Union-Fan Achim Mentzel "In Köpenick ging schon was ab"

Die Vereinshymne von Union Berlin ist schon etwas älter, Interpret Achim Mentzel singt "Stimmung in der Alten Försterei" aber noch immer gerne. Mit dem Magazin "11FREUNDE" spricht er über heiße Fans, geölte Kehlen und einen Tanzabend mit Stasi-Chef Erich Mielke.

Fans des FC Union Berlin: Ordentlich Stimmung in der Alten Försterei
Getty Images

Fans des FC Union Berlin: Ordentlich Stimmung in der Alten Försterei


Frage: Herr Mentzel, in der DDR war auch Vinyl knapp. Wie konnte es ausgerechnet Ihre Hymne über den Oberliga-Underdog 1. FC Union 1985 auf eine Amiga-Single schaffen?

Mentzel: Als mich Harry Jeske von den Puhdys fragte, ob ich seine Union-Hymne "Stimmung in der Alten Försterei" einsingen würde, habe ich sofort zugesagt, obwohl ich kein richtiger Union-Fan war.

Frage: An welchem Club hingen Sie?

Mentzel: Als Jugendlicher hatte ich beim Armeeclub Vorwärts Berlin gespielt und es sogar in die Berliner Juniorenauswahl geschafft. Als der Club nach Frankfurt versetzt wurde, stand ich vor der Frage: Dynamo oder Union? Da war mir Union lieber, und ich bin dann oft nach Köpenick gefahren.

Frage: Hielt denn die Realität, was später der Titel "Stimmung in der Alten Försterei" versprach?

Mentzel: Da ging schon was ab, jedenfalls mehr als bei der Produktion. Die Aufnahme war eine typische DDR-Improvisationsnummer.

Frage: Wie sah das konkret aus?

Mentzel: Für den Chor hatten wir Union-Fans ins Studio bestellt. Da aber bloß drei oder vier kamen, mussten wir sie mehrmals übereinander singen lassen, damit es voller klingt.

Frage: Angeblich haben Sie die Hymne in der DDR fast mal vor Stasi-Chef und BFC-Dynamo-Fan Erich Mielke gesungen?

Mentzel: Nee, nee.

Frage: Wie war es denn?

Mentzel: Ich bin mal beim Dynamo-Ball aufgetreten, der jedes Jahr mit allen Sportlern der SV Dynamo, einschließlich der BFC-Fußballer, gefeiert wurde. Da traten sogar lauter Schlagersänger aus dem Westen auf, von Costa Cordalis bis Bernie Paul. Für uns Musiker war das lediglich eine gut bezahlte Mugge. Es handelte sich nicht um ein Privatvergnügen von Mielke. Ich habe da meine Stimmungslieder gesungen.

Frage: Auch "Stimmung in der Alten Försterei"?

Mentzel: Nein. Ich glaube, da hätten die mich sofort verhaftet.

Das Interview führte Gunnar Leue



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.