Umfrage zu parteiischen Unparteiischen FC Bayern reagiert mit Humor auf Kempter-Mail

Schiedsrichter Michael Kempter soll auf eine Niederlage des FC Bayern gehofft haben - so zitiert es zumindest Manfred Amerell aus einer E-Mail. SPIEGEL ONLINE hat bei den Clubs nachgefragt: Die meisten vertrauen weiter auf das DFB-System, auch die Bayern blieben gelassen.

Bundesliga-Schiedsrichter Kempter (Archiv): Gesprächsbedarf beim DFB
dpa

Bundesliga-Schiedsrichter Kempter (Archiv): Gesprächsbedarf beim DFB

Von und Frieder Schilling


"Gleich spielen die Bayern. Hoffentlich fliegen sie raus. Dann können wir darauf anstoßen."

Ein Bruchstück aus einer angeblichen E-Mail von Michael Kempter, zitiert von DFB-Schiedsrichterfunktionär Manfred Amerell. Drei kurze Sätze, mehr nicht. Doch sie haben die Bundesliga aufgeschreckt. Es wird kaum eine Fankurve geben, in der am kommenden Wochenende nicht über diese Aussage diskutiert wird, kaum ein Gespräch in der Schlange am Bierstand wird ohne dieses Thema auskommen. Eine Frage drängt sich Fans und Verantwortlichen auf: Könnte mein Verein durch parteiische Unparteiische Schaden nehmen? SPIEGEL ONLINE hat nachgefragt.

Bundesligist Hannover 96 ist zwar nicht direkt betroffen von der Affäre, äußert seine Zweifel aber deutlich: "Wenn da statt Bayern München Hannover 96 erwähnt worden wäre, wüsste ich nicht, ob solch ein Schiedsrichter noch ruhigen Gewissens ein 96-Spiel pfeifen könnte", sagte Sprecher Andreas Kuhnt. Jedem Schiedsrichter sei zwar auch "eine private Sicht der Dinge" zuzubilligen, doch "lassen sich daraus schon gewisse Vorurteile gegen einen Club ableiten", so Kuhnt. Von daher sei die Kempter-Aussage "sicher sehr fragwürdig".

Der im Mittelpunkt stehende FC Bayern München hat den Ball weitergespielt. Ihm liege die "Fotokopie einer E-Mail von Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter vor". Die darin gemachten Aussagen würden "nun vom DFB geprüft", der Club habe vollstes Vertrauen in den Verband. Mehr sagt der Tabellenführer dazu vorerst nicht. Der von Bayern München so in die Pflicht genommene DFB wollte sich zu seiner genauen Vorgehensweise in dieser Untersuchung nicht äußern. Sprecher Ralf Köttker aber sagt, dass man als erstes Michael Kempter zu einer Unterredung einladen wird: "Das ist der nächste Schritt, den wir gehen werden."

Bayern: "Nicht wegen Kempter nicht Deutscher Meister geworden"

Beim VfL Bochum ist man sich "sicher, dass es eine Ausnahme ist". Nichtsdestotrotz stellt Sprecher Christian Schönhals klar: "Es bedarf in diesem Falle einer Überprüfung." Befragt zu eigenen Erfahrungen mit Schiedsrichter-Ansetzungen berichtet er: "Sicherlich ist es so, dass man, wenn man das Gefühl hat, ein Schiedsrichter hat ein, zwei Mal eher unglücklich für den eigenen Verein gepfiffen, Rücksprache hält. Sowohl mit dem betroffenen Unparteiischen als auch dem DFB." Auf konkrete Ansetzungen aber habe der Verein nie eingewirkt und wolle auch in Zukunft generell nicht tun. Man sei "mit der hohen Qualität der Schiedsrichter zufrieden".

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Schiedsrichter-Skandal: Die Akteure um Amerell und Kempter
Zurückhaltend äußert man sich auch bei Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach. "Eine solche private Aussage würde ein Schiedsrichter öffentlich sicher nie tun", ist Borussia-Sprecher Markus Aretz überzeugt. Andererseits sei es durchaus "legitim, wenn Schiedsrichter auch ihre Lieblingsvereine haben und sich zu einem Verein bekennen". Schließlich seien "Referees auch Fußballfans, sonst würden sie dieses Amt sicher nicht ausüben". Der DFB trage ja bereits Sorge, dass solche Vorlieben bei den Ansetzungen berücksichtigt würden. "Ich hätte aber auch kein Problem damit, einen Münchner Schiedsrichter ein Bayern-Spiel pfeifen zu lassen" - so lange die professionelle Unparteilichkeit nicht berührt sei, so Aretz.

Ähnlich sieht man das beim Hamburger SV. Sympathien und Antipathien hätten bei der Ausübung des Amtes keine Rolle zu spielen, sagt Sprecher Konstantin Krüger und verweist ansonsten auf die Zuständigkeit des DFB für Schiedsrichter-Ansetzungen. Was auch die Deutsche-Fußball-Liga tut, die jede offizielle Stellungnahme vermeidet, aber eine Aussprache bei der Präsidiumssitzung des DFB am kommenden Freitag ankündigt.

