Hoeneß nach der Jahreshauptversammlung Das Ende des Uliversums

Uli Hoeneß konnte sich stets zweier Sachen sicher sein: Respekt von außen und Huldigungen aus den Reihen der Bayern. Diese Zeiten sind vorbei - und daran trägt er ganz allein die Schuld.

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Seit fast 40 Jahren steht Uli Hoeneß an der Spitze des FC Bayern. In dieser Zeit führte er einige Fehden, aus denen er in der Regel als Gewinner hervorging. Spätestens seit der Jahreshauptversammlung sollte jedem Bayern-Fan, aber auch jedem neutralen Fußball-Beobachter klar sein: Uli Hoeneß ist nicht mehr der stolze Macher eines Fußballklubs von Weltruhm. Er ist ein nicht mehr zeitgemäßer Präsident, der den Zeitpunkt seines Abgangs verpasst hat.

Christoph Daum, Willi Lemke, Helmut Grashoff, Lothar Matthäus, Hans-Joachim Watzke, Louis van Gaal - die Liste der Lieblingsfeinde von Hoeneß könnte beliebig weitergeführt werden. Der 66-Jährige ging keinem Konflikt aus dem Weg, das Wohl des FC Bayern stets im Blick.

Als am Freitagabend die üblichen Reden vorbei und die nicht weniger üblichen Rekordumsatzzahlen verkündet waren, trat ein Bayern-Mitglied ans Mikrofon und zerpflückte Hoeneß' zweite Amtszeit als Präsident. "Der Verein ist nicht Ihr Eigentum", lautete einer der Sätze, den andere Mitglieder - in früheren Jahren nur für Beifallsstürme im Uliversum anwesend - beklatschten und der den Blick des Bayern-Bosses versteinern ließ.

Vielleicht wäre Hoeneß sogar relativ unbeschadet aus der Situation herausgekommen, wenn er sich dem Meinungsaustausch nicht verweigert hätte. "Da waren so viele Unwahrheiten drin", antwortete Hoeneß nach dem Ende der Rede des Mitglieds, "dass wir drei Stunden bräuchten, um das zu diskutieren. Ich lehne eine Diskussion auf dem Niveau total ab." Die Stimmung kippte, es gab Pfiffe und Buhrufe.

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Hoeneß versteht den modernen Fußball nicht mehr

Letztlich steht diese Reaktion aber nur als weiterer Beweis für die Orientierungslosigkeit, die Hoeneß seit seiner Rückkehr 2016 in vielen Situationen an den Tag gelegt hat. Vereinsintern sind da der fehlende Umbruch im Kader, die Ernennung des ahnungslosen Hasan Salihamidzic zum Sportdirektor, die zögerliche Herangehensweise bei Thomas Tuchel, die merkwürdige Grundgesetz-Pressekonferenz oder der Streit mit Paul Breitner zu nennen.

Wenn Hoeneß aber in der von Rassismus geprägten Debatte um Mesut Özil den Spieler sportlich an den Pranger stellt und die gesellschaftliche Dimension seiner Aussagen ignoriert, betrifft das nicht nur den FC Bayern. Anders als in früheren Zeiten, als Beispiel sei das gescheiterte Engagement von Daum als Bundestrainer genannt, liegt Hoeneß bei relevanten Themen des deutschen Fußballs häufiger mal daneben. Und das zeigt: Hoeneß versteht den modernen Fußball nicht mehr.

Vor einigen Tagen hat Hoeneß in einem Interview mit der Basketball-Abteilung seines Klubs erzählt, wie es 2014, kurz vor dem Antritt seiner Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung, dazu kam, dass er seine Rückkehr ankündigte. "Ich wollte mich nur verabschieden", sagte Hoeneß. "Dann stehen da 3000 Menschen auf und klatschen minutenlang. Das hat mich umgehauen." Und das sei eben der Grund gewesen, "dass ich gesagt habe, das war es noch nicht".

Im Nachhinein werden sich einige Mitglieder ärgern, Hoeneß an diesem Abend vor vier Jahren nicht die Gefolgschaft verweigert zu haben. Denn sie hätten ihm zu einem Abgang verhelfen können, den er als Vater der unzähligen Erfolge der vergangenen Jahrzehnte verdient gehabt hätte.

Diesen Zeitpunkt hat Hoeneß verpasst. Nun wird er - wann auch immer - als beschädigtes Vereinsidol gehen.



insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
eckawol 01.12.2018
1. Ein nicht mehr zeitgemäßer Präsident
Uli Hoeneß spielt hier die Rolle eines sehr erfolgreichen Familienunternehmers / Mittelständlers, der nicht einsehen will, das seine Zeit vorbei ist.
KlausKreuter 01.12.2018
2. Er nicht allein
Es ist ein Merkmal vieler "Grössen" des öffentlichen Lebens dass die den idealen Zeitpunkt des Abschieds verpassen. HOENESs, MERKEL, SEEHOFER und viele Andere.
khwherrsching 01.12.2018
3. Volle Zustimmung!
Leider wird es blamabel für Hoeneß enden, da er das Ausstiegsfenster nicht findet und wahrscheinlich hinausgetragen werden muss. Je eher die Führungsspitze des Vereins neu geordnet wird, um so besser für den FC Bayern einschließlich der Spieler.
claus7447 01.12.2018
4. Man sollte nie versäumen
Rechtzeitig abzutreten. Wobei bei Wurst-Uli bin ich mir sicher, dies hätte er 2013/14 spätestens tun müssen bevor der Strafprozess begann. Aber wie der Kommentator schreibt, man will ja nicht vom Thron. Unabhängig von den finanziellen Erfolge, ist m. E. auch eine moralische Bewertung bzw. Haltung für mich entscheidend. Wie hat sich Hoeneß in Talk Shows als Moralist aufgespielt, dabei zuhause bereits schon lange den Boden dazu verloren. Und es zeigt sich Landsberg war kein Weckruf, mir san mir, und der Rest der Welt kann uns mal am Abend besuchen!
kuroro_luzifer 01.12.2018
5. Er kann sein Andenken noch retten
Umbruch im Kader und in den Vereinstrukturen einleiten und öffentlich die Klappe halten, dann wird er in einem Jahr zwar nicht auf Händen getragen aber kann sich anständig zurückziehen.
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