Zukunftspläne von Uli Hoeneß Der Chef ist wieder da

Uli Hoeneß kommt vorzeitig aus dem Gefängnis frei, aber wie geht es für ihn weiter? Beim FC Bayern ist er als Jugendkoordinator seit einem Jahr still und leise wieder aktiv. Ein Comeback als Präsident wird der 64-Jährige nicht forcieren - aber auch nicht ablehnen.

Von Christoph Leischwitz, München


Anfang März steht in der Bundesliga eine englische Woche an. Am Abend des 2. März, an einem Mittwoch, empfängt der FC Bayern München den FSV Mainz 05, drei Tage später steigt das Spitzenspiel bei Borussia Dortmund. Für den alten Uli Hoeneß, den noch nicht als Steuersünder verurteilten, wortgewaltigen Zampano des Vereins, wäre das die perfekte Woche gewesen, um das Rampenlicht zu suchen.

Diesmal wird es in der Gipfelwoche still zugehen. Denn auch wenn der Ex-Präsident des Rekordmeisters dann nicht mehr im Gefängnis sitzt: Es bedeutet nicht, dass der mittlerweile 64-jährige Hoeneß dann schon wieder der Alte sein wird.

Als die Entscheidung der Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg am Montag bekannt gegeben wurde, lief sie in den Medien meist in der Sparte Vermischtes, in den Sportteilen wurde sie zunächst kaum behandelt. Hoeneß hat es in den vergangenen zwei Jahren geschafft, seine persönliche Steueraffäre strikt vom FC Bayern zu entkoppeln, obwohl er seit einem Jahr ein Büro in der Geschäftsstelle an der Säbener Straße hat. Das soll, das muss so bleiben, weshalb Hoeneß sich so lange im Hintergrund halten wird, bis absolut sicher ist: Seine Rückkehr auf die große Bühne schadet dem Verein nicht.

Keine Strafminderung, dafür Strafmilderung

Die sogenannte Halbstrafe von 21 statt 42 Monaten hat Hoeneß bekommen, weil er sich als Musterschüler in Sachen Resozialisierung präsentierte. Er habe sich im Gefängnis gut integriert und sich auch als Freigänger immer korrekt verhalten, außerdem Zahlungen von "mindestens 43 Millionen Euro" geleistet, heißt es in der Begründung. Und: Sein "sozialer Empfangsraum" stelle sich als "günstig" dar, heißt es weiterhin. Damit ist das private wie auch das berufliche Umfeld gemeint. Indirekt verhilft ihm der FC Bayern also zu einer Verkürzung der Haftstrafe.

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Comeback-Szenario

Braucht Bayern München den Präsidenten Uli Hoeneß?

Dass Hoeneß nun so ungewöhnlich früh freikommt, dürfte weniger mit einem Promi-Bonus zu tun haben oder damit, dass es am Landgericht Augsburg so viele FC-Bayern-Fans gibt. Schon eher damit, dass Hoeneß in den vergangenen zwei Jahren besonnen vorgegangen ist. So war es etwa noch bei seiner Verurteilung von vielen als persönliche Niederlage eingestuft worden, dass ihm seine Selbstanzeige keine Strafmilderung eingebracht hatte. Nun hat sie sich doch ausgezahlt, sie hat nämlich zur Strafminderung beigetragen.

Es ist dieses langfristige, taktische Denken, mit dem Hoeneß den FC Bayern groß gemacht hat. Und er hatte ja schon bei seinem Rücktritt vom Präsidentenamt im Mai 2014 unter dem Applaus der Mitglieder gesagt: "Das war's noch nicht." Doch er hat es nach wie vor nicht eilig, er wird auch jetzt besonnen vorgehen.

Hoeneß arbeitet an seinem Vermächtnis

Die Haftstrafe hat Hoeneß verändert. Beobachter berichten, er sei nachdenklicher und ruhiger geworden. Doch sie hat dem Verein nicht geschadet: In der Zwischenzeit sind neue strategische Partner hinzugekommen, auch die Nachfolge von Trainer Josep Guardiola wurde zur allgemeinen Zufriedenheit geklärt. Dabei ist es sehr gut möglich, dass Hoeneß maßgeblich zur Entscheidung beigetragen hat, Carlo Ancelotti nach München zu lotsen. Doch gerade, weil er dies auch aus dem Hintergrund tun kann, braucht er im Moment das Rampenlicht noch nicht.

Menschen, die regelmäßig mit Hoeneß sprechen, berichten von seiner Begeisterung und seiner Liebe zum Detail, mit der er sich der Arbeit des Jugendkoordinators hingegeben hat. In diesem Bereich hat der FC Bayern plötzlich auch Großes vor. Bis 2017 wird im Norden Münchens für rund 70 Millionen Euro ein neues Leistungszentrum gebaut. Personell befindet sich die Nachwuchsabteilung bereits im Umbruch. Ziel ist es, dass sich der Verein nicht mehr allein über seine eingekauften Stars definiert, sondern sich auf seine Wurzeln besinnt. Insofern arbeitet Hoeneß an einem langfristigen Vermächtnis.

Ob der FC Bayern Hoeneß wieder zum Präsidenten macht, ist dem Vernehmen nach noch nicht entschieden, gilt mittelfristig aber als wahrscheinlich. Selbst aktiv werden muss Hoeneß dabei nicht, man wird ihn bald ohnehin bitten. Wer sich im Verein umhört, weiß, dass früher oder später ein Comeback der Leitfigur folgen wird, spätestens dann, wenn der Großteil der Mitglieder nach ihm ruft. Ablehnen wird Hoeneß dann wohl nicht.



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