Verpasste Vereinswechsel: Die Sitzenbleiber der Liga

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Patrick Helmes hätte Felix Magath entkommen können, Lucas Barrios der Ersatzbank und Ryan Babel der Provinz. Aber nichts da. Viele Fußballprofis haben im Winter einen Vereinswechsel verpasst. SPIEGEL ONLINE zeigt die größten Verlierer der abgelaufenen Transferperiode.

Transferphase im Winter: Wir bleiben! Fotos
DPA

Woche für Woche befällt den Fußballfan ein beinahe körperlicher Schmerz. Wenn man Ryan Babel im Hoffenheimer Trikot spielen sieht. Der Niederländer galt einmal als eines der größten Talente im europäischen Fußball, er hat für den FC Liverpool in der Champions League gespielt - und jetzt versinkt er mit 1899 Hoffenheim im Mittelmaß der Liga und der süddeutschen Provinz. Babel und Hoffenheim - das passt nicht zusammen.

Aber zumindest bis zum Sommer geht es in dieser Zweierbeziehung weiter. Die Chance auf einen anderen Verein ist für ein halbes Jahr wieder vorbei, die Transferperiode am 31. Januar abgelaufen. Und so müssen sie bei ihren alten Clubs weitermachen - Babel und all die anderen, denen ein Wechsel durchaus gut getan hätte.

Selbst beim Branchenführer FC Bayern München, allgemein als Endstation Sehnsucht eines deutschen Fußballers bekannt, gab es sie immer - die Profis, die woanders besser aufgehoben wären. Das ist auch aktuell nicht anders. Seit vier Jahren gehört der Brasilianer Breno zum Kader der Erlesenen. Und immer noch wirkt der Verteidiger wie ein Fremdkörper im Team, macht eher durch Schlagzeilen abseits des Platzes auf sich aufmerksam.

Langsam reicht es wohl auch den Verantwortlichen. "Er hat es bei vier Trainern nicht geschafft, Stammspieler zu werden. Das ist etwas, was mich irritiert", sagt Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge. Da hilft nur ein Vereinswechsel.

Der Teamkollege Daniel Pranjic verwehrt blieb. Der Kroate, unter Trainer Jupp Heynckes nur noch Teilzeitkraft, wollte zum FC Everton in die Premier League wechseln. Der FC Bayern stellte sich quer, und Pranjic jammert nun in der kroatischen Presse: "Mir wurde eine Chance verbaut. Ich bin sehr unglücklich."

Farfán und Barrios haben das Zeug zum Unruheherd

Titelkonkurrent FC Schalke 04 hat Stürmer Jefferson Farfán behalten, obwohl der Angreifer wiederholt mit seinem Abgang kokettiert hatte. Der Club hat quasi mit einer erzieherischen Maßnahme geantwortet und den Nigerianer Chinedu Obasi als Rivalen geholt. Wenn es schlecht läuft, hat Farfán eine frustrierende Rückrunde vor sich und darf sich intensiv mit dem Studium des Transfermarkts beschäftigen.

Das hat Lucas Barrios von Borussia Dortmund schon hinter sich - ohne Erfolg. Ein Wechsel des in seinem Stolz gekränkten Stürmerhelden der Meistersaison war geplatzt. Dennoch: Auf seiner Facebook-Seite schrieb er am Dienstagabend, wie glücklich er sei. Glücklich, beim BVB bleiben zu dürfen. Der 27-Jährige, mit 35 Toren in 76 Bundesliga-Spielen einer der treffsichersten Angreifer der Liga, macht seit dem Höhenflug des Polen Robert Lewandowski unliebsame Erfahrungen mit der Auswechselbank im Dortmunder Stadion.

Dass Barrios nun wohl erst im Sommer wechseln darf, ist für beide Seiten ein Risiko. Der Spieler wirkte bisher allen Bekundungen zum Trotz wenig motiviert, an seiner Lage etwas zu ändern - und der Verein muss einen latent unzufriedenen Profi irgendwie bei Laune halten. Vielleicht hilft dem Nationalspieler Paraguays in einer dunklen Stunde ein Gedanke an jene Kollegen, die viel dafür tun würden, bei einem Spitzenclub unter Vertrag zu stehen.

Helmes am Boden, Ballack am Ende

Es gibt Menschen, die erinnern sich noch an den ersten Auftritt von Patrick Helmes in der deutschen Nationalmannschaft. Damals, im März 2007, kam der Stürmer im Freundschaftsspiel gegen Dänemark zum Einsatz. Und obwohl die DFB-Auswahl schwach spielte und am Ende 0:1 verlor, zeigte Helmes eine starke Leistung, war immer unterwegs und suchte den Torabschluss. Helmes, damals Torjäger beim Zweitligisten 1. FC Köln, hatte eine große Karriere vor sich. Das schien sicher.

Rund fünf Jahre später ist Helmes' Stellung als großer Verlierer der Bundesliga zementiert. Eine Leihe zu Eintracht Frankfurt kam nicht zustande, obwohl der Zweitligist bis an die finanzielle Schmerzgrenze ging. Jetzt muss Helmes beim VfL Wolfsburg bleiben. Jener Station, die für ihn den vorläufigen Tiefpunkt seiner Laufbahn bereithält, inklusive Einzel-Straftraining, Verbannung in der zweiten Mannschaft und Dauerabonnement auf die persönliche Ignore-Liste des Trainers, Felix Magath.

Es ist nur ein schwacher Trost, wenn sich Helmes all die Kollegen im aufgeblähten Wolfsburger Profi-Kader anschaut, die von einem Wechsel ebenfalls profitiert hätten: Patrick Ochs oder Marco Russ etwa. Helmes, der in einem Monat 28 Jahre alt wird, verliert in Wolfsburg mindestens weitere sechs - gutbezahlte - Monate seiner Karriere. Mitleid ist an dieser Stelle dennoch fehl am Platze.

