfertigt", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Ich wundere mich ein bisschen, dass die Uefa-Funktionäre nichts Wichtigeres zu tun haben."

"Vorwürfe entbehren jeder Grundlage"

Tatsächlich erscheinen die Attacken auf den baldigen Ex-Funktionär als willkommenes Ablenkungsmanöver angesichts der Probleme der Uefa: Die europäischen Funktionäre wirken in ihrer Opposition gegen Fifa-Chef Josef Blatter hilflos und geben auch in der Diskussion über die WM in Katar 2022 kein gutes Bild ab. Einerseits hatten sie wesentlichen Anteil an der umstrittenen Turniervergabe an das Emirat, andererseits lassen sie ihrer Kritik an Katar keine konkreten Schritte folgen.

Ein weiterer Vorwurf von Infantino lautet, Zwanziger habe in den vergangenen beiden Jahren "an keiner unserer Sitzungen teilgenommen", obwohl er gewähltes Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees sei. "Wenn man über Good Governance und Demokratie spricht, sollte man auch teilnehmen und Entscheidungen akzeptieren", sagte Infantino.

"Das entbehrt jeder Grundlage", konterte Zwanziger. Er habe sich strikt an die Uefa-Regeln gehalten, die Interessenskollisionen verbieten. Und da er im Auftrag der Fifa die Reformen bei der Uefa durchsetzen sollte, habe er nicht gleichzeitig an deren Sitzungen teilnehmen können. Damit habe er freiwillig auf Entschädigungen verzichtet. "Anderen sind diese Regeln offensichtlich egal", sagte Zwanziger.

Wen er damit meinen dürfte, ist klar: Auch im Fifa-Exekutivkomitee heißt sein Nachfolger Niersbach. Am 29. Mai übernimmt der DFB-Präsident den Posten beim Weltverband. Seine Nominierung durch den Uefa-Kongress am Dienstag ist nur noch eine Formalie.

Mit Material des sid.



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
einhanse 23.03.2015
1. Der größte
Loser, den es je im DFB gab, wirft mit Dreck um sich. Mehr als peinlich, der Altendiezer Staranwalt!
jakam 23.03.2015
2.
Eine 6-stellige Rente ist zu viel zu hoch. Punkt.
Butenkieler 23.03.2015
3. jeder bereichert sich
und für den Sport/ler wird wenig bis nichts getan.
tom58 23.03.2015
4. Wahrheit
FIFA, UEFA und DFB haben ihre eigenen Regeln die man nicht kritisieren darf.
Herbert1968 23.03.2015
5. Eine Betriebsrente
vor Erreichen der Altersgrenze erhält ansonsten niemand mit der Begründung, dass ein Ausgleich dafür vorgenommen werden soll, dass er sich ehrenamtlich ohne Bezahlung (oder nur gegen Aufwandsentschädigung) engagiert. Wenn der DFB-Präsident voll bezahlt werden soll, muss man die Statuten entsprechend ändern. Die Attacken gegen Herrn Zwanziger entbehren jedweder Grundlage. Die Kritiker unterstellen ihm in Wahrheit persönliche Motive.
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