Diskriminierung im Fußballstadion "Rechte Ultras und Hooligans haben eine krasse Dominanz"

Homophobe Banner, rechtsradikale Parolen und frauenfeindliche Plakate - Ultras in deutschen Fußballstadien leisten sich schlimme Verfehlungen. Im Interview sprechen die Macher des Blogs "Ultrapeinlich" über Probleme in der Fanszene.

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Mit opulenten Choreografien oder witzigen Spruchbändern versuchen sie sich gegenseitig zu überbieten und die eigene Mannschaft zu unterstützen. Doch oft fallen Fußball-Fans auch negativ auf. Im März hielten Anhänger des FC Bayern im Champions-League-Spiel gegen den FC Arsenal ein Transparent mit der Aufschrift "Gay Gunners" hoch - allerdings nicht in der Südkurve sondern auf der Haupttribüne.

Homophob war auch das Banner im Leverkusener Fanblock am letzten Bundesliga-Spieltag. "Vereinsfarben uninteressant - Hauptsache die Homofahne in der Hand" stand darauf und richtete sich offensichtlich gegen die Anhänger von Werder Bremen.

Die Fans von Dynamo Dresden bedrohten die Spieler ihres Clubs nach dem Abstieg in die 3. Liga gar mit einem riesigen Transparent: "Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu verlassen." Verfehlungen gibt es an fast jedem Spieltag. Seit Ende März dokumentiert das Blog "Ultrapeinlich" die schlimmsten. Drei Mitglieder verschiedener Ultra-Gruppierungen unterschiedlicher Vereine stecken dahinter. Viele Fans finden das Projekt gut, Anfeindungen gibt es aber auch, deswegen wollen sie anonym bleiben.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie mit Ihrem Blog erreichen?

Ultrapeinlich: Wir wollen die Ultra-Kultur nicht verdammen, wir sind ihr gegenüber aufgeschlossen - und wollen sie verbessern. Wir haben aber ein großes Problem mit Diskriminierung und Rassismus.

SPIEGEL ONLINE: Ein paar Beispiele bitte.

Ultrapeinlich: Es heißt oft, Ultras seien gefährlich wegen ihrer Gewalt- und Pyro-Exzesse. Bengalische Feuer sind aber nicht so schlimm wie die Tatsache, dass Menschen im Stadion hart diskriminiert werden oder sich aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung gar nicht mehr dorthin trauen. In manchen Vereinen haben rechte Ultras und Hooligans eine krasse Dominanz aufgebaut.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Fangruppen, die besonders oft negativ auffallen?

Ultrapeinlich: Wir haben viele Bilder aus Cottbus und haben das Gefühl, im Osten der Republik sind die Fangruppen eher dazu bereit, noch einen Schritt weiterzugehen und provokantere und krassere Banner zu zeigen. Heftiges sieht man auch bei Dynamo Dresden. Das soll aber nicht heißen, dass es ein ostdeutsches Problem ist. Das gibt es überall. Uns ist es wichtig, das auf dem Blog ausgewogen zu halten. Das gilt auch für unsere eigenen Vereine und Fangruppen, die tauchten auch schon auf.

SPIEGEL ONLINE: Und Ihr Blog wird etwas ändern?

Ultrapeinlich: Wir wollen uns an die Öffentlichkeit richten, aber auch an DFB und DFL. Die müssten die Vereine nicht nur dafür bestrafen, dass Pyrotechnik abgebrannt wird, sondern auch für rassistische Sprechchöre oder homophobe Transparente. Sonst bewegen die sich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihre Idealvorstellung von Ultra-Kultur?

Ultrapeinlich: Wir verstehen uns als progressiv-denkende Fußball-Fans. Wir können nicht so viel mit Macker-Gehabe, Gewalt, Fahnenklau und Derby-Hass anfangen. Wir finden es viel schöner, die positiven Seiten der Ultra-Bewegung zu sehen: gemeinsam Spaß zu haben, durch die Welt zu fahren, seine Mannschaft positiv zu unterstützen. Sich vielleicht auch mit anderen Gruppen zu messen, aber auf andere Art. Wer ist die lautere Kurve, wer macht die schönere und kreativere Choreo? Nicht auf der Straße, keine Hooligans. Das zieht viel zu viele Menschen rein, die damit nichts zu tun haben wollen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
mentor 30.05.2014
1. So schlimm ist das auch nicht
ich kann nur eines sagen: Wir sollten mal nicht zu weit gehen, wenn die Fans andere beleidigen indem sie sie als "Schwuchtel" oder so bezieichen, dann sollt man da jetzt kein Riesending draus machen. Ich bin weder homopho noch sonst was der gleichen, aber Fussball ist eben so. Da gehts auch mal gut zur Sache. Aufm Platz und neben dem Platz. Ultras sind eben Ultras, das sind auch die jenigen die alles mitmachen, vor allem aber die positiven Dinge. 12.000 Frankfurter fuhren nach Bordeaux, wo gibt`s denn so was? Also lasst den Leuten ihren, soweit sie nicht wirklich zu weit gehen. Fußball ist ein Männersport und der soll auch so bleiben, hart aber charmant.
patsm 30.05.2014
2. Schlecht recherchiert
Das Banner "Gay Gunners" wurde von drei Kids aus Österreich hochgehalten. Da sollte man vielleicht mal über die Bildauswahl nachdenken, wenn es um Ultras geht. Grundsätzlich ist so eine Aktion natürlich zu befürworten!
Shivon 30.05.2014
3.
Zitat von mentorich kann nur eines sagen: Wir sollten mal nicht zu weit gehen, wenn die Fans andere beleidigen indem sie sie als "Schwuchtel" oder so bezieichen, dann sollt man da jetzt kein Riesending draus machen. Ich bin weder homopho noch sonst was der gleichen, aber Fussball ist eben so. Da gehts auch mal gut zur Sache. Aufm Platz und neben dem Platz. Ultras sind eben Ultras, das sind auch die jenigen die alles mitmachen, vor allem aber die positiven Dinge. 12.000 Frankfurter fuhren nach Bordeaux, wo gibt`s denn so was? Also lasst den Leuten ihren, soweit sie nicht wirklich zu weit gehen. Fußball ist ein Männersport und der soll auch so bleiben, hart aber charmant.
Naja, ich dachte auch so früher. Was soll an Schwuchtel schlimm sein etc. pp.? Aber mittlerweile denke ich, dass solche Beleidigungen besonders in unserer heutigen Zeit nicht mehr angebracht sind. Ich stimme ihnen zu, dass Fussball ruhig "hart" bleiben kann und die Rivalität auch gerne neutrale Zuschauer anzieht bzw. Emotionen weckt wie in Derbys, aber homosexuelle Beleidigungen sollte man aus Respekt vor den Mitmenschen unterlassen.
spon-facebook-560316139 30.05.2014
4. optional
Das Banner von Leverkusen war auch nicht homophob gemeint sondern als Kritik den Ultras Bremen gegenüber. Hier ein Kommentar von den Ultras Leverkusen zu dem Banner: http://www.ultras-leverkusen.de/news
muellerthomas 30.05.2014
5.
Zitat von patsmDas Banner "Gay Gunners" wurde von drei Kids aus Österreich hochgehalten. Da sollte man vielleicht mal über die Bildauswahl nachdenken, wenn es um Ultras geht. Grundsätzlich ist so eine Aktion natürlich zu befürworten!
Wenn das nur drei "Kids" waren, woauch immer die herkamen, stellt sich natürlich die Frage, wieso die umstehenden Erwachsenen dies toleriert haben.
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