Torlinientechnologie: Platini geht auf Konfrontationskurs zu Blatter

Chip im Ball oder Mann an der Linie? Die Fronten bei dieser Frage verhärten sich. Kurz vor dem EM-Finale hat sich Uefa-Präsident Michel Platini erneut vehement gegen eine technische Lösung und für Torrichter ausgesprochen. Die Fifa um Chef Joseph Blatter sieht das komplett anders.

Uefa-Chef Platini (l.), Fifa-Boss Blatter: "Er weiß genau, wie ich denke" Zur Großansicht
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Uefa-Chef Platini (l.), Fifa-Boss Blatter: "Er weiß genau, wie ich denke"

Hamburg - Uefa-Präsident Michel Platini und die Exekutive der Europäischen Fußball-Union haben sich strikt gegen die Einführung der Torlinientechnologie ausgesprochen. Bei einer Sitzung einen Tag vor dem EM-Finale am Abend zwischen Italien und Spanien in Kiew (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) votierte das Gremium einstimmig dafür, künftig das schon während dieser Europameisterschaft praktizierte System mit zwei Torrichtern anzuwenden.

"Ich bin absolut gegen die Torlinientechnologie. Was ist, wenn es ein Handspiel auf der Linie gibt? Dann sieht das keine Technik der Welt. Wo sollen wir eine Grenze ziehen? Ich bin nicht nur gegen Torlinientechnologie, sondern gegen Technologie an sich", sagte Platini. Damit geht der Franzose bewusst auf Konfrontationskurs zu Fifa-Präsident Joseph Blatter, der sich zuletzt energisch für die Einführung der Torlinientechnik ausgesprochen hat. "Sepp Blatter weiß genau, wie ich denke", so Platini.

Bei der EM hatte es nach dem "Torklau von Donezk", als Schiedsrichter Viktor Kassai einen regulären Treffer der Ukraine nicht anerkannt hatte, heftige Kritik an den Torrichtern und eine kontroverse Diskussion um die Einführung der Torlinientechnologie gegeben. "Nach dem Spiel ist die Torlinientechnologie keine Alternative mehr, sondern eine Notwendigkeit", teilte Blatter damals via Twitter mit.

In puncto Technik gibt es zwei Varianten: ein Chip im Ball, bei dem ein Funksignal auf die Uhr des Schiedsrichters übermittelt wird, sobald der Ball die Torlinie komplett überquert hat; und die Torkamera, bekannt als Hawk Eye aus dem Tennis, die dem Schiedsrichter per Vibration ein Tor melden könnte.

Regelhüter entscheiden am 5. Juli über Einführung der Technologie

Platini hatte in diesem Zusammenhang gesagt: "Man braucht solche Systeme nicht, Technik, Satellit, GPS oder Chip im Ball." Der Franzose verteidigte die Variante mit einem Schiedsrichter, zwei Schiedsrichter-Assistenten und zwei Torrichtern mit den Worten: "Zu fünft sehen sie alles."

Die Uefa forderte die Fifa und deren Regelhüter vom International Football Association Board (IFAB) zu einer "offenen Diskussion über technische Hilfe" auf. Am kommenden Donnerstag, 5. Juli, entscheidet das IFAB bei einer Sitzung in Zürich über die Einführung der Torlinientechnologie. Sollte es sich dafür aussprechen, wird die Fifa dem Beschluss folgen. Zwar sind die kontinentalen und nationalen Verbände nicht an das Votum gebunden und können selbst entscheiden, ob und wann sie die Technik einführen. Allerdings wird erwartet, dass alle Verbände nachziehen, sollte die Fifa eine Einführung bei großen Turnieren umsetzen. Anvisiert dafür ist die WM 2014 in Brasilien.

ham/sid

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1.
hazet 01.07.2012
Zitat von sysopChip im Ball oder Mann an der Linie? Die Fronten bei dieser Frage verhärten sich. Kurz vor dem EM-Finale hat sich Uefa-Präsident Michel Platini erneut vehement gegen eine technische Lösung und für Torrichter ausgesprochen. Die Fifa um Chef Joseph Blatter sieht das komplett anders. Uefa-Präsident Platini und Fifa-Boss Blatter streiten über Tortechnik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,841926,00.html)
Torrichter sind auch nur Menschen und sind bestechlich. Beim Chip im Ball bzw. mit einer technischen Lösung wie einer Torkamera wird's schon schwieriger. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt . . .
2.
Jule25 01.07.2012
Schafft doch einfach die Linie ab! Ball im Netz = Tor, Ball nicht im netz = kein Tor. Ansonsten gilt was ich immer über Fußball sage: Einfache Menschen erfreuen sich an einfachen Dingen ;-)
3.
Gebetsmühle 01.07.2012
Zitat von sysopChip im Ball oder Mann an der Linie? Die Fronten bei dieser Frage verhärten sich. Kurz vor dem EM-Finale hat sich Uefa-Präsident Michel Platini erneut vehement gegen eine technische Lösung und für Torrichter ausgesprochen. Die Fifa um Chef Joseph Blatter sieht das komplett anders. Uefa-Präsident Platini und Fifa-Boss Blatter streiten über Tortechnik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,841926,00.html)
manchmal glaubt man einfach, man ist im kindergarten. schmeißt endlich diese korrupten blatter und platini raus und führt zukunftstechnologie ein, so wies jede andre sportart auch macht. der fussball ist nicht eigentum von uefa oder fifa.
4. Verstehe, Platini = Fehlentscheidungen sind mir lieber als Technik die sie vermeiden.
spon-facebook-10000073051 01.07.2012
Die Begründung von Platini ist ja wohl voll daneben. Was hat denn ein mögliches Handspiel damit zu tun dass man mit der Technik eindeutig nachweisen kann ob ein Ball nun hinter der Linie war oder nicht.... Ich würde gerne die wahren Gründe für diese komplette Abwehrhaltung erfahren... Weniger Möglichkeiten zur Manipulation fällt mir als Erstes ein. Und das ist schon schlimm das ich als Fußballfan beim Thema "UEFA / FIFA und mehr Technik zur Vermeidung grober Fehlentscheidungen" merkwürdigerweise dies zuerst assoziiere.
5. ja ja....
ja-sager 01.07.2012
Zitat von sysopChip im Ball oder Mann an der Linie? Die Fronten bei dieser Frage verhärten sich. Kurz vor dem EM-Finale hat sich Uefa-Präsident Michel Platini erneut vehement gegen eine technische Lösung und für Torrichter ausgesprochen. Die Fifa um Chef Joseph Blatter sieht das komplett anders. Uefa-Präsident Platini und Fifa-Boss Blatter streiten über Tortechnik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,841926,00.html)
da fragt man sich doch, angesichts der Fehlentscheidungen in der Ukraine, warum der Platini sich so vehement dagegen wehrt....er wird doch nicht?...Nein....nicht der Platini...oder doch?
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