Spanischer Medienunternehmer "Über ein Champions-League-Finale in New York wird schon verhandelt"

Pflichtspiele zu Marketingzwecken ins Ausland verlegen? Spaniens Fußball-Fans protestieren, die Profis sind sich nicht einig. Ein Medienunternehmer hat nun erklärt, dass die Uefa längst ähnliche Pläne hat.

Spieler von Real Madrid feiern Champions-League-Erfolg 2018
Getty Images

Spieler von Real Madrid feiern Champions-League-Erfolg 2018


Es ist eines der großen Reizthemen unter spanischen Fußball-Fans: Seit der Ligaverband LFP angekündigt hat, in Zukunft zu Marketingzwecken regelmäßig ausgewählte Saisonspiele in den USA auszutragen, diskutieren jedoch nicht nur Fans. Auch die Interessenvertretung der spanischen Profifußballer (AFE) hat den Verband zuletzt massiv für dessen Expansionspolitik kritisiert.

Nun hat Medienunternehmer Jaime Roures die Debatte weiter angeheizt. Der einflussreiche Gründer und Vorstandsvorsitzende der Firma Mediapro bestätigte in einer Sendung eines öffentlich-rechtlichen Hörfunksenders in Katalonien, dass aktuell die Möglichkeit ausgelotet würde, ein europäisches Endspiel außerhalb Europas auszutragen. "Es wird darüber verhandelt, ein Champions-League-Finale in New York zu spielen", sagte Roures.

Dass Uefa-Präsident Aleksander Ceferin dieser Idee gegenüber zumindest aufgeschlossen ist, hatte er bereits im Oktober 2016 erklärt: "Um beispielsweise von Portugal nach Aserbaidschan zu kommen, braucht man im Prinzip genauso lange wie bis New York", sagte Ceferin damals. "Für die Fans sei das kein Problem." Der "Süddeutschen Zeitung" gegenüber erklärte der Verband jedoch, die aktuellen Überlegungen seien "sehr informell", man habe derzeit "keine konkreten Pläne".

Girona vs. Barclona als Versuchsballon

Bei den USA-Plänen der spanischen Fußball-Liga hat die Spielergewerkschaft AFE nach eigenen Angaben das letzte Wort. Das hat die Vereinigung nach einem Treffen mit Liga-Präsident Javier Tebas mitgeteilt. La Liga will im Januar 2019 das Spiel zwischen dem FC Girona und dem FC Barcelona in den Vereinigten Staaten austragen. Dagegen hatte sich die Spielergewerkschaft ausgesprochen.

Nun soll die Liga detaillierte Informationen zum Vorhaben zur Verfügung stellen, dann soll im Einvernehmen mit den Spielern eine Entscheidung fallen. Der kleine katalanische Klub Girona hatte sich bereits offen für die neuen Pläne gezeigt und das Spiel als große Möglichkeit bezeichnet.

Reguläre Ligaspiele der großen europäischen Ligen fanden bislang noch nicht im Ausland statt. Italien, Frankreich und Spanien tragen jedoch ihr Supercup-Finale bereits im Ausland aus: Die Vereine AC Mailand und Juventus duellieren sich im Januar 2019 im saudi-arabischen Riyadh. Auch Libyen, China und Katar waren bereits Austragungsorte. Für den französischen Supercup reisten Paris-Saint Germain und AS Monaco in diesem Jahr ins chinesische Shenzhen. Spaniens Supercup fand zuletzt im marokkanischen Tangier statt, der FC Barcelona entschied die Partie gegen Sevilla 2:1 für sich.

Die Bundesliga und die englische Premier League haben sich bislang gegen Pflichtspiele im Ausland ausgesprochen.

chh/dpa



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zauberer2112 11.09.2018
1. Unmöglich!
Sollte die DFL oder gar der FCB auf die Idee kommen, ein Spiel sonst wo (und NUR wegen der Kohle und nicht aufgrund einer Katastrophe) auszutragen, kündige ich umgehend meine fast 25-jährige Mitgliedschaft, werfe alles weg und schaue nie wieder auch nur ein Spiel. So ein Schwachsinn! Und wer fliegt von Portugal nach Aserbaidschan? Wenn Bayern in Wien, Mailand oder London (oder sogar dahoam) spielt, braucht kein Mensch nach New York zu fliegen.
MatthiasPetersbach 11.09.2018
2.
Ist doch gut: Fußball schafft sich ab. Zumindest DER Fussball, der von Id*ten gemanaged bzw. vermarktet wird. Die Zukunft ist dann wie Netflix: Eine belanglose Ansammlung von Unterhaltung, die man eben einschaltet, wenn man entweder aficionado von was ist - oder es einem stinklangweilig ist. Von Belang ist das dann nicht mehr. Es gibt dann auch keine Begründung, warum die ÖR dafür Geld hinlegen sollen. Ok, die gabts - zugegeben - sowieso nie. Aber Fußball lebt - jeden Mittwoch, wenn wir auf dem Platz bolzen und auf auf jedem Campingplatz der Welt, wenn man irgendwo bei Fremden mitspielen möchte. Zum Beispiel. DER Fußball wird nie untergehen. Der "Fußball" von "Fans", Tabellen und Millionen - um den ist es nicht schade.
MatthiasPetersbach 11.09.2018
3.
Ist doch gut: Fußball schafft sich ab. Zumindest DER Fussball, der von Id*ten gemanaged bzw. vermarktet wird. Die Zukunft ist dann wie Netflix: Eine belanglose Ansammlung von Unterhaltung, die man eben einschaltet, wenn man entweder aficionado von was ist - oder es einem stinklangweilig ist. Von Belang ist das dann nicht mehr. Es gibt dann auch keine Begründung, warum die ÖR dafür Geld hinlegen sollen. Ok, die gabts - zugegeben - sowieso nie. Aber Fußball lebt - jeden Mittwoch, wenn wir auf dem Platz bolzen und auf auf jedem Campingplatz der Welt, wenn man irgendwo bei Fremden mitspielen möchte. Zum Beispiel. DER Fußball wird nie untergehen. Der "Fußball" von "Fans", Tabellen und Millionen - um den ist es nicht schade.
kaischek 11.09.2018
4. Na und?
Grundsätzlich habe ich keine Einwände. Lieber New York als die Hauptstadt irgendeines failed state oder eines Despoten. Das Problem dabei ist nur, dass sich unsere UEFA-Funktionäre nach meinem Empfinden von den Halbseidenen kaufen lassen, um Spiele in deren Hinterhof an unattraktive Orte zu verscherbeln. Nehmt nur die attraktiven Städte in demokratisch regierten Ländern (gibt ja nicht mehr soviele) und alles wird gut.
schehksbier 11.09.2018
5. Ein weiteres Zeichen,
daß Fußball nur aus sportlichen Gründen und aus reinem Idealismus gespielt wird! Ich kann sie nicht verstehen, die Miesmacher, welche den Machern und Managern dieses Sports monetäre Interessen unterstellen...
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