Umbruch beim Hamburger SV Alles auf Anfang - diesmal mit Plan

Weil Sportchef Todt beurlaubt werden sollte, musste offenbar der Vorstandsvorsitzende Bruchhagen gehen. Maßgeblicher Gestalter der HSV-Zukunft ist nun Bernd Hoffmann. Der hatte eigentlich andere Pläne.

Von Daniel Jovanov


Eigentlich wollte Bernd Hoffmann mit seinen Kindern in den Osterferien ein paar Tage Urlaub machen. Abschalten, Gedanken sortieren und sich in Ruhe einen Überblick darüber verschaffen, was in den kommenden Wochen und Monaten getan werden muss beim Hamburger SV.

Dass ziemlich viel im Argen liegt, war vorher klar. Aber dass es so schnell gehen muss?

Neuanfänge und Umbrüche gehören inzwischen genauso zu seiner DNA wie "Hamburg, meine Perle" oder rote Hosen zu weißen Trikots. Diesmal ist die kurzfristige Neubewertung der Lage und der damit einhergehende Führungswechsel allerdings nachvollziehbar. Denn nach dem 0:0 am vergangenen Wochenende gegen den Tabellen-16. FSV Mainz 05 ist innerhalb des Klubs endgültig klargeworden, dass es nichts mehr wird mit dem Klassenerhalt in dieser Saison. Die Planung für die zweite Liga kann also schon jetzt beginnen - und ist nicht zwingend als Zeichen der Resignation zu verstehen. Sondern als Zeichen der Vernunft.

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Hamburger SV vs. Mainz 05: Zig Chancen, null Tore

Die ersten Maßnahmen sind folgende: Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Teile des Aufsichtsrats hätten Bruchhagen nach Informationen des SPIEGEL gerne bis zum Ende der Saison im Amt belassen. Doch weil sich der 69-Jährige geweigert haben soll, seinen Sportchef Jens Todt zu beurlauben, hätten sich die Räte zu einer Änderung ihres Fahrplans gezwungen gesehen.

Todt spielt in den Gedanken der Kontrolleure keine Rolle, wurde auch nicht als Unterstützung für Trainer Bernd Hollerbach wahrgenommen und sollte deshalb auch keine weitere Entscheidung verantworten müssen. Seine Entlassung wurde nun von Finanzvorstand Frank Wettstein vollzogen, der die "operative Führung" übernommen hat. Ob er selbst eine Zukunft hat beim HSV oder nur dazu da ist, einen geregelten Übergang vorzubereiten, ist derzeit unklar.

Welche Rolle spielte Investor Kühne?

Wettstein gilt als Vertrauensmann von Investor Klaus-Michael Kühne, dessen finanzielle Unterstützung beim Neuaufbau in der zweiten Liga und beim Lizenzierungsverfahren durch den Ligaverband DFL von großer Bedeutung sein kann. Der Milliardär hat intern mehrfach eine Neubesetzung des Vorstands empfohlen. Die heutigen Entscheidungen seien jedoch ohne Rücksprache mit ihm getroffen worden, versichert Wettstein. Glaubwürdig klingt das wieder einmal nicht.

In der Pressemitteilung zur Freistellung von Bruchhagen und Todt steckt aber noch ein wichtiges Detail: Vereinspräsident Hoffmann hat nun doch den Vorsitz des Aufsichtsrats übernommen und ist damit viel früher als geplant zum maßgeblichen Gestalter der HSV-Zukunft aufgestiegen.

Oberste Priorität: einen Sportvorstand finden

Ursprünglich wollte der 55-Jährige die Entwicklung im Klub aus einer defensiveren Rolle heraus betrachten und ließ sich erst vor einer Woche zum Stellvertreter des Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Krall wählen, der diese Aufgabe nach nur wenigen Tagen wieder abgibt. "Wir haben die jüngste Vergangenheit intensiv zur Analyse der Gesamtlage genutzt und sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir die Neuausrichtung des HSV jetzt unmittelbar beginnen müssen", sagt Hoffmann.

Einerseits habe der HSV keine Zeit zu verlieren, andererseits schafft diese frühzeitige Änderung in den Gremien ausreichend Zeit, um weitere Entscheidungen vorzubereiten. Zum Beispiel das Finden eines Sportvorstands - eine Personalie, die in dieser Phase oberste Priorität hat. Weil sie nicht nur die Planung des Zweitligakaders vorantreiben, sondern auch über die Besetzung des Trainerpostens entscheiden muss. Der kommissarische Chef Wettstein dazu vielsagend: "Stand heute halte ich einen Trainerwechsel nicht für möglich."

Der Stand von übermorgen kann aber wieder ein anderer sein.



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
realplayer 08.03.2018
1.
Nur der Abstieg in die 2. Liga kann den HSV wieder auf den Teppich bringen.
extremchen 08.03.2018
2. Hoff(nungs?)mann
Herr Hofmann zeigte sich während seiner ersten Amtszeit als Präsi des HVV bereits schon als Machtmensch welcher alles selber in der Hand halten und bestimmen will, ob er das Geschäft versteht oder nicht. Das Ergebnis war damals ein Minus von über 20 Millionen Euro, als er den Verein verließ, 4,8 Millionen im abgelaufenem Jahr, und 16 Millionen Transfernkosten deren Abzahlungen in die Zukunft verschoben werden konnten. Er hatte seinerzeit einen kurzfristigen sportlichen Erfolg mit Geld erkauft welches der Verein definitiv nicht hatte. Typisch für das kurze Gedächtnis der Leute: An den Erfolg erinnert man sich gerne, das schon damals der Laden auf dem Weg in die Pleite war hingegen nicht. Und ich habe nicht das Gefühl das Herr Hoffman sich irgendwie geändert haben sollte...
mullertomas989 08.03.2018
3. Das wichtigste ist für mich:
Dass man hochveranlagte Spieler wieder viel mehr zum Laufen bringt! Durch eine andere Kommunikation im Verein und auch durch leistungsbezogenere Verträge. Am einfachsten wäre es aber, der HSV würde einfach zum Ausbildungsverein werden (Ja, das kann man Hamburg zumuten!). Junge Spieler sind meistens hungrig und geben eher Gas! Ganz nebenbei würde man durch den regelmäßigen Weiterverkauf von jungen Talenten finanziell auf einen grünen Zweig kommen!
pirx64 08.03.2018
4.
Zitat von realplayerNur der Abstieg in die 2. Liga kann den HSV wieder auf den Teppich bringen.
Dazu müsste der HSV auch erst mal eine Lizenz bekommen. Ich glaube daran nicht :)
grottenolm1 08.03.2018
5. Hsv
Hier Spielen Verlierer.. 2.Liga, wir kommen...
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