Ancelotti-Aus bei Bayern Stil kann man nicht lernen

Uli Hoeneß hat Trainer Carlo Ancelotti nach der Trennung noch unschöne Worte nachgerufen. Das ist die alte Hoeneß-Methode, und sie zeigt vor allem eines: Grandezza ist ein italienisches Wort. Kein bayerisches.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß
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Bayern-Präsident Uli Hoeneß

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"Ja, es gab interne Probleme, es lag nicht nur an der Niederlage von Paris, aber Sie werden sicher Verständnis dafür haben, dass wir die Einzelheiten für uns behalten und im inneren Kreis klären."

So hätte man sich das gut vorstellen können, Nachfragen zur Trennung des FC Bayern von Trainer Carlo Ancelotti abzumoderieren. Höflich, dennoch einigermaßen transparent zugebend, dass es Schwierigkeiten zwischen Klub und Trainer gab, professionell.

Und dann gibt es die Art, wie Uli Hoeneß das macht.

Der Bayern-Präsident, der das Wort Anstand so gerne im Munde führt, teilte noch am Tag der Beurlaubung mit, dass Ancelotti es sich mit fünf Spielern im Team verdorben habe, er sprach vom "Feind im eigenen Bett" und ließ insgesamt den Eindruck aufkommen, der Italiener sei mehr oder weniger ein sturer, beratungsresistenter, alter Mann, unfähig, mit dem fußballerischen Feinkost-Personal, das sich ansonsten leicht in jedes Champions-League-Finale vorgekickt hätte, adäquat umzugehen.

Klinsmann, van Gaal, Ancelotti - das gleiche Muster

Es ist die klassische Hoeneß-Methode, er wendet sie regelmäßig an. Wenn die Bayern und ein Trainer vorzeitig voneinander scheiden, ist immer nur der Trainer schuld. Der Verein nie. So war es bei Jürgen Klinsmann, den Hoeneß nachtretend als esoterisch angehauchten Anfänger darstellte, ein Image, das der frühere DFB-Teamchef bis heute nicht mehr losgeworden ist. So war es bei Louis van Gaal, dem Hoeneß Eigenmächtigkeiten vorwarf, fehlende Einsicht, irrationale Entscheidungen. Dass van Gaal einen Torwartwechsel im Team durchsetzte, kommentierte Hoeneß im Nachhinein: "Damit ging die ganze Scheiße los."

Und am Ende steht immer die Maxime: "Wir mussten handeln." Dann ist es natürlich alternativlos. Dann kann man es auch nicht kritisieren.

Als Philipp Lahm nicht Bayern-Sportdirektor werden wollte, kommentierte Hoeneß dies mit abfälligen Bemerkungen über dessen Berater, und den Stürmer Douglas Costa, der die Bayern Richtung Italien verlassen hatte, denunzierte er als geldgierigen Profi, der keine Leistung gezeigt habe. Es sind immer die anderen, es ist nie der FC Bayern, und es ist vor allem nie Uli Hoeneß.

Befeuert wird diese Haltung von einem medialen Umfeld, das der Bayern-Spitze seit vielen Jahren Honig ums Maul schmiert. Auch in der Causa Ancelotti lautete die klare Mehrheitsmeinung, dass der Bayern-Vorstand alles richtig gemacht habe. Mit dem durchaus nachvollziehbaren Kalkül des Berichterstatters, es sich lieber nicht mit denen zu verderben, denen man noch Jahre regelmäßig Tag für Tag an der Säbener Straße begegnet. Der Trainer ist ohnehin weg, in Italien, in England oder sonst wo. Hoeneß und Rummenigge sind immer noch da. So fällt es dem Verein sehr leicht, die Deutungshoheit über die Vorfälle zu behalten.

Für Ancelotti war es eine Ehre

Wer einen Trainer im Nachhinein als eine Art Fehlgriff darstellt, der hat vor allem eines vergessen: Der Fehlgriff fällt auf denjenigen zurück, der fehlgreift. Das ist der Verein, nicht der Coach.

