Hoeneß im Fußball-Talk Der Uligarch

Noch ein neuer Fußball-Talk, muss das sein? Jörg Wontorras Premiere bei Sky fiel dann doch kurzweiliger aus als gedacht. Weil der Moderator seinen Gast Uli Hoeneß einfach reden ließ.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß
Bongarts/Getty Images

Bayern-Präsident Uli Hoeneß

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Uli Hoeneß gehört zu denjenigen Menschen, die man einfach reden lassen muss. Der Bayern-Präsident ist keiner, der sich lange hinter seinen Worten verstecken kann. So gesehen hat Moderator Jörg Wontorra beim Start seiner neuen Fußball-Talkshow im TV-Sender Sky das meiste richtig gemacht. Auf Saalpublikum zu verzichten, Hoeneß als einzigen Gast einzuladen und ihm dann 90 Minuten Raum zu geben - da fallen dann schon genug Sätze, die man anschließend an die Nachrichtenagenturen weiterreichen kann. Und die darüber hinaus so einiges über Uli Hoeneß verraten.

Wontorra, mittlerweile 68 Jahre alt und nach einer Auszeit von einem guten Jahr zurück im Fußball-Talk, spricht mit Uli Hoeneß, 65. Und wenn beide bedauern, dass die Spieler früher mehr Spaß hatten und dass Journalisten nicht mehr mit den Spielern ein Bier trinken gehen können, dann rieselt es schon ein wenig beim Altmänner-Fernsehen. Das tut es ebenfalls, wenn Hoeneß den Abgang von Kaderplaner Michael Reschke (59) und die Verpflichtung von Sportdirektor Hasan Salihamidzic (40) in einen Zusammenhang bringt, indem er sagt: "Es wäre nicht gut gewesen, wenn ein 40-Jähriger der Chef eines 59-Jährigen wird."

Natürlich redet Hoeneß auch vom Festgeldkonto, und sein Befrager Wontorra bringt immer wieder den "heutigen Transferwahnsinn" aufs Tapet. Dennoch versinkt die Sendung nur momentweise in weinseliger Stammtischromantik, dazwischen lässt Hoeneß immer wieder mal aufmerken. Dass Philipp Lahm nicht Bayern-Sportdirektor wurde, erfährt man, hat nicht nur mit dem ehemaligen Bayern-Kapitän selbst zu tun. "Dann hätten wir auch seinen Berater einkaufen müssen, den haben wir nicht so gerne."

Hoeneß nennt Salihamidzic die "Königslösung"

So ist es jetzt der unerfahrene Salihamidzic geworden, den Hoeneß als "Königslösung" hochlobt: "Der hat in 14 Tagen jetzt intern schon öfter dazwischengehauen als Matthias Sammer in einem ganzen Jahr." Das kann man sich zwar kaum vorstellen, aber Sammer wird es interessiert zur Kenntnis genommen haben.

Der Bayern-Präsident plaudert weiter aus, dass seine alternden Offensivstars Arjen Robben oder Franck Ribéry trotz ihres fortgeschrittenen Alters immer Stammplatzansprüche anmelden dürfen: "Sonst sind die stocksauer, und die Stimmung an der Säbener Straße ist dann nicht so gut." Und: "Die Stimmung ist das Wichtigste im Verein."

Die 222 Millionen Transfer-Euro für Neymar mäandern als rote Linie durch die Sendung, für Hoeneß eine gute Vorlage, um im Gegensatz den "Bayern-München-Way-of-Life" zu preisen: "Die Wärme, die Familie - das ist die Antwort des FC Bayern auf die Neymars und Dembélés dieser Welt." Der zu Juventus Turin abgewanderte Spieler Douglas Costa hatte davon offenbar zu wenig, von dieser Wärme. "Der hat keine Leistung gebracht und wollte dennoch mehr Geld. Da haben wir gesehen, dass wir ihn schnell wieder loswerden."

