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Bayern-Pleite bei Hoeneß-Rückkehr: Mehr als ein schlechter Tag

Aus München berichtet Christoph Leischwitz

REUTERS

Die Rückkehr von Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß endet mit der ersten Heimpleite der Saison. Dabei zeigte der Rekordmeister ungeahnte Schwächen. Das Titelrennen ist wieder offen.

Lange vor dem Schlusspfiff die Münchner Arena verlassen - das ist für viele Fans zur Routine geworden. Das Spiel ist meist bereits früh zugunsten des FC Bayern entschieden, und der Stau auf den Autobahnzubringern ist noch vermeidbar. Auch gegen Mainz 05 am Mittwochabend verließen viele die Partie vorzeitig.

Das hatte diesmal einen anderen Grund: In der 86. Minute erzielten die Gäste durch Jhon Córdoba das 2:1. Sekunden später verließen Tausende Fans das Stadion. In der Nachspielzeit waren dann vereinzelt sogar Pfiffe zu hören, während die Gästefans feierten und sich die Mainzer Spieler auf dem Rasen in den Armen lagen.

Der FC Bayern hatte tatsächlich ein Heimspiel verloren, zum ersten Mal seit einem unbedeutenden 0:1 gegen den FC Augsburg im Mai 2015, als der Verein bereits Meister war. In dieser Saison hätte es kaum einen schlechteren Zeitpunkt geben können: Verfolger Borussia Dortmund erwartet am Samstagabend (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nun die plötzlich verwundbaren Bayern. Beide Teams trennen nur noch fünf Punkte voneinander.

Hoeneß-Rückkehr startet mit Pleite

Ex-Präsident Uli Hoeneß dürfte die Partie kaum genossen haben. Dabei hatte er genau das angekündigt in seinem ersten Interview nach der Freilassung aus der JVA Landsberg am vergangenen Montag. Der "Bild"-Zeitung hatte der verurteilte Steuerhinterzieher gesagt, er käme als Privatmann ins Stadion, um Fußball zu genießen, auch als Freigänger war ihm der Besuch der Arena untersagt gewesen.

"Willkommen zu Hause, Uli", hatte der FC Bayern während der ersten Halbzeit erfreut getwittert. Dass die Mannschaft ausgerechnet dieses Spiel verlor, zu dem Hoeneß nach 662 Tagen Abwesenheit wieder in seinem "Wohnzimmer" sitzen konnte, ist für den Verein eine große Enttäuschung.

Hoeneß betrat 16 Minuten vor dem Anpfiff zusammen mit seiner Frau Susi die Arena. Viele Freunde umarmten ihn herzlich, in der Südkurve war ein Banner mit dem Satz "Uli, du bist der Beste" zu lesen. Und als die Mannschaften einliefen, da hatten die Fotografen auf dem Feld ausnahmsweise keinen Blick für Bayern-Trainer Josep Guardiola.

Vielmehr richteten sie ihre Objektive über Guardiolas Kopf hinweg auf den Mittelrang der Haupttribüne, wo Hoeneß mit seiner Frau, seinem Bruder Dieter sowie dem Chef von Adidas, Herbert Hainer, Platz genommen hatte. Hoeneß' Anwesenheit sorgte dafür, dass die Stimmung in der Arena vor dem Spiel deutlich besser war als danach.

Nicht mehr so gefährlich im eigenen Stadion

Die Partie selbst hatte aus Sicht der Heimfans nur selten mitgerissen. Die Überlegenheit der Bayern hatte sich in Grenzen gehalten, weil man es in über 70 Minuten, in denen man in Ballbesitz war, gerade einmal auf 16 Torschüsse gebracht hatte - und nur wenige davon waren gefährlich.

"So wie Mainz gespielt hat, ist es kein unglückliches Ergebnis, sondern vielleicht auch eine verdiente Niederlage", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Auch die Spieler gaben sich kleinlaut. "Das war zu wenig heute", fand Angreifer Robert Lewandowski. Beim ersten Gegentor sei "einiges schief gegangen", sagte Arjen Robben. Der Flügelstürmer hatte zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen (64.). Mainz war nach 26 Minuten mit der ersten guten Konterchance dank Jairo in Führung gegangen.

Lange hatten die Bayern darauf keine Antwort gefunden. Und das, obwohl Trainer Guardiola auch diesmal viele taktische Kniffe ausprobierte. "Wir haben es dann mit fünf Stürmern probiert", sagte er, aber auch das half nicht gegen die geschickt verteidigenden Mainzer.

Die Gäste hatten das nötige Glück und profitierten von ihrer Effizienz. Gleichzeitig hatte Bayern aber nicht einfach nur "keinen guten Tag", wie Rummenigge es nannte. Mainz hat vielmehr einen Münchner Trend auf die Spitze getrieben: Guardiolas Mannschaft ist nämlich schon eine ganze Weile im eigenen Stadion nicht mehr so gefährlich wie einst. Während die Bayern in der Hinrunde oft vier oder fünf Tore schossen, müht man sich in der Rückrunde zu einem 2:0 gegen 1899 Hoffenheim oder zu einem 3:1 gegen Darmstadt, bei dem man ebenfalls zunächst in Rückstand geraten war.

Deshalb könnte es für Bayern-Fans nötig werden, in Zukunft häufiger bis zum Schlusspfiff im Stadion zu bleiben.

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insgesamt 45 Beiträge
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1.
Freidenker10 03.03.2016
Ich bin wahrlich KEIN Bayernfan und drücke auch Dortmund im sinne einer spannenden Meisterschaft die Daumen, aber ich wünsche auch Uli Hoeness alles Gute auf seinem Weg zurück ins Leben! Man sieht ihm seine harte Zeit ziemlich deutlich an. Er sollte sich erstmal erholen und dann in welcher Funktion auch immer zurückkehren!
2. Ich kann wirklich
eisbaerchen 03.03.2016
nicht behaupten, dass mich diese Niederlage ärgert..;-)
3. Entgegen den bisherigen Superlativen
Eppelein von Gailingen 03.03.2016
Der FC Bayern im Durchmarsch in der Bundesliga, wer soll die Mannschaft noch bezwingen? Dann kommt die Ex-Mannschaft von Tuchel, und schon haben die Bayern den Salat. Ausgerechnet in Dortmund. Und das, obwohl die Leistungsträger Robben, Ribéry dabei sind. Dafür fehlt es gewaltig in der Abwehr. Ist Guardiola, der Wundertrainer, doch nicht ganz sein Geld wert? Er hat zwar Ideen, aber kocht auch nur mit Wasser. Peng....
4. Schlusspfiff?
Turbo 03.03.2016
Lange vor dem Schlusspfiff verlassen die Fans in der Regel das Stadion? So beginnt der Arikel schonmal mit einer Fehlinformation. In welchen Spielen sitzt der Autor vor Ort? Audi Cup?
5. Gut, daß Pep Guardiola
derblaueplanet 03.03.2016
bald weg, und Uli Hoeneß wieder da ist!
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