Hoeneß führt den FC Bayern mehr oder minder seit 1979, seitdem ist viel passiert. Helmut Schmidt ist zum Beispiel nicht mehr Bundeskanzler. Aber Hoeneß, so scheint es, hat sich nicht verändert, seine Art zu führen, ist die von vor Jahrzehnten - ausgerechnet bei dem, der so stolz darauf ist, dass er alle wichtigen Veränderungen des Fußballs erspürt und erfolgreich mitgegangen ist. Aber geblieben ist vor allem sein Stil, mit denen umzugehen, die dem FC Bayern aus welchen Gründen auch immer den Rücken kehren.

Carlo Ancelotti hat sich am Donnerstagabend, Stunden nach seiner Beurlaubung, ebenfalls zu Wort gemeldet. Er twitterte: "Es war eine Ehre, Teil der Geschichte der Bayern zu sein. Danke an den Klub, die Spieler und die grandiosen Fans. Ciao #MiaSanMia". Grandezza ist ein italienisches Wort. Kein bayerisches.



insgesamt 184 Beiträge
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Seite 1
womo88 29.09.2017
1. Genauso ist es!
Danke für diesen Beitrag!
steulich 29.09.2017
2. Na und?
Offensichtlich hat Ancelotti keine professionelle Leistung erbracht. Bei dem Gehalt muss man sich in dieser Liga evtl. auch Kritik gefallen lassen, meiner Meinung nach zurecht.
spon_2937981 29.09.2017
3.
Zitat aus dem Artikel: '[...]So war es bei Jürgen Klinsmann, den Hoeneß nachtretend als esoterisch angehauchten Anfänger darstellte, ein Image, das der frühere DFB-Teamchef bis heute nicht mehr losgeworden ist. So war es bei Louis van Gaal, dem Hoeneß Eigenmächtigkeiten vorwarf, fehlende Einsicht, irrationale Entscheidungen. Dass Van Gaal einen Torwartwechsel im Team durchsetzte, kommentierte Hoeneß im Nachhinein: "Damit ging die ganze Scheiße los."[...] Als Philipp Lahm nicht Bayern-Sportdirektor werden wollte, kommentierte Hoeneß dies mit abfälligen Bemerkungen über dessen Berater, und den Stürmer Douglas Costa, der die Bayern Richtung Italien verlassen hatte, denunzierte er als geldgierigen Profi, der keine Leistung gezeigt habe.[...]' Und mit all diesen Analysen und Meinungen hatte und hat Hoeneß recht! OK, er hätte es diplomatisch verschweigen können, Grandezza und so. Und er hätte sagen können 'Sorry, mein Fehler, dass ich nicht vor der Verpflichtung erkannt habe, was für ein Armleuchter das ist.' (Nein, natürlich nur ein Scherz. Aber der geneigte Autor, Hr. Ahrens, würde bestimmt in ähnlicher Manier Asche über sein Haupt streuen...) Ja klar, Grandezza... und wie hält man es z.B. bei den geliebten Dortmundern so mit der Grandezza?
imernst2015 29.09.2017
4. Absehbarer Absturz
Ancelotti's Abgang wird die Probleme bei Bayern nicht lösen. Auch der neue Trainer wird bei Bayern keine Wunder bewirken. Die Kaderstärke hat in den letzten Jahren schwer abgebaut, und die Konkurrenz hingegen hat massiv aufgerüstet - die spanischen Giganten waren ohnehin 1-2 Klassen besser als Bayern. Hoeneß hat gesagt dass sie den Wahnsinn auf dem Transfermarkt nicht mitmachen, dementsprechend muss man die eigenen Ansprüche anpassen: die CL Quali und die Teilnahme am Achtelfinale CL sollten fortan die hochgesteckten Ziele sein.
comfortzone 29.09.2017
5. okay einverstanden
das war nicht gerade nobel von Uli. Immerhin hat er erkannt dass akuter Handlungsbedarf bestand. Ancelotti ist keinen Tag zu früh beurlaubt worden. Wäre es so weitergegangen hätte er das Ding vollständig an die Wand gefahren. Die Mannschaft war praktisch "tot" - ohne taktisches Konzept, planlos und zum Schluss auch kopflos.
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