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Verurteilter Präsident: Hoeneß ist nicht der FC Bayern

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Der FC Bayern ist zur Zeit der beste Fußballclub der Welt, sportlich und finanziell enorm erfolgreich. Wird sich das wegen der Verurteilung seines Präsidenten ändern? Nein - denn der Verein hat sich längst von dem Patriarchen emanzipiert.

Hoeneß-Prozess: Drei Jahre, sechs Monate Fotos
DPA

Uli Hoeneß ist seit 44 Jahren beim FC Bayern, erst als Spieler, dann als Manager, dann als Präsident. Es kann kein Zufall sein, dass der Aufstieg des Clubs mit der Ankunft des damals 18-Jährigen Stürmers aus Ulm begann und sich seither unaufhaltsam fortgesetzt hat. Franz Beckenbauer hat Uli Hoeneß als den wichtigsten Mann in der Geschichte des Clubs bezeichnet, der im Februar 114 Jahre alt geworden ist, und bekanntlich hat Franz Beckenbauer immer recht. Hoeneß und der FC Bayern, das war eine symbiotische Beziehung, es gibt sogar Menschen, die sagen, es sei noch mehr gewesen: ein und dasselbe.

Am Donnerstag hat das Landgericht München Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, auch wenn Hoeneß Revision einlegt: Die Verurteilung ist eine gesellschaftliche Zäsur, der Bayern-Präsident ist für ein Amt im Club bei rationaler Betrachtung nicht mehr tragbar. Wenn Hoeneß aber der FC Bayern wäre und umgekehrt - dann müsste auch der Verein jetzt in schwere Turbulenzen geraten.

Doch Uli Hoeneß ist nicht der FC Bayern, nicht dieser. Eigentlich gibt es nämlich zwei FC Bayern. In einem war Hoeneß mächtig, einflussreich, aktiv, in dem anderen war er nur noch da. Die Zäsur ist nicht der Tag des Urteils in seinem Steuerprozess, die Zäsur fällt in den April 2013: Damals wurden die Vorwürfe gegen Hoeneß bekannt.

Ein einsamer Kämpfer in eigener Sache

Vor der Zäsur war der Präsident der unantastbare Macher, eine Chiffre für Macht und Kontrolle. Sehr deutlich wurde das bei der Verpflichtung des Startrainers Pep Guardiola. Es waren nicht die operativ Verantwortlichen, nicht Sportvorstand Matthias Sammer, nicht der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, die den Coup mit dem Spanier landeten. Im SPIEGEL war zu lesen, dass es Präses Hoeneß war, der im Dezember 2012 nach New York flog und in Guardiolas Apartment den Deal perfekt machte.

Nach der Zäsur wirkte der Patriarch wie ein anderer Mensch. Er trat zwar öffentlich auf, bei Fanclubs oder bei der Jahreshauptversammlung des Vereins, aber Hoeneß wirkte dabei nie wie ein aktiver Lenker oder Botschafter des Clubs, sondern wie ein einsamer Kämpfer in eigener Sache. Bei der Jahreshauptversammlung im Winter weinte Hoeneß, als ihn Rummenigge einen Freund nannte und als unersetzlich für die Bayern bezeichnete. Die Halle jubelte.

Hoeneß ist immer noch wichtig für die Bayern. Noch ist er es, der die wichtigsten Spieler des aktuellen Kaders verpflichtet hat, für sie ist er auch zuletzt noch Ansprechpartner gewesen. Und weil es ohne seine wirtschaftlichen und sportlichen Entscheidungen den gegenwärtigen Erfolg nicht gäbe, wird Hoeneß immer ein Teil des Clubs bleiben.

Aber er ist nicht der Club, nicht mehr. Der funktioniert längst auch ohne ihn.

"Heute Ruhetag"

Gezeigt hat das der bisher größte Erfolg der Münchner, das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League im Sommer. Das fuhr die Mannschaft relativ unbeeindruckt vom Schicksal des Präsidenten ein. Gezeigt hat das auch die laufende Saison. Der Club führt die Liga mit 20 Punkten an und schickt sich unter Trainer Pep Guardiola an, die Champions League als erster Club der Geschichte zu verteidigen. Und gezeigt hat das auch der Umgang des Clubs mit seinem Präsidenten.

