Uli Hoeneß im Faktencheck War Özil bei Arsenal wirklich nur Ersatzspieler?

Zwei Stunden hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei Sky gesprochen. Über Mesut Özil, Investoren, den Transfermarkt und Gewinne im Fußball. Fünf Aussagen im Faktencheck.

Uli Hoeneß
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Uli Hoeneß hat in den vergangenen 40 Jahren mit kontroversen Aussagen häufig wichtige Diskussionen angestoßen. Mittlerweile blickt der Präsident des FC Bayern München eher irritiert auf den modernen Fußball und scheint sich nicht mehr wohlzufühlen. Beim zweistündigen Auftritt in der Sky-Talkshow "Wontorra" echauffierte sich Hoeneß beispielsweise über Spieler seiner Bayern, die nach dem verlorenen Pokalfinale im vergangenen Mai noch in der Kabine getwittert hätten. "Das macht mich wahnsinnig."

In zwei Stunden kann man viel erzählen, was Applaus einbringt. Wir dokumentieren die wichtigsten Aussagen - und überprüfen sie auf ihren Wahrheitsgehalt.

Mesut Özil
AFP

Mesut Özil

Hoeneß über Mesut Özil: Ich beobachte den Spieler schon lange. Er ist ein gut vermarktetes Produkt von seiner Agentur, die ihn viel besser darstellt, als er eigentlich ist. Der einzige große Vorwurf, den ich Joachim Löw mache, ist der: Wäre er öfter nach London zu Spielen von Arsenal gefahren und hätte ihn sich vor Ort angeschaut, dann hätte er ihn wahrscheinlich aus sportlichen Gründen nicht mit zur WM genommen. [...] Seit der EM sitzt Özil ständig auf der Ersatzbank oder wurde wegen mangelnder Leistung ausgetauscht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hoeneß sich nach der WM 2018 über Mesut Özil geäußert hat. Der "Sport-Bild" hatte er im Juli gesagt, Özil habe "seit Jahren einen Dreck gespielt". Auf dieses Niveau verzichtete Hoeneß diesmal, aber er degradiert den Spielmacher der Nationalmannschaft zu einem Ersatzspieler beim FC Arsenal.

Tatsächlich machte Özil in der Saison 2016/2017 von 38 Spielen in der Premier League 25 über die volle Distanz, siebenmal wurde er nach der 70. Minute aus- sowie einmal eingewechselt und fünfmal stand Özil nicht im Kader. In der vergangenen Saison verpasste Özil verletzungsbedingt zwölf Spiele, ansonsten wurde er zweimal eingewechselt und spielte in 22 Partien je 90 Minuten. In den zwei Jahren bereitete Özil insgesamt 17 Tore vor und legte im Durchschnitt 3,1 Torschüsse pro Spiel auf. In dieser Kategorie war kein Spieler der Premier League besser.

Hoeneß über nationale und internationale Gegner: Wir waren dafür, die 50+1-Regelung abzuschaffen. Wir möchten den anderen Vereinen die Möglichkeit geben, sich wirtschaftlich zu verbessern. [...] Wenn du am Wochenende nicht gefordert bist, wird es unter der Woche gegen starke Vereine aus Europa schwierig. [...] Wir spielen auf dem Transfermarkt nicht mehr gegen Vereine sondern gegen Staaten. Jetzt spielen wir gegen FC Katar, FC Abu Dhabi, FC Shanghai, FC Beijing.

Der 66-Jährige widerspricht sich selbst. Für die Bundesliga fordert Hoeneß den Einstieg von Investoren, Klubs wie Manchester City (Hoeneß-Übersetzung: FC Abu Dhabi) oder Paris Saint-Germain (Hoeneß-Übersetzung: FC Katar) kritisiert er jedoch für ihre finanziellen Möglichkeiten. Was in Deutschland passieren würde, sollte die 50+1-Regel abgeschafft werden, ist dagegen schwer zu prognostizieren.

Arjen Robben (r.) und Franck Ribéry
PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Arjen Robben (r.) und Franck Ribéry

Hoeneß über den Transfermarkt: Ich verstehe manchmal die ganze Welt nicht. Einerseits fordern sie große Stars für 100 Millionen Euro. Dann sagen sie, bei dem Kader gibt es doch Probleme mit den Stars. Wenn wir jetzt drei Topstars gekauft hätten, würden sich diese Probleme doch potenzieren. [...] Wenn wir den Ronaldo noch kaufen, dann werden wir mit 35 Punkten Vorsprung Meister. Wollt ihr das? Das macht doch gar keinen Sinn. [...] Wenn man auf bestimmten Positionen optimal besetzt ist, dann braucht man nicht kaufen, um zu kaufen.

Hier muss man Hoeneß recht geben, der FC Bayern verzichtet auf Transfers in dreistelliger Millionenhöhe und wird vermutlich trotzdem Deutscher Meister. Aber der Klub hat es zum wiederholten Male versäumt, einen Umbruch im Kader zu vollziehen. Stattdessen wurden die Verträge von Arjen Robben, Franck Ribéry und Rafinha verlängert und mit Leon Goretzka bisher nur ein Spieler ohne Ablöse verpflichtet. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge will "alles gewinnen", das ist angesichts der internationalen Konkurrenz unwahrscheinlich. Und optimal besetzt ist der Kader vor allem auf den Außenbahnen nicht.

Hoeneß über Jérôme Boateng: Er hat Karl-Heinz Rummenigge mitgeteilt, dass er sich verändern möchte. Es kommt nur noch Paris infrage, wenn Paris entsprechend bezahlt, darf er gehen. Wir freuen uns aber auch, wenn er bleibt. Die Chancen stehen 50:50.

Wenn PSG der einzige Interessent für Boateng gewesen sein soll, wird es keinen Transfer in diesem Sommer geben. Der Verein von Trainer Thomas Tuchel hat mittlerweile Thilo Kehrer vom FC Schalke verpflichtet und hat mit Thiago Silva, Marquinhos, Presnel Kimpembe und Kehrer vier Innenverteidiger im Kader.

Hoeneß über Gewinne im Fußball: Wir werden in der nächsten Woche unser Jahresergebnis bekannt geben, das mit einem ordentlichen Gewinn abschließen. Wie viele Vereine gibt es denn noch, die Gewinne machen? Das halte ich für das Wichtigste, dass man nicht auf Kosten anderer Steuerzahler oder auf Kosten von Besitzern dieses Fußballgeschäft betreibt.

Hoeneß' Frage ist klar zu beantworten: Laut DFL-Finanzbericht haben in der Saison 2016/2017 16 von 18 Bundesliga-Klubs einen Gewinn erwirtschaftet, in der Premier League waren es im gleichen Geschäftszeitraum sogar alle 20 Vereine. Auf Kosten der Steuerzahler hat Hoeneß selbst agiert, er wurde 2014 wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.



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