Stuttgart-Fan Afrob über den VfB: "Die Spieler haben keine Ehre"

Der deutsche Rapper Afrob ist seit 26 Jahren Fan des VfB Stuttgart. In dieser Saison sorgt er sich zum ersten Mal um den Klassenerhalt. Die Spieler würden sich nicht professionell verhalten, klagt der 37-Jährige. Die Mannschaft sei leblos und ohne Führung. Ein Protokoll.

VfB-Fan Afrob: Angst vor dem Abstieg
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VfB-Fan Afrob: Angst vor dem Abstieg


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Ich bin seit knapp 30 Jahren Fan des VfB Stuttgart. Die aktuelle Krise ist also nicht die erste, die ich mit meinem Verein durchlebe. Es ist gar nicht lange her, da standen wir schon einmal ganz unten drin. In der Saison 2010/11 waren wir nach der Hinrunde 17. Auch damals war die Angst vor einem Abstieg groß. Ich habe mir aber keine Sorgen gemacht - und das zu Recht. Am Ende landete der VfB auf Platz zwölf.

In diesem Jahr bin ich weniger optimistisch. Das liegt vor allem an der Art und Weise, wie die Mannschaft sich präsentiert: kein Engagement, kein Enthusiasmus. Kurz: Es ist kein Leben in der Truppe. Ich sehe niemanden, der bereit ist, alles für diesen Verein zu geben. Acht Niederlagen in Folge. Das spricht für sich.

"Wer will einen Abstieg in seiner Vita?"

Natürlich war auch Pech dabei. Einige Spiele wurden erst kurz vor Schluss verloren, wie zum Beispiel gegen Bayern, da schoss Thiago erst in der Nachspielzeit den 2:1-Siegtreffer. Aber ganz ehrlich: Wer es nicht hinbekommt, solche Spiele über die Zeit zu bringen - auch gegen Bayern -, hat in der Bundesliga nichts verloren.

Zur Person
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    Afrob ist ein deutscher Rapper. Seine musikalische Karriere begann Robert Zemichiel, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heißt, in Stuttgart. Gemeinsam mit den Fantastischen Vier und der Gruppe Freundeskreis machte der 37-Jährige Stuttgart Ende der neunziger Jahre zur Rap-Hochburg in Deutschland. Im Sommer erscheint sein fünftes Soloalbum.
Leider ist es für einen Verein wesentlich leichter, den Trainer oder den Sportdirektor auszutauschen, als Teile der Mannschaft zu entlassen. Ich wünschte, es wäre andersherum. Die Spieler, die momentan für den VfB spielen, haben keine Ehre. Das sind in meinen Augen keine Männer. Es geht hier doch nicht nur um den Verein. Es geht auch um die Reputation jedes einzelnen Spielers. Wer will denn bitte einen Abstieg in seiner Vita haben? Ich verstehe einfach nicht, wie man sich im Abstiegskampf so präsentieren kann. Was geht in deren Köpfen vor?

"Wir brauchen einen wie Matthäus oder Effenberg"

Die Mannschaft kann wirklich froh sein, dass die Stuttgarter Ultras größtenteils aus vernünftigen Menschen bestehen. Bei anderen Vereinen würden die Fans wahrscheinlich schon längst auf dem Trainingsplatz stehen und den Spielern Prügel androhen.

Viele Fans geben ihr Leben lang alles für den Verein, auch finanziell. Und die werden auch noch alles geben, wenn der Verein nächstes Jahr in der Zweiten Liga sein sollte. Die Spieler ziehen dann weiter zum nächsten Club. Die scheißen drauf, was mit dem Verein passiert.

Die Mannschaft bräuchte Alphatiere wie Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg. So richtige Arschlöcher. Typen, auf die man eigentlich gar keinen Bock hat, die aber in der Lage sind, ein Team zu führen. So einen will ich. So einer wird aber nicht kommen. Deshalb müssen sich die Spieler, die da sind, endlich zusammenreißen.

Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Da geht es gegen Werder Bremen, den 1. FC Nürnberg und den HSV. Alles direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Ich hoffe, dass wir fünf Punkte aus diesen drei Spielen holen können. Das wäre schon geil. Ob das reicht? Es muss reichen. Ich glaube aber nicht. Wir Schwaben sind eher skeptisch.

Protokoll: Aimen Abdulaziz-Said



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