In München hat man sich unterdessen trotz des "Vorgangs Kempter", wie der Verein es in seiner Mitteilung bezeichnet, den Humor bewahrt. Ob man nun in der Vergangenheit von Kempter geleitete Spiele des Clubs nachträglich untersuche? "Nein", sagte Sprecher Markus Hörwick: "Wir sind nicht wegen Herrn Kempter letztes Jahr nicht Deutscher Meister geworden."



insgesamt 366 Beiträge
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Knütterer, 04.03.2010
1. Zwanziger hat....
Zitat von sysopDer Fall Amerell sorgt seit Wochen für Wirbel, auch der Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw wurde noch nicht verlängert. DFB-Präsident Theo Zwanziger steht in der Kritik. Wie bewerten Sie seinen Umgang mit diesen Personalien?
.. sich hier nach meiner Einschätzung völlig falsch und grottenschlecht gezeigt! Solch eine Aktion schadet ihm auf dem Zenit seiner Karriere deutlich!
Justitia 04.03.2010
2.
Zitat von sysopDer Fall Amerell sorgt seit Wochen für Wirbel, auch der Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw wurde noch nicht verlängert. DFB-Präsident Theo Zwanziger steht in der Kritik. Wie bewerten Sie seinen Umgang mit diesen Personalien?
Zwanziger hat mit Amerell eine aussergerichtliche Einigung erzielt, die einem Sieg im nun abgeblasenen Rechtsstreit mit Amerell nahezu gleich kommt. Damit Punkt für Zwanziger. In der Sache Löw/Bierhoff hat er den beiden gezeigt, daß sie die Angestellten sind und er die Arbeitgeberseite vertritt und dementsprechend die Rollenverteilung auch bleibt. Da eine Fortführung des Vertrags mit Löw bei einem peinlichen Verlauf der WM für die NM eh nicht sinnvoll wäre, hat auch hier Zwanziger richtig gehandelt. Damit ein weiterer Punkt für Zwanziger. Meiner Meinung nach kann man Zwanziger lediglich vorwerfen, daß er zu einem früheren Zeitpunkt Löw bereits eine Verlängerung des Vertrags angeboten hatte. Dies fand ich eher ungeschickt, den Verlauf der WM hätte er abwarten sollen.
paretooptimal 04.03.2010
3. DFB sollte Konkurrenz bekommen
Zitat von sysopDer Fall Amerell sorgt seit Wochen für Wirbel, auch der Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw wurde noch nicht verlängert. DFB-Präsident Theo Zwanziger steht in der Kritik. Wie bewerten Sie seinen Umgang mit diesen Personalien?
Der DFB hat sich seit Jahrzehnten zu einer Hydra entwickelt, wo jeder Funktionär sein eigenes Süppchen kochen will. Wichtig sind die aktiven Fußballer und nicht der übermächtige Verband. Man sollte über einen neu zu schaffenden konkurrierenden Verband nachdenken, der dem DFB Paroli bieten kann.
simonleipzig 04.03.2010
4. Sieg für Zwanziger im Fall Amerell
Zitat von sysopDer Fall Amerell sorgt seit Wochen für Wirbel, auch der Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw wurde noch nicht verlängert. DFB-Präsident Theo Zwanziger steht in der Kritik. Wie bewerten Sie seinen Umgang mit diesen Personalien?
Zwanziger hat im Fall Amerell (wie auch in vielen anderen schwierigen Fällen) mit Augenmaß aber auch einer klaren Linie gehandelt. Das spricht eindeutig für ihn und für ein Ende des Unter-die-Decke-kehrens von MV (der das ja jetzt in der Presse erst wieder gefordert hat). Zwanziger konnte sich mit den eidesstattlichen Erklärungen von vier jungen Schiedsrichterkollegen sicher sein, dass die Vorwürfe von Michael Kempter in Sachsen sexueller Belästigung der Wahrheit entsprechen. Amerell hatte damit keine Wahl: Er musste seine Klage zurückziehen, nun darf jeder die entsprechenden Vorwürfe wiederholen. Ich bin sehr gespannt, wie er sich da heute abend bei Kerner in SAT 1 aus der Affäre ziehen will. Übrigens hat das Ganze überhaupt nichts mit der Frage zu tun, ob Michael Kempter schwul ist oder nicht. In jedem Fall verbietet sich bei einem solchen Abhängigkeitsverhältnis Amerell-Kempter jeglicher Annäherungsversuch - in welcher Form und Art auch immer. Ein Schiedsrichterbeobachter kann und darf schwul sein, ebenso wie ein junger Schiedsrichter (allerdings wohl ohne es öffentlich zu machen, so weit sind die Fußballfans noch nicht). Aber er darf Privates eben nicht mit seiner Arbeit vermischen. Das hat auch Theo Zwanziger immer wieder betont. Danke für diesen offenen und klaren Umgang mit einem (leider) immer noch schwierigen Thema.
woscho 04.03.2010
5. Das Krisenmanagement von Herrn Zwanziger
ist merkwürdig. Ausschnitt: "Der DFB zeigte sich in einer Pressemitteilung zufrieden mit der Einigung: "Der Zivilprozess ist damit für uns in jeder Hinsicht erfolgreich abgeschlossen", sagte Rechtsanwalt Christian Schertz, der den DFB vertrat". >Zwanziger hatte vor der Verhandlung seine Demission angekündigt, sollte der DFB den Prozess gegen Amerell verlieren. "Dann muss ich selbstverständlich sofort von meinem Amt zurücktreten", so der 64-jährige Jurist im Magazin "Kicker".< Hier klingt Herr Zwanziger mit einer Rücktrittsdrohung wie der zurückgetretene Kanzler Schröder und seine Misstrauensfrage von 2005. Weiß der Geier, die Anschuldigungen dieser Schiedsrichter gegen Manfred Amerell gehören bekannt gemacht, ansonsten bleibt ein Mauschelgeschmack. Das seltsame Rechtsempfinden beim DFB.
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