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Hoeneß und der Aufsichtsrat: Moral? Eigentor!

Ein Kommentar von

DPA

Der FC Bayern München ist wirtschaftlich stark wie nie und sportlich auf dem Weg zum historischen Triple. Leider gibt es da noch die Affäre Hoeneß und eine höchst umstrittene Aufsichtsratsentscheidung. Das Kontrollgremium will im Interesse des Vereins handeln - und hat das Gegenteil erreicht.

Es passt perfekt zum gewohnten Selbstbild der Bayern, dass sie anno 2013 nicht mehr nur der finanzstärkste Bundesliga-Club sind, sondern Vorbild im größtmöglichen Maßstab. Die gesamte europäische Fußballkonkurrenz blickt voller Bewunderung und Neid auf das solide wirtschaftliche Fundament, auf die jährlichen Umsatzrekorde, auf die in naher Zukunft abbezahlte Arena. Wirtschaftlich ist der Club Weltspitze.

Aber da ist noch etwas anderes: Mittlerweile verfügt der Verein nicht nur über ein prall gefülltes Festgeldkonto, sondern auch über eine so junge wie talentierte wie spielstarke Mannschaft, die national wie international in den nächsten Jahren Titel um Titel gewinnen kann - und darüber hinaus auch noch irgendwie sympathisch ist. Eine historisch seltene Konstellation, viele sehen in dem Club den besseren FC Barcelona. Ein Image wie ein Lottogewinn.

Dieses Image ist seit Montagabend stark beschädigt.

Verantwortlich dafür ist kein Spieler, kein Trainer, kein sportlicher Leiter. Das Image des FC Bayern München haben neun Herren beschädigt, die eigentlich dem Wohle des Clubs dienen sollen: der Aufsichtsrat der FC Bayern AG.

Einstimmige Ablehnung

Am Montagnachmittag traf sich dieser Aufsichtsrat, um über Uli Hoeneß zu reden, der ihr Vorsitzender ist, Bayern-Präsident und Steuersünder. Zur Erinnerung: Hoeneß hat sich vor Wochen selbst angezeigt, er hat damit eingeräumt, Geld nicht versteuert zu haben. Steuerbetrug ist eine kriminelle Handlung. Wie und ob Hoeneß nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bestraft wird, ist für seine moralische Schuld unerheblich. Die steht fest.

Hoeneß, so stand es danach in der Pressemitteilung des Clubs, tat im Verlauf der Sitzung das, was man als Chef eines Unternehmens mit knapp 400 Millionen Euro Umsatz mindestens tun sollte: Er entschuldigte sich - und bot an, das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden ruhen zu lassen, "bis die zuständigen Behörden über die strafbefreiende Wirkung seiner Selbstanzeige entschieden haben". Wenn man der Pressemitteilung glaubt, wollte Hoeneß zum Wohle des Vereins handeln.

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Verein der Konzernbosse: Bayern Münchens Aufsichtsrat
Nur der Aufsichtsrat handelte nicht, wie man es vom Aufsichtsrat eines Unternehmens mit knapp 400 Millionen Euro Umsatz erwarten würde, und schon gar nicht zum Wohle des Vereins. Er lehnte das Angebot einvernehmlich ab - und sendet damit gleich mehrere fatale Signale aus:

  • Offenbar legen die Wirtschaftsführer im Bayern-Aufsichtsrat, darunter Adidas-Chef Herbert Hainer oder VW-Chef Martin Winterkorn, für die Bayern AG keine großen moralischen Maßstäbe an saubere Unternehmensführung an, die sie in ihren eigenen Konzernen so hochhalten. Wie anders ist zu erklären, dass sie im Fall der Bayern jegliche Sensibilität für Compliance-Regeln außer Acht gelassen haben?
  • Offenbar zählt sportlicher Erfolg mehr als die moralische Integrität an der Spitze des Clubs. Wie anders ist zu erklären, dass der Aufsichtsrat seine Entscheidung pro Hoeneß mit der "Konzentration auf das Erreichen der weiteren sportlichen Ziele" begründet?
  • Offenbar ist der Fußball wirklich wie das Leben - der anderen. Denn wie sonst will man dem normalen Steuerzahler und Fußballfan die Entscheidung pro Hoeneß erklären?

Die Entscheidung, Uli Hoeneß' Angebot nicht anzunehmen, ist deshalb alles andere als "im Interesse des FC Bayern", wie es die Pressemitteilung insinuieren will. Denn es ist eine Illusion, bis nach den Finals Ruhe zu haben, wenn man nur alles so ließe, wie es ist. Das Gegenteil ist der Fall. Ausgerechnet in die heiße Phase einer womöglich historischen Saison fällt nun die Diskussion darüber, ob das höchste Kontrollgremium des Clubs moralisch kompromittiert ist. Und was das für die Glaubwürdigkeit des FC Bayern bedeutet.

Die Bayern waren immer nur geliebt oder nur verhasst, es gab nie ein dazwischen. Sie haben diese exklusive Rolle seit Jahrzehnten in München mit dem clubeigenen Selbstverständnis kultiviert. Arroganz war das für die einen, Selbstbewusstsein für die anderen. Die Schnittmenge zwischen Freund und Feind war immer gleich: der Respekt für die Professionalität der Führung.

Auch den hat der Aufsichtsrat erst mal verspielt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 527 Beiträge
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1. Bissige Kommentare
chr67 07.05.2013
Nur kein Neid aus Norddeutschland!
2. Genau
Wunderläufer 07.05.2013
Wenn man sich anschaut, welche Firmen im Aufsichtsrat vertreten sind, so ist diese Entscheidung eine moralische Bankrotterklärung
3. Erklärung Pro Hoeneß: Ganz einfach
larry_lustig 07.05.2013
Hoeneß hat die BRD geschädigt und nicht den FC Bayern, den er in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreichen gemacht hat. (als Angestellter von Thyssen-Krupp, werde ich auch nicht für Widerstand gegen die Staatsgewalt gefeuert) Falls er ins Gefängnis wandert und daher seinen Job nicht mehr machen kann, sieht das wohl anders aus. Warum sind denn die Politiker, die unsere Steuergelder teils wohl vorsätzlich verschwenden noch frei? (in der EU gibt es so viele, für die Elbphilahomie, für BER, für den Hockenheimring
4. ich freu mich
sharlak 07.05.2013
auf den nächsten "Kneipenterroristen" der in der "Pinte" meiner Wahl arrogant über die Korruption und den Klüngel der Südländer schwadroniert.
5. Autor falsch informiert..
Jimba 07.05.2013
Der Autor behauptet diese Entscheidung wäre einstimmig, was leider gelogen ist. Ein Blick in die Pressemitteilung des FCB offenbart, dass die Entscheidung "einvernehmlich" getroffen wurde. Ein himmelweiter Unterschied... aber es passt einfach gut in den Zeitgeist alles was irgendwie mit Hoeneß oder dem FCB zu tun hat nieder zu machen, nicht wahr lieber Kommentator?
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