Denn von Michael Ballack ist hier bisher noch gar nicht die Rede gewesen.

Wer hat im Winter einen Wechsel verpasst? SPIEGEL ONLINE zeigt Profis, die am Absprung gescheitert sind.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Interessantes Thema!
doc 123 01.02.2012
Zitat von sysopPatrick Helmes*hätte Felix Magath entkommen können, Lucas Barrios*der Ersatzbank*und Ryan Babel der Provinz. Aber nichts da. Viele Fußballprofis haben im Winter einen Vereinswechsel verpasst. SPIEGEL ONLINE zeigt die größten Verlierer der abgelaufenen Transferperiode. Verpasste Vereinswechsel: Die Sitzenbleiber der Liga - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,812698,00.html)
Keine Ahnung, wieso man Barrios, den Top-Torschützen der letzten Saison derartig versauern lässt. Bin ja ansonsten ein ausgesprochener Dortmund-Fan "das Maß aller Dinge", diese Maßnahme verstehe ich jedoch rein gar nicht. Es wäre ja wohl keinerlei Problem Lewandoski in die zentrale MF-Position zurückzuziehen und dann dennoch Barrios spielen zu lassen. ABER mal ein Vorsclag für ein neues Thema. Vollständig abstruse Transfers. In Stuttgart wird ein Spieler verpflcihtet, mit z.N. Kreuzbandriss und erkanntem Knorpelschaden und das nicht NUR für ein Jahr sondern für 4 1/2 und das zu einem Gehalt von ca. 2,5 Millionen. Wann werden eigentlich endlich, diese x-matischen Manager für ihre Handlungen "persönlich" haftbar gemacht? - Wäre man ein interessantes Thema!
2. Babel
Solschenizyn 01.02.2012
Babel mag nicht nach Hoffenheim passen, aber man darf auch ruhig erwähnen, dass er sich in Liverpool kaum weiterentwickelt hat und in den dreieinhalb Jahren dort nie richtiger Stammspieler war.
3. Barrios versauert im Grunde nicht
cancun771 01.02.2012
Zitat von doc 123Keine Ahnung, wieso man Barrios, den Top-Torschützen der letzten Saison derartig versauern lässt. Bin ja ansonsten ein ausgesprochener Dortmund-Fan "das Maß aller Dinge", diese Maßnahme verstehe ich jedoch rein gar nicht. Es wäre ja wohl keinerlei Problem Lewandoski in die zentrale MF-Position zurückzuziehen und dann dennoch Barrios spielen zu lassen.
Das Dumme ist, dass Lewandowski einen derartigen Lauf hat. Dass der Trainer da erstmal nicht reinpfuschen will, solange es läuft, kann ich nachvollziehen. Von "versauern lassen" kann zudem aus meiner Sicht nicht wirklich die Rede sein. Die ersten sechs Spiele war er noch verletzt. Als er wieder einsatzfähig war, wurde er in zehn von 13 Spielen eingewechselt, davon sechs Mal vor der 80. Minute. Er hat da aber irgendwie nix gerissen. Ich halte ihn ebenfalls für einen tollen Stürmer und würde mir wünschen, dass er wieder in die Gänge kommt und auch im Sommer nicht die Biege macht. Aber er muss da seine Chancen besser nutzen, mehr Leistung und Motivation an den Tag legen. Man vergleiche Lewandowski in der Hinrunde der Meistersaison, der mal eine Zeit lang wegen Formschwäche ebenfalls nur gegen Ende eingewechselt wurde, aber in der Zeit dann praktisch immer ein Joker-Tor erzielte.
4. Je nun
cancun771 01.02.2012
Zitat von doc 123ABER mal ein Vorsclag für ein neues Thema. Vollständig abstruse Transfers. In Stuttgart wird ein Spieler verpflcihtet, mit z.N. Kreuzbandriss und erkanntem Knorpelschaden und das nicht NUR für ein Jahr sondern für 4 1/2 und das zu einem Gehalt von ca. 2,5 Millionen.
Ich nehme an, Sie reden von Ibisevic. Die benannten gesundheitlichen Probleme haben ihn jedenfalls in Hoffenheim nicht vom Tore schießen abgehalten, trotz stellenweise nicht gerade euphorischer Unterstützung durch die restliche Mannschaft...
5. Gejammer auf
wind_stopper 01.02.2012
Zitat von sysopPatrick Helmes*hätte Felix Magath entkommen können, Lucas Barrios*der Ersatzbank*und Ryan Babel der Provinz. Aber nichts da. Viele Fußballprofis haben im Winter einen Vereinswechsel verpasst. SPIEGEL ONLINE zeigt die größten Verlierer der abgelaufenen Transferperiode. Verpasste Vereinswechsel: Die Sitzenbleiber der Liga - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,812698,00.html)
hohem Niveau ... ich stelle mir mal vor mein derzeitiges Jahresgehalt pro Woche zu verdienen - fuer einen Zeitraum von vielleicht 10 Jahren. Da komme ich zum Schluss, dass es mir recht egal waere, ob ich dafuer bei Konferenzen nicht mit machen duerfte, sondern auf der Bank sitzen muesste. Ungluecklich hier und der Schuh drueckt da, man Leute, als Fussball Profis verdient Ihr soviel Kohle in einem Jahr, wofuer normale Leute mindestens 10 Jahre in einem bescheidenen Arbeitsklima aushalten muessen. laecherlich!!!!
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