Football-Leaks-Whistleblower Ungarische Polizei beschlagnahmte zehn Terabyte Daten bei Rui Pinto

Erstmals seit seiner Verhaftung hat sich Rui Pinto geäußert. Die Polizei habe zehn Terabyte Daten beschlagnahmt, sagte der Football-Leaks-Whistleblower. Mehr als die Hälfte sei noch nicht öffentlich gemacht worden.

Steuerparadies Cayman Islands
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Steuerparadies Cayman Islands


Bei der Verhaftung des Football-Leaks-Whistleblowers Rui Pinto Mitte Januar hat die ungarische Polizei offenbar auch zehn Festplatten beschlagnahmt. Darauf befinden sich nach Angaben Pintos vertrauliche Dokumente aus der internationalen Fußballbranche und dem Offshore-Bankenwesen in einer Größenordnung von rund zehn Terabyte.

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Mehr als sechs Terabyte davon hat Football Leaks bislang nicht mit Medien geteilt. Diese Datenmenge ist fast doppelt so groß wie jene, welche Pinto dem SPIEGEL und dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) in den vergangenen drei Jahren zugespielt hat. Das sagte Pinto, der derzeit in Budapest unter Hausarrest steht, dem SPIEGEL, dem NDR und der französischen Online-Plattform Mediapart. Es ist Pintos erstes Interview nach Preisgabe seiner Identität.

Der europäische Haftbefehl der portugiesischen Strafverfolger, der zu Pintos Festnahme führte, beschuldigt den 30-Jährigen der versuchten Erpressung sowie der Cyberkriminalität. Pinto weist die Vorwürfe zurück und widersetzt sich einer Auslieferung in sein Heimatland. Demnach will er auch verhindern, dass die ungarischen Behörden seine beschlagnahmten Daten der Justiz in Portugal überstellen.

Stattdessen wolle er sie Ermittlungsbehörden außerhalb Portugals überlassen, wie er sagte: "Ich erwarte, dass sich Staatsanwaltschaften in ganz Europa zusammentun werden und den ungarischen und portugiesischen Behörden aufzeigen, dass sie diese Dokumente für ihre Ermittlungen brauchen, um Verbrechen zu ahnden - Verbrechen, die wesentlich schwerer wiegen als Whistleblowing." Pinto behauptet, er sei im Besitz vertraulicher Daten einer Bank von den Cayman Islands. Das karibische Steuerparadies sei "systematisch für Geldwäsche und Steuerhinterziehung benutzt" worden, sagte der Whistleblower.

Pinto erklärte zudem, dass er sich bereits Ende 2018 mit französischen Ermittlern in Paris getroffen habe, um eine Kooperation zu verabreden. Pinto sagte auch, dass sich die US-Behörden im Fall Cristiano Ronaldo an Football Leaks gewendet haben. Sie ermitteln Vergewaltigungsvorwürfe einer Frau aus Las Vegas gegen den Fußballstar, die Ronaldo zurückweist. Von Fifa und Uefa habe sich hingegen noch nie ein Vertreter bei Football Leaks gemeldet. "Das ist frustrierend", sagte Pinto. Er habe unter seinem Pseudonym John öffentlich wiederholt "deutlich gemacht, dass ich zur Aufklärung Dokumente weitergeben würde, wenn ich ein Zeichen erhielte. Ich bekam kein einziges".

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