Bis zuletzt gab es keine öffentliche Stellungnahme des FC Bayern München in der Steuersache Hoeneß, auch nicht nach dem Urteil. Man kann das sinnvoll nennen, immerhin war Uli Hoeneß als Privatmann angeklagt. Trotzdem erwartet man eine Haltung des Clubs zu dem Mann, der ihn so lange geprägt hat. Sehr vielen Menschen ist das so gegangen, kurz nach der Urteilsverkündung brach die Webseite des FC Bayern zusammen. Als sie wieder erreichbar war, wurden Besucher von einem Bild begrüßt: "Ruhetag an der Säbener Straße".

Der FC Bayern wirkt, als gehe er längst seinen eigenen Weg.

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insgesamt 109 Beiträge
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1. Schwachsinn!
Shivute 14.03.2014
Was für eine schwachsinnige Überschrift! Jeder eingefleischte Bayernfan denkt da anders! Natürlich ist Uli Hoeneß der FC Bayern! Und die echten Bayernfans werden auch immer zu ihm halten! Ein steuerhinterziehender, vorbestrafter Uli Hoeneß ist immer noch eine viel eindrucksvollere Persönlichkeit als manch andere "Persönlichkeiten", die mit anderen Profiklubs in Verbindung stehen. Ja, bei Sonne und Regen, weit fort und daheim, FC Bayern wir bleiben Dir treu!
2. Die meisten scheinen es immer
ronald1952 14.03.2014
Zitat von sysopDPADer FC Bayern ist zur Zeit der beste Fußballclub der Welt, sportlich und finanziell enorm erfolgreich. Wird sich das wegen der Verurteilung seines Präsidenten ändern? Nein - denn der Verein hat sich längst von dem Patriarchen emanzipiert. http://www.spiegel.de/sport/fussball/uli-hoeness-warum-der-fc-bayern-nicht-von-ihm-abhaengig-ist-a-958537.html
noch nicht zu verstehen, auch ein Herr Hoeneß nicht,Steuerhinterzieher sind die Parasiten unseres Landes. Sie verhindern mit ihrem Steuerbetrug nicht nur die Entwiklung unseres Landes, sie behindern all das wofür wir als Staat unsere Steuern brauchen. Jeder kleine Arbeiter bekommt seine Steuern und Abgaben einfach abgezogen, nur die Großverdiehner nicht. Warum? Sind unsere Politiker einfach nur zu Doof um vernünftige Gesetze zum Schutz und Wohle unseres Staates zu schaffen, oder halten sich diese Herrschaften selber eine Hintertüre auf? Wieviele Hoeneß haben wir hier in Deutschland noch? Es sollte an der Zeit sein, dem endlich einen Riegel vorzuschieben, mit den entsprechenden Gesezten. Unsere Politiker sind immer sehr schnell mit Gesetzen zur Hand, wenn es darum geht, dem kleinen Mann etwas wegzunehmen, auch das sollte endlich aufhöhren. Wahrscheinlich aber wird sein, es geht alles so weiter wie bisher. schönen Tag noch,
3.
affenkopp 14.03.2014
Nun wird es Zeit, daß sich die Steuerfahndung den FC Bayern genauer anschaut, jemand mit der kriminellen Energie eines Hoeneß hat sicher noch mehr zu verbergen
4.
ratte321 14.03.2014
Mittlerweile tut er mir sogar leid, erst war ich für eine Haftstrafe aber nun denk ich ein wenig anders. Bayern München ist international auch ein Aushängeschild für Deutschland. Wo kommt dieser so gut spielende Club her? Deutschland ! Ich glaube der Uli hat seine Lektion gelernt. Ich spreche als Mensch nicht als Steuerzahler oder FCN Sympathisant. Ich würde die Haftstrafe in eine wahnsinnig hohe Geldstrafe (> 500 Millionen €) umwandeln sowie Sozialstunden anhängen. Der Mann ist 62 und kein Mörder oder Vergewaltiger. Im Gefängnis bringt er niemandem etwas.
5. Nachfolger gesucht
pipakind 14.03.2014
Nun ist es an der Zeit flügge zu werden und einen neuen Präsidenten zu suchen. Leider hat Hoeneß keinen Nachfolger aufgebaut, so dass sich die Suche als schwierig gestalten wird. Dem künftigen Nachfolger kann man nur viel Glück wünschen. Das Erbe Hoeneß anzutreten wird nicht einfach sein. Und Hoeneß? Kein schönes Ende für diese Karriere. Nun sollte er aber zugunsten des Vereins zurücktreten. Andere sind schon wegen einer Trunkenheitsfahrt zurückgetreten.... Er kann dann in Ruhe seine Gerichtsverfahren durchführen und vielleicht beim Aufbau seines Nachfolgers helfen.
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