Krise beim Rekordmeister Bayern Die Ablenkungsmanöver des Uli Hoeneß

Uli Hoeneß taucht fast täglich in den Medien auf, und seine Strategie geht auf: Trainer Kovac kann trotz der sportlichen Krise in Ruhe arbeiten. Dabei wird gerade verdammt viel falsch gemacht bei den Bayern.

Uli Hoeneß
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Der FC Bayern steckt in der größten Krise seit vielen Jahren. Das muss man wissen, um die Medientaktik der Münchner in den vergangenen Wochen zu verstehen. Mittendrin: Präsident Uli Hoeneß, der vor der Saison eigentlich Zurückhaltung angekündigt hatte, und nun fast täglich Interviews gibt oder Infos weiterleiten lässt.

Die Bayern stehen in der Bundesliga auf Platz fünf, haben mehr Gegentore als Mainz 05 kassiert und schleppen so viele fundamentale Probleme mit sich herum, wie es vor Monaten noch undenkbar erschien. Wer die vergangenen sechs Meisterschaften mit Vorsprüngen zwischen zehn und 25 Punkten gewonnen hat, der müsste schon verdammt viel falsch machen, um Verfolger wie Borussia Dortmund an sich heran oder gar vorbeiziehen zu lassen.

Es wurde verdammt viel falsch gemacht:

  • Ein zweitklassiger Sportdirektor, der nichts zu sagen hat, per eidesstattlicher Versicherung die Absage von Spielern bestätigt und Talente auf YouTube beobachtet.
  • Ein unerfahrener Trainer, der seinen Profis keine klare Spielidee vermitteln kann.
  • Eine Transferpolitik, die man euphemistisch als zögerlich bezeichnen kann.
  • Eine Nachwuchsabteilung, die keine Spieler an die Profimannschaft heranführt.
  • Eine Kaderstruktur, die nicht erst seit diesem Sommer veraltet ist.

Und dann sind da noch Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, die den Verein groß gemacht haben, aber eben auch schon seit über 25 Jahren in unterschiedlichen Funktionen gemeinsam an der Spitze des Klubs stehen.

Hoeneß und Rummenigge haben, unabhängig davon, dass sie oft unterschiedlicher Meinung sind, den Kompass verloren. Sie verstehen den modernen Fußball nicht mehr, die Aussagen zu Mesut Özil und die dabei verdrehten Fakten belegen das in besonderer Weise. Mia san mia, interner Zusammenhalt, Wagenburg-Mentalität - all das waren wesentliche Merkmale der erfolgreichen Bayern-Jahre, doch mittlerweile gehört im Fußball mehr dazu.

Hoeneß hat immerhin verstanden, wie ernst die Lage ist. Nur so ist zu erklären, dass die Einschläge in den Medien immer enger getaktet werden. Es ging los mit Hoeneß' "Bis-aufs-Blut"-Verteidigung von Trainer Niko Kovac Anfang Oktober. Anderthalb Wochen später folgte die bizarre Grundgesetz-Konferenz. Und rund um das verlorene Topspiel gegen den BVB war fast täglich etwas von Hoeneß zu vernehmen: Von der Ankündigung des eigenen Rückzugs über eine Transferoffensive bis hin zu einer von der "Sport Bild" beschriebenen geheimen Ansprache vor der Mannschaft am Tag vor dem Spitzenspiel.

Damit schaffen es die Bayern, Kovac einer öffentlichen Debatte zu entziehen. Das ist durchaus lobenswert und lässt den Trainer in Ruhe weiterarbeiten. Letztlich soll es aber nur vom eigenen Versagen ablenken.

Wie geht es weiter beim deutschen Rekordmeister? Die eigenen Fehler zu erkennen, ist das eine, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, das andere. Hoeneß wünscht sich einen menschlichen Nachfolger, der aus dem Fußball, vermutlich aus dem Schoß der Bayern kommt. Das klingt gut, wichtiger sind aber Veränderungen im operativen Bereich.

Sonst wird aus der größten auch noch die längste Krise der jüngeren Vereinsgeschichte.

insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
seinedurchlaucht 15.11.2018
1. Bayern...
...muss nicht jedes Jahr Meister werden. Es ist gut für die Bundesliga, wenn mal jemand anderes Meister wird. Abgesehen davon ist der Artikel richtig. Vor allem der Sportdirektor ist eine komplette Fehlbesetzung (was ich aber gut finde)
tobih 15.11.2018
2. harter Tobak...
..aus der Feder eines Spon-Schreiberlings: man kann die Bayern wegen ihrer Transferpolitik und mancher Äußerung kritisieren, aber nicht so, wie es Krämer macht: das ist nämlich ein ins lächerliche ziehen der Verantwortlichen und obendrein ziemlich anmaßend: seht her, die sind alle so blöd und schlecht: ob Salihamidzic wirklich ein zweitklassiger Sportdirektor abgibt, kann kein Fan und kein Schreibefritze beurteilen, eben weil man keine Einblicke in Internas hat, auch Kovac Ahnungslosigkeit zu bescheinigen ist, gelinde gesagt, ziemlicher Unsinn. Den Verantwortlichen vorzuwerfen, daß keine Jugendspieler hochgezogen werden: herrje, die Spieler müssen halt auch über ein gewisses Niveau verfügen: kein Profiverein der Topligen schafft es, regelmäßig Nachwuchs zu integrieren, der dann auch noch eine Rolle im Profiteam spielt...
nesmo 15.11.2018
3. Macht der FCB die selben Fehler
wie der andere Dinosaurier, der HSV? Und steigt gar ab? So schnell wohl nicht, und der vorletzte Trainer hat gezeigt, dass die Bayern zu allergrößtem immer noch in der Lage sind bzw. waren. Auch noch nach 25 Jahren mit Ulli Hoeneß. Aber der Trainer ist besonders beim FCB von größter Bedeutung für den Verein, er muss sehr viele Aufgaben auf höchstem Niveau erfüllen, das kann Kovac noch nicht, deswegen verschafft Hoeneß ihm Freiräume. Nur braucht ein relativ junger Trainer wie Kovac wohl zu lange, um in seine Rolle und die Schuhe seines Vorgängers hinein zu wachsen
Flachlandprophet 15.11.2018
4. Fehlerkette
de Bruyne, Firmino, Sane...sie alle hätte man haben...und Toni Kroos halten (Gehaltsfrage) können. Für mich klare Managementfehler, ganz unabhängig von der Causa Robery. In Anbetracht seiner eigenen Versäumnisse sollte Herr Uli H. etwas demütiger auftreten. Und das sage ich als langjähriger Bayern-Fan.
Currie Wurst 15.11.2018
5. Schließe mich seinerdurchlaucht an
Je nach Standpunkt muss man es keineswegs schlecht finden, wenn aus der jetzigen Situation die längste Krise der Vereinsgeschichte entsteht. Mir gefällt es definitiv. Die Bayern haben durch das Super League-Geschwafel dafür gesorgt, dass die UEFA den Verteilungsschlüssel der Fernsehgelder so geändert hat, dass die reichen Vereine im Geld ertrinken. Ist alles schön im Hintergrund passiert und darüber reden sie auch nicht so gerne an der Säbener Straße. Wenn es dann - trotz des Geldes - mal anders kommt, ist das umso besser. Denn auch wenn Geld längst Tore schießt, ist ein harmonischer und ausgeglichener Kader immer eine Herausforderung. Das hätten die Bayern kaum falscher machen können, deswegen darf gerne auch das mal für lange Zeit sichtbar werden.
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