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Verschwörungstheorien im Fußball Fischeier für den Schiriobmann

Fußball-Verschwörungen: Die Vitamin-C-Helden von Bern
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dpa/dpaweb

3. Teil: Eine spanische Pressedebatte, ob Schiedsrichter parteiisch oder nur unfähig sind und Vermutungen über italienische Schauspieleinlagen

17 - Wenige Wochen vor der WM 1970 in Mexiko wurde Englands Kapitän Bobby Moore in Kolumbien inhaftiert. Vorwurf: Er habe ein Armband in einem Hotelladen geklaut. Moore bangte um seine Turnierteilnahme. Die Vorwürfe ließ man jedoch auf diplomatischen Druck hin bald wieder fallen. Die englische Presse mutmaßte, Kolumbiens Geheimdienst habe die Aktion eingefädelt, um die antibritische Haltung der Südamerikaner zu schüren.

18 - Die WM 1986 gilt gemeinhin als das heißeste Turnier der Geschichte. Deutschlands Torwart Toni Schumacher ahnte bald, warum man die Spiele trotz der offenkundigen Nachteile für die Spieler auf dem Platz in die Mittagshitze verschoben hatte: "Der Rasen ist wie trockene Scheiße: hart, seltsam, feindlich. Die Sonne explodiert über unseren Köpfen. Wir werfen keine Schatten. Es heißt, das sei gut fürs Fernsehen."

19 - Dass die Weltmeisterschaft 1934 als propagandistisches Werkzeug des italienischen Diktators Benito Mussolini missbraucht wurde, ist längst kein Geheimnis mehr. Wohl aber, dass Mussolini Italiens Qualifikationsgegner Griechenland mit Zuwendungen im Wert von umgerechnet 300.000 Euro geschmiert und so ein Rückspiel verhindert haben soll. Italiens 4:0-Erfolg im Hinspiel reichte dem Gastgeber zur Teilnahme im eigenen Land und letztlich auch zum Titelgewinn.

20 - Immer noch ungeklärt sind die genauen Hintergründe des "Büchsenwurfs vom Bökelberg", der den 7:1-Sieg der Gladbacher gegen Inter Mailand 1971 nachträglich ungültig machte. Der damalige Schiedsrichter Jef Dorpmans sagte später über die entscheidende Szene mit dem angeblich bewusstlosen Roberto Boninsegna: "Bei den Italienern konnte man seinerzeit fast davon ausgehen, dass es sich bei der Aktion um Schauspielerei handelte. Aber ich hatte keine Beweise."

21 - Dass jeweils vor wichtigen Qualifikationsspielen gegen England den kroatischen Ausnahmespielern Eduardo (2008 gegen Martin Taylor) und Luka Modric (2009 gegen Lee Bowyer) ausgerechnet von englischen Fußballern das Bein zertreten wurde, hat den Beziehungen beider Länder einen Knacks versetzt. Verbandspräsident Vlatko Markovic schäumte erst kürzlich nach dem Beinbruch des grazilen Mittelfeldspielers: "Letztes Jahr Eduardo, jetzt Modric. Ich kann mich da nur fragen, ob das Zufall ist oder nicht!"

22 - Der Potsdamer Historiker Giselher Spitzer behauptet, dass beim BFC Dynamo vor der Wende massiv gedopt wurde. Vor dem Europacupspiel 1988 gegen Werder Bremen hätten Andreas Thom, Thomas Doll und Kollegen Amphetamine zum 3:0-Erfolg verholfen. Aus Angst vor Kontrollen habe der BFC im Rückspiel an der Weser auf die synthetische Droge verzichtet. Das Spiel gegen aufgedrehte Werderaner verlor der BFC prompt 0:5.

23 - Im Herbst 2006 wollte die in Spaniens Hauptstadt Madrid erscheinende Sportzeitung "As" eine Verschwörung der gesamten Schiedsrichtergilde gegen die Königlichen und für Barcelona ausgemacht haben. Der lapidare Kommentar des in der katalanischen Metropole produzierten Fachblattes "Sport" ließ nicht lange auf sich warten: "Es gibt keine Verschwörung. Die spanischen Schiedsrichter sind einfach nur furchtbar schlecht. Punktum."

24 - Jeder halbwegs engagierte Verschwörungstheoretiker wird wissen: Italienische Medien verhinderten die Teilnahme von Torsten Frings am Halbfinale der Weltmeisterschaft 2006. Erst Fernsehbilder des italienischen Bezahlsenders Sky hatten den defensiven Mittelfeldmann einer Tätlichkeit nach dem Spiel gegen Argentinien überführt. Den anschließenden Aufruf, ab sofort alle Pizzabringdienste zu boykottieren, missbilligten die Autoren des "Geißblog" gekonnt: "Die Pizzabuden sind doch schon längst in der Hand der Libanesen. Und die können nun wirklich nichts dafür."

25 - Der ehemalige Liverpooler Torwart Bruce Grobbelaar soll gleich bei 25 Spielen absichtlich Tore zugelassen haben, um gemeinsam mit einem malaysischen Wettsyndikat abzukassieren. Das klappte allerdings nicht immer. In einem Video hört man den Keeper sagen: "Ich bin absichtlich falsch runtergetaucht, aber der Ball knallte gegen meine verdammte Hand."

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Magazin für Fußball-Kultur

Nr. 97 - Dezember 2009





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