Vermarktung Bayern startet Asienoffensive

Etwa eine Woche vor Bundesligastart bricht der deutsche Meister nach Fernost auf. Ziel: Die Vermarktungschancen des deutschen Fußballs zu verbessern. Bayern München sieht sich dabei in einer Vorreiterrolle für die Liga. Vorstandschef Rummenigge fordert abermals, mit einem Tabu zu brechen.


Bayern-Spieler Ballack und Pizarro (v.l.): "Wir müssen hin"
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Bayern-Spieler Ballack und Pizarro (v.l.): "Wir müssen hin"

München/Tokio - Real Madrid war schon da, Manchester United auch - jetzt kommt Bayern München. Die europäischen Spitzenclubs sind derzeit auf Werbetour in Asien. Direkt nach dem Halbfinalspiel im Ligapokal heute Abend (20. 30 Uhr in München) bricht der deutsche Fußballmeister nach Japan auf. Ziel: Tokio.

Das bedeutet eine Woche vor Bundesligastart ein stressiges Programm: 0.15 Uhr Abflug nach Japan, am Sonntag Heimkehr, dazwischen Spiele gegen den FC Tokio (Donnerstag) und Yubilo Iwata (Samstag) - begleitet von einigen PR-Auftritten.

Kritische Stimmen, dass diese Reise zu strapaziös sei, weist Bayern-Manager Uli Hoeneß von sich. Schließlich ist die Kurzreise mit zwei Millionen Euro Gage dotiert, außerdem geht es um langfristige Ziele. Die Bundesliga, sagt Hoeneß, sei auf den großen Märkten Nordamerika und Asien unterrepräsentiert, dagegen unternommen werde aber nichts. Der FC Bayern trete nun an, um "diese Missstände zu beheben", so Hoeneß.

Im vergangenen warben die Bayern für sich in Chicago, diesmal treten sie in Tokio auf: "Wenn du in Asien keine Präsenz zeigst, kannst du keine Geschäfte machen. Deswegen müssen wir hin", sagt der Bayern-Manager.

Wie Trainer Felix Magath über diese anstrengende Reise denkt, ist nicht bekannt. Öffentlich äußert er zumindest keine Kritik. "So etwas muss man akzeptieren, das gehört bei einem Klub wie dem FC Bayern dazu. Das Geschäft Fußball hat sich eben so entwickelt", sagt Magath. Auch er betont deshalb die Notwendigkeit einer solchen Goodwill-Tour. "Wir brauchen neue Märkte, wenn wir die Lücke zu den Top-Klubs in Italien, England oder Spanien schließen wollen. Da brauchen wir mehr Geld, und da bleibt keine andere Möglichkeit."

Stelldichein der europäischen Clubs

Um den asiatischen Markt kämpfen derzeit viele europäische Clubs. Real Sociedad San Sebastian, Olympique Lyon sowie der PSV Eindhoven waren allesamt Gäste beim "Peace Cup" in Südkorea. Dass solche Werbetouren aber auch negative Folgen haben können, beweisen die aktuellen Auftritte von Real Madrid. Lustlos und ohne Stars präsentierten sich die Spanier dieser Tage in China und Japan - entsprechend harsch fiel die Kritik bei den Fans vor Ort aus.

Wer keine Stars bieten kann, der müsse erst gar nicht abreisen, glaubt der Fußball-Promoter Terry Catton, der Juventus Turin, dem AC Mailand oder Newcastle United zu Gastspielen in Hongkong verholfen hat. "Die Fans in Asien verfolgen eher einzelne Spieler als deren Klubs", glaubt er. So gesehen tut der FC Bayern gut daran, in Japan aufzutreten: Dort ist Oliver Kahn enorm populär.

Rummenigge fordert abermals frühere Anstoßzeiten

Die Bundesliga stellt sich dennoch reichlich spät in Asien vor. Die englische Premier League ist bereits seit Jahren in Fernost aktiv - und verdient Geld damit. Insgesamt 175 Millionen Dollar zahlte der Satelliten-TV-Sender "ESPN Star Sports" für die asiatischen Premier-League-Rechte von 2004 bis 2007 und sendet dafür wöchentlich zehn Live-Spiele in mehr als 200 Millionen Haushalte. In Japan, Hongkong und Indonesien kassieren die Engländer zusätzlich. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat da Nachholbedarf: Rund 15 Millionen Dollar holt sie mit Auslandslizenzen herein.

Beckham in Tokio: Die Asiaten wollen Stars sehen
REUTERS

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Auch Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mahnt hier Nachholbedarf an: "Der FC Bayern München eignet sich bestens, um in Asien für die Bundesliga Werbung zu machen. Einige Spiele vor Ort können aber nur der Anfang sein", sagte Rummenigge im "Manager Magazin". Es gehe darum, in Asien längerfristige Beziehungen aufzubauen, "denn die Bundesliga ist unter den Big Five in Europa Tabellenletzter". England, Spanien, Italien und Frankreich seien in der weltweiten Vermarktung schon lange aktiv. Fußballdeutschland habe hier viel zu lange einen Tiefschlaf gehalten, betont der Vorstandschef.

Abermals forderte Rummenigge, die Anstoßzeiten der Bundesliga zu überdenken. Wolle die Liga international im Fernsehen präsent sein, "dann müsste es auch Spiele geben, die mittags laufen". Das Ziel des Bayern-Chefs ist klar: "Wir werden für die Chance kämpfen, die Bundesliga in Asien bekannter zu machen."

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