Bayern-Attacke Mit der Schrotflinte

Die Führung des FC Bayern hat sich mit einer vehementen Medienschelte zu Wort gemeldet. Das ist ihr gutes Recht. Der Auftritt macht aber vor allem klar, wie sehr der Klub Erneuerung braucht.

Hoeneß, Rummenigge
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Hoeneß, Rummenigge

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Gut, die Journalisten sollen also künftig nicht mehr schreiben, dass der Kader des FC Bayern überaltert ist, sonst drohen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge mit rechtlichen Schritten. Okay. Aber man darf hoffentlich noch schreiben, dass die Vereinsführung des FC Bayern zunehmend Anzeichen einer gewissen Überalterung in sich trägt.

Die kurzfristig angesetzte Pressekonferenz der Münchner vom Mittag spricht jedenfalls dafür, dass nach so vielen Jahrzehnten der Regentschaft Hoeneß/Rummenigge ein gewisser Realitätsverlust an der Klubspitze kaum mehr zu verleugnen ist.

Es ist selbstverständlich statthaft, sich vor die eigenen Spieler zu stellen. Und dass der Bayernführung so mancher Artikel über die Formkrise ihrer Profis nicht passt, ist nachvollziehbar. Das darf und soll man dann auch ansprechen. Journalisten müssen das aushalten können.

Im nächsten Atemzug Bernat scharf kritisiert

Im nächsten Atemzug dann jedoch höchstselbst den früheren Bayernspieler Juan Bernat hart zu kritisieren, weil er eben nicht mehr beim FC Bayern spielt, damit machen sich die Bayernbosse ihre eigene Strategie sofort wieder kaputt. Zumal es Hoeneß immer wieder passiert, Ex-Bayernspieler oder -trainer harsch anzugehen und ihnen Lehm nachzuwerfen - als sei es ein Sakrileg, diesen Verein zu verlassen. Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal, Douglas Costa, Philipp Lahm: Die Liste ist so lang und so unvollständig.

Hoeneß und Rummenigge haben es mit ihren Angriffen auf andere über viele Jahre verstanden, Reizpunkte zu setzen. Meistens zu einem genau kalkulierten Zeitpunkt. Die Bundesliga diskutierte dann nur noch darüber, und die Bayernbosse waren es zufrieden. Thema gesetzt. Mission erfüllt.

Aber die Attacken vom Freitag auf der Pressekonferenz fallen am Ende des Tages, um einen Rummenigge-Klassiker zu zitieren, auf die Angreifer zurück. Das war nicht mehr die alte Abteilung Attacke. Das war stattdessen das Schießen mit Schrot, ungezielt, gestreut in alle Richtungen. Diese Pressekonferenz hatte letztlich nur unfreiwilligen Entertainmentcharakter. So zerstört man sich das eigene Denkmal. Und es bleibt der Eindruck, lediglich von der derzeitigen sportlichen Malaise ablenken zu wollen. Das ist zu durchschaubar.

"Ein wichtiger Tag für den FC Bayern"

"Heute ist ein wichtiger Tag für den FC Bayern", eröffnete Rummenigge die halbstündige Gardinenpredigt. Und zumindest damit wird er recht gehabt haben. Jedem, der diese Pressekonferenz gesehen hat, dürfte dämmern, dass der ruhmreiche FC Bayern Erneuerung braucht. An Haupt und Gliedern. Und mittendrin sitzt der fast bedauernswerte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der pflichtschuldig zwei Sätze einwerfen durfte.

Auszüge im Video: Die Bayern-PK der anderen Art

Es war die erste Pressekonferenz in diesem Jahr, die Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic gemeinsam gegeben haben. Im Vorfeld war Gott weiß was gemunkelt worden, was dort verkündet werden könnte: Die Spekulationen reichten von Rücktritten bis zum Vorstellen eines neuen Großsponsors. Und dann kam dieses: das Hornberger Schießen mit dem Schrotgewehr.

Trainer Niko Kovac, der eine Stunde zuvor nach vier sieglosen Pflichtspielen die Journalisten über das Sportliche informiert hatte, sprach sich dabei gegen "Aktionismus" aus. Man kann nur hoffen, dass er jetzt nicht von den Anwälten der Bayernführung Post bekommt.



insgesamt 137 Beiträge
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dirkcoe 19.10.2018
1. Hmmmmm
werden die Bayern Opas denn wirklich jünger, wenn der FC Bayern mich jetzt für diese Meinung verklagt?
ingen79 19.10.2018
2. Einfach wieder Tore
Schiessen und das Tor sauber halten. Mit dem Maul gewinnt man keine Spiele, sondern mit dem Fuss, darum heisst es Fussball.
dr_jp 19.10.2018
3. Realitätsverlust
Die Bayern-Bosse leiden unter Realitätsverlust. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
herrbausb 19.10.2018
4. Holzbeine vs. Altherrenfußball
Da halte ich es mit Christophe Dugarry (Weltmeister von 1998) „Wie kann Thomas Müller heute noch Teil der deutschen Nationalmannschaft sein? Seit vier oder fünf Jahren ist dieser Junge nicht gut. Um nicht zu sagen miserabel.“ Und vor allem körperlich ist die Nationalmannschaft mit diesen Spielern nicht mehr auf der Höhe: „Sie rennen einfach nicht. Wenn ich mir Boateng anschaue – er hat Holzbeine. Hummels genauso.“ Und hier habe ich jetzt Platz gelassen für die kommende Gegendarstellung: __________________________________________________________________________
serum_user 19.10.2018
5. Ich freue mich schon auf morgen,
Wenn der FC Bayern die nächste Klatsche bekommt.
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