Hamburg - Die Bombe platzte um 14.50 Uhr. Es war der Zeitpunkt, an dem Wolfgang Overath als Präsident des 1. FC Köln zurücktrat. "Ich bitte den Verwaltungsrat um Verständnis, dass wir vorher darüber nicht gesprochen haben", sagte Overath bei der Mitgliederversammlung des Clubs am Sonntag in der Kölner Arena. Mit dem 68-Jährigen traten auch dessen Stellvertreter Friedrich Neukirch und Jürgen Glowacz zurück.
Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, betonte Overath, der seit 2004 an der Spitze des Vereins stand. "Der FC ist für die Zukunft gut aufgestellt. Wir gehen mit einem guten Gefühl. Der FC bleibt immer mein Verein", sagte der Weltmeister von 1974, der von 1963 bis 1977 insgesamt 409 Bundesliga-Spiele für Köln absolvierte und dabei 84 Tore erzielte.
Kurz nach dem Rücktritt des FC-Idols kam es zu Auseinandersetzungen unter den Mitgliedern. Als Oppositions-Sprecher Stefan Müller-Römer von der Initiative "FC-Reloaded" die Bühne betritt, beginnen Tumulte, die laut einem Bericht des "Express" in einer handfesten Schlägerei endeten. Sogar die Saal-Security habe eingreifen müssen. Die Initiative, die mehr Mitsprache forderte, hatte zuletzt immer wieder Overath kritisiert.
Denkzettel für Overath bei der Versammlung im vergangenen Jahr
Noch im Verlauf dieser Woche hatte Overath erklärt, er werde erst 2013 nicht wieder als Präsident kandidieren. Nun folgte die überraschende Wende. Über Nachfolger für Overath und seine Vizepräsidenten war zunächst noch nichts bekannt. "Die Belastung in den letzten Monaten war für uns alle, die wir beruflich noch stark engagiert sind, sehr hoch", hieß es in einer schriftlichen Erklärung zum Rücktritt.
Es darf jedoch bezweifelt werden, dass allein die Belastung ausschlaggebend für den Rücktritt war. Overath sprach vor den Mitgliedern von "Verunglimpfungen" durch eine "kleine Gruppe" im Verein. Zudem sagte er: "Wir wollen uns nicht mehr über Spielberichte ärgern. Nicht mehr die Wochenenden versauen." Bei der Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr hatten Overath und Co. einen Denkzettel erhalten, als die Mitglieder dem Vorstand die Entlastung verweigerten.
Overath hatte den damals gerade aus der Bundesliga abgestiegenen FC im Sommer 2004 übernommen. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, Trainer Marcel Koller zu entlassen und Huub Stevens als neuen Coach zu installieren. Nach dem Aufstieg 2005 folgte 2006 der erneute Abstieg. Erst 2008 gelang die Rückkehr in die erste Bundesliga. Derzeit belasten den Club Schulden in Millionenhöhe und die Wechselgedanken des einzigen Kölner Stars Lukas Podolski.
ham/sid/dpa/dapd
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