Keine Ausstiegsklausel in den Verträgen

Ohnehin rate er anderen Vereinen, Spielern viel weniger Einfluss einzuräumen. So gebe es bei den Münchnern keinen einzigen Akteur, der eine Ausstiegsklausel im Vertrag stehen habe. "Wenn der FC Bayern entscheidet, dass ein Spieler zu bleiben hat, dann hat er zu bleiben."

Neymar hätte Hoeneß auch für weniger Geld nicht verpflichtet, "der ist gar nicht so gut". Und überhaupt sei bei manchen Klubs mittlerweile das "Spiel ohne Grenzen" angesagt, das mache der FC Bayern nicht mit. Ein paar Minuten zuvor hatte er allerdings die Chinareisen der Münchner noch vehement verteidigt: "Der FC Bayern ist ein Fußballsportunternehmen, und man muss Sport, Merchandising und Marketing miteinander vereinbaren." Das müsse "auch der Trainer noch lernen". Daher sei die Asienreise, auf der der FC Bayern bei seinen Testspielen sportlich wenig überzeugte, "aus Marketingsicht großartig" gewesen.

Seit 1979 ist Hoeneß dem FC Bayern als Manager und Präsident verbunden, rechnet man die Unterbrechung durch seine Haftzeit mit ein, sind das 38 Jahre. Für ihn ist das kein Problem: "Wenn Trump mit 70 Jahren noch das mächtigste Amt der Welt antritt, kann ich das doch wohl auch noch mit 65 beim FC Bayern machen." Schließlich gehe es darum, die Nachfolge in aller Ruhe "mit unserer Hilfe" zu regeln: "Und das macht man nicht eben so nebenbei und schnell, schnell."

Ein Nachfolger würde in jedem Fall von ihm und Vorstand Karl-Heinz Rummenigge eingearbeitet. Denn: "Für jeden ist es doch ein Riesen-Glücksfall, mit mir oder Karl-Heinz zusammenarbeiten zu dürfen."

(Wontorra. Der Fußballtalk. Sonntags, 10.45 Uhr, Sky)



insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
wolke:sieben 13.08.2017
1. Gäbe es doch
....mehr U. H . in der Bundesliga, dann wäre die Bundesliga die Liga Nr. 1 weltweit !!
spon_2502913 13.08.2017
2. Auf
beide kann die Fussballwelt verzichten
cs-hh 13.08.2017
3. Der Esel nennt sich immer zuerst
"... mit mir oder Karl-Heinz zusammenarbeiten zu dürfen." Auch sonst sind die Aussagen sehr bezeichnend. Wer Hoeneß nicht bedingungslos Kadavergehorsam gegenüber an den Tag legt, ist für die Idylle an der Säbener Straße ungeeignet. Bei allen unstrittigen Verdiensten von Hoeneß am Verein und dessen Position in Europa scheint man beim FC Bayern im Vorstand und Aufsichtsrat gerade den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel auf sämtlichen Ebenen zu verpassen (Sportmanager, Ribery, Robben, Vorstand). Schlecht für die Bayern, gut für die Konkurrenz.
benedetto089 13.08.2017
4.
Habs gesehen. Verlogen, Unglaubwürdig und Selbstherrlich. Bayern hat sich keinen Gefallen getan Hoeneß zurück ins operative Geschäft zu lassen. Nicht wegen seiner Steuerhinterziehung, sondern seinen Altherrenmethoden, die vorgestern erfolgreich waren, heute aber nicht mehr zeitgemäß sind.
womo88 13.08.2017
5. Wahnvorstellungen!
"Für jeden ist es doch ein Riesen-Glücksfall, mit mir oder Karl-Heinz zusammenarbeiten zu dürfen." - Uli Hoeneß muss Wahnvorstellungen haben. Er war ja auch der Meinung, dass man ihn bei den hinterzogenen 27 Mio. Steuern eigentlich hätte freisprechen müssen. Mit Putin wollte er ja auch mal einen Deal machen, was man so gelesen hat. Das erinnert mich irgendwie an so einen Blondschopf namenes DONALD aus den USA. Der ist ja auch völlig verpeilt.
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