Von Peter Ahrens und Christian Paul
Woche für Woche befällt den Fußballfan ein beinahe körperlicher Schmerz. Wenn man Ryan Babel im Hoffenheimer Trikot spielen sieht. Der Niederländer galt einmal als eines der größten Talente im europäischen Fußball, er hat für den FC Liverpool in der Champions League gespielt - und jetzt versinkt er mit 1899 Hoffenheim im Mittelmaß der Liga und der süddeutschen Provinz. Babel und Hoffenheim - das passt nicht zusammen.
Aber zumindest bis zum Sommer geht es in dieser Zweierbeziehung weiter. Die Chance auf einen anderen Verein ist für ein halbes Jahr wieder vorbei, die Transferperiode am 31. Januar abgelaufen. Und so müssen sie bei ihren alten Clubs weitermachen - Babel und all die anderen, denen ein Wechsel durchaus gut getan hätte.
Selbst beim Branchenführer FC Bayern München, allgemein als Endstation Sehnsucht eines deutschen Fußballers bekannt, gab es sie immer - die Profis, die woanders besser aufgehoben wären. Das ist auch aktuell nicht anders. Seit vier Jahren gehört der Brasilianer Breno zum Kader der Erlesenen. Und immer noch wirkt der Verteidiger wie ein Fremdkörper im Team, macht eher durch Schlagzeilen abseits des Platzes auf sich aufmerksam.
Langsam reicht es wohl auch den Verantwortlichen. "Er hat es bei vier Trainern nicht geschafft, Stammspieler zu werden. Das ist etwas, was mich irritiert", sagt Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge. Da hilft nur ein Vereinswechsel.
Der Teamkollege Daniel Pranjic verwehrt blieb. Der Kroate, unter Trainer Jupp Heynckes nur noch Teilzeitkraft, wollte zum FC Everton in die Premier League wechseln. Der FC Bayern stellte sich quer, und Pranjic jammert nun in der kroatischen Presse: "Mir wurde eine Chance verbaut. Ich bin sehr unglücklich."
Farfán und Barrios haben das Zeug zum Unruheherd
Titelkonkurrent FC Schalke 04 hat Stürmer Jefferson Farfán behalten, obwohl der Angreifer wiederholt mit seinem Abgang kokettiert hatte. Der Club hat quasi mit einer erzieherischen Maßnahme geantwortet und den Nigerianer Chinedu Obasi als Rivalen geholt. Wenn es schlecht läuft, hat Farfán eine frustrierende Rückrunde vor sich und darf sich intensiv mit dem Studium des Transfermarkts beschäftigen.
Das hat Lucas Barrios von Borussia Dortmund schon hinter sich - ohne Erfolg. Ein Wechsel des in seinem Stolz gekränkten Stürmerhelden der Meistersaison war geplatzt. Dennoch: Auf seiner Facebook-Seite schrieb er am Dienstagabend, wie glücklich er sei. Glücklich, beim BVB bleiben zu dürfen. Der 27-Jährige, mit 35 Toren in 76 Bundesliga-Spielen einer der treffsichersten Angreifer der Liga, macht seit dem Höhenflug des Polen Robert Lewandowski unliebsame Erfahrungen mit der Auswechselbank im Dortmunder Stadion.
Dass Barrios nun wohl erst im Sommer wechseln darf, ist für beide Seiten ein Risiko. Der Spieler wirkte bisher allen Bekundungen zum Trotz wenig motiviert, an seiner Lage etwas zu ändern - und der Verein muss einen latent unzufriedenen Profi irgendwie bei Laune halten. Vielleicht hilft dem Nationalspieler Paraguays in einer dunklen Stunde ein Gedanke an jene Kollegen, die viel dafür tun würden, bei einem Spitzenclub unter Vertrag zu stehen.
Helmes am Boden, Ballack am Ende
Es gibt Menschen, die erinnern sich noch an den ersten Auftritt von Patrick Helmes in der deutschen Nationalmannschaft. Damals, im März 2007, kam der Stürmer im Freundschaftsspiel gegen Dänemark zum Einsatz. Und obwohl die DFB-Auswahl schwach spielte und am Ende 0:1 verlor, zeigte Helmes eine starke Leistung, war immer unterwegs und suchte den Torabschluss. Helmes, damals Torjäger beim Zweitligisten 1. FC Köln, hatte eine große Karriere vor sich. Das schien sicher.
Rund fünf Jahre später ist Helmes' Stellung als großer Verlierer der Bundesliga zementiert. Eine Leihe zu Eintracht Frankfurt kam nicht zustande, obwohl der Zweitligist bis an die finanzielle Schmerzgrenze ging. Jetzt muss Helmes beim VfL Wolfsburg bleiben. Jener Station, die für ihn den vorläufigen Tiefpunkt seiner Laufbahn bereithält, inklusive Einzel-Straftraining, Verbannung in der zweiten Mannschaft und Dauerabonnement auf die persönliche Ignore-Liste des Trainers, Felix Magath.
Es ist nur ein schwacher Trost, wenn sich Helmes all die Kollegen im aufgeblähten Wolfsburger Profi-Kader anschaut, die von einem Wechsel ebenfalls profitiert hätten: Patrick Ochs oder Marco Russ etwa. Helmes, der in einem Monat 28 Jahre alt wird, verliert in Wolfsburg mindestens weitere sechs - gutbezahlte - Monate seiner Karriere. Mitleid ist an dieser Stelle dennoch fehl am Platze.
Denn von Michael Ballack ist hier bisher noch gar nicht die Rede gewesen.
Wer hat im Winter einen Wechsel verpasst? SPIEGEL ONLINE zeigt Profis, die am Absprung gescheitert sind.
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