Enthüllung über ehemaligen Uefa-Generalsekretär Infantino verbündete sich mit Scheichklubs

Die Football-Leaks-Dokumente offenbaren: Systematisch haben Klubs wie Manchester City und Paris Saint-Germain die Financial-Fair-Play-Regeln gebrochen. Der damalige Uefa-Generalsekretär ließ sie praktisch unbehelligt davonkommen.

Gianni Infantino
PA/ Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL

Gianni Infantino


Gianni Infantino hat 2014 als Generalsekretär des Europäischen Fußballverbands Uefa gezielt die Arbeit von verbandsinternen Kontrollgremien hintertrieben. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem SPIEGEL von der Enthüllungsplattform Football Leaks zur Verfügung gestellt wurden und die das Magazin mit dem internationalen Rechercheverbund European Investigative Collaborations (EIC) und drei weiteren Partnern geteilt hat.

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Heft 45/2018
Geheimsache Luxus-Liga. Neue Football Leaks Enthüllungen

Demnach hat Infantino den Scheich-Klubs Manchester City und Paris Saint-Germain zu sehr milden Sanktionen für ihre massiven Verstöße gegen die Regeln des Financial Fair Play (FFP) verholfen. Diese Budgetregeln legten fest, dass das Defizit eines Klubs in den Spielzeiten von 2011 bis 2013 nur noch bei insgesamt 45 Millionen Euro liegen durfte.

Uefa-Ermittler und unabhängige Wirtschaftsprüfer bezifferten das über diese 45 Millionen Euro hinausgehende schuldhafte Defizit bei PSG auf 218 Millionen, bei ManCity auf 188 Millionen Euro. Daraufhin drohte beiden Vereinen die empfindlichste Strafe: ein Ausschluss aus der Champions League. Sowohl die katarischen Eigentümer von PSG als auch die Besitzer von Manchester City, die aus Abu Dhabi kommen, versuchten, das mit massivem Druck gegen die Uefa-Führung zu verhindern.

Video: Das Team hinter den Enthüllungen

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Aus den Unterlagen von Football Leaks geht hervor, dass sich der Schweizer Infantino als Generalsekretär des ermittelnden Verbandes auf die Seite der Klubs schlug. Während der laufenden FFP-Verfahren traf sich Infantino mehrmals zu Geheimgesprächen mit den Klubbossen aus Paris und Manchester, fütterte sie mit vertraulichen Details und schlug Kompromisse vor, zu denen er nicht befugt war.

In einer E-Mail vom 2. Mai 2014 skizzierte Infantino dem Klubchef von Manchester City, Khaldoon Al Mubarak, Vorschläge für einen Vergleich mit dem Verband, ein sogenanntes Settlement. "Du wirst sehen, dass ich manchmal einen Ausdruck gewählt habe, der etwas 'strenger' aussieht ", schrieb Infantino, an der einen oder anderen Passage könne man durchaus noch feilen: Sein Appell deshalb: "Bitte lies das Dokument in genau diesem Geist." Selbstverständlich, fuhr Infantino fort, sei dieses Schreiben "nur zwischen uns", streng geheim also.

Im Mai 2014 unterzeichneten beide Vereine Settlement Agreements mit der Uefa, die ihr Geschäft kaum beeinträchtigten. Wenige Tage zuvor war der schottische Wirtschaftsexperte Brian Quinn, der als Leiter der FFP-Untersuchungskommission das Verfahren gegen beide Klubs unabhängig von der Uefa-Führung hätte führen sollen, von seinem Amt zurückgetreten. Er hielt die Settlements angesichts des Ausmaßes der Regelverstöße für zu milde.

In den Jahren nach den Einigungen mit der Uefa haben PSG und Manchester City zusammen über eine Milliarde Euro für neue Spieler ausgegeben.

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insgesamt 65 Beiträge
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ruzoe 03.11.2018
1. Beim Blatter Sepp
ging's doch vergleichsweise gemütlicher zu als bei der infamen Glatze! Kann man den nicht mal die schönste Nebensache der Welt vor Ganoven in Sicherheit bringen?
Neandiausdemtal 03.11.2018
2. Haufen
Manchester City, Manchester United, PSG, Real Madrid, FC Barcelona, FC Bayern, Juventus Turin......alles Mist vom selben Haufen. Ganz egal, ob die mit der FiFA und der UEFA oder nur mit der FiFA oder gar mit irgendwelchen Scheichs oder sonst welchen milliardenschweren Schmarotzern, es ist immer abstoßend.
chrisberg 03.11.2018
3. Drogen?
Die Enthüllungen: Absolut Notwendig. Danke dafür. Das Layout in SPON: Was habt ihr genommen? Kann ich auch was haben? Ich muss die Faschingszeitung für unseren Kindergarten entwerfen, das würde helfen! Mal im Ernst: Die Mischung aus AFD-Wahlplakat (Mit Scheich, Bombenidee?) und chinesischer Wandzeitung ist schon genial..... Ach, eigentlich gefällts mir ganz ganz gut!! (Die Schwester hat mir vorhin mein „Frühstück“ gespritzt............)
duderino1976 03.11.2018
4. Recht so!!!
Gut gemacht. Alles muss ans Licht! Was die Fans daraus machen bleibt abzuwarten.
hannesR 03.11.2018
5. War doch zu erwarten
der Mann hatte nie seriöse Absichten
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