Heimspieldebüt von Stuttgarts Coach Korkut Drei Punkte gegen das Misstrauen

Pfiffe gegen den neuen VfB-Trainer blieben beim Heimspieldebüt von Tayfun Korkut aus. Dabei war zuvor das Misstrauen gegen den neuen Coach groß gewesen.

Tayfun Korkut
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Tayfun Korkut

Aus Stuttgart berichtet


Tayfun Korkut hatte nicht die geringste Lust, persönlich zu werden. Auf die Frage, wie er sich nach seinem ersten Heimspiel als Stuttgarter Trainer fühle, antwortete er "sehr fokussiert". Auf die Frage, wie er das Ganze während der Partie empfunden habe, fiel die Antwort noch knapper aus: "Fokussiert."

Das hatte jetzt natürlich nicht den ganz großen Nachrichtenwert. Doch andererseits konnte man gut verstehen, dass der Mann sich gerade wohler dabei fühlt, wenn er sich nur zum Geschehen auf dem Platz äußert. Spötter hatten gern wenig schmeichelhafte Statistiken über Korkut verbreitet. Spätestens Nach dem 1:0-Erfolg über Borussia Mönchengladbach waren sie still. Einen Punkteschnitt von zwei Zählern pro Spiel habe der Neue ja jetzt, hieß es im Presseraum. Schließlich habe der VfB unter Korkut ein Remis in Wolfsburg und einen Heimsieg geschafft.

Seine Spieler hatten ihm den Einstand tatsächlich einfach gemacht. Schon nach fünf Minuten traf Daniel Ginczek mit einem satten Schuss ins kurze Eck. Danach spielte der VfB zunächst so weiter, wie er angefangen hatte, attackierte früh und nahm den Gladbachern so die Freude am Spiel. Ab der 25. Spielminute zogen sich die Schwaben zurück, ehe sie im zweiten Durchgang in einem defensiven 5-4-1-System das Nötige taten, um eine enttäuschende Borussia vom eigenen Tor fernzuhalten. Schön war das nicht, aber effektiv.

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Einen besseren Einstand hätte sich ein neuer Trainer gar nicht wünschen können. Schon gar nicht, wenn ihm zuvor so viel Misstrauen entgegengeschlagen ist wie Korkut. Die Kritik hatte dabei mit seiner schwachen Bilanz zu tun. Weder in Kaiserslautern, in Hannover noch in Leverkusen waren ihm viele Siege vergönnt. Das Punkte-Zählen ist allerdings ein bisschen oberflächlich, denn Vernichtendes hört man an keinem der drei Standorte über ihn.

In Lautern hätte man gerne mit ihm weitergemacht, doch Korkut reichte im Dezember 2016 seinen Rücktritt ein. In Leverkusen, wo er die undankbare Aufgabe hatte, den Verein aus der Ära Roger Schmidt zu führen, gelang ihm zumindest eine Befriedung des heillos zerrissenen Kaders. Und dennoch galt Korkut auch dort nicht als der Trainer, der Bayer wieder nach oben führen sollte. Dass ihm das nun das in Stuttgart gelingen soll, zweifelten viele Fans an.

Keine Missfallensbekundungen von den Rängen

Dennoch war der Hauptadressat der vehementen Kritik, die vor allem in den Foren hochkochte, nicht er. Es ging vor allem gegen Präsident Wolfgang Dietrich und Sportdirektor Michael Reschke, denen viele unterstellten, sie wollten durch die Entlassung des populären Hannes Wolf auch einen Abschied von einer Vereinsphilosophie einläuten, die gerade erst 18 Monate zuvor implementiert worden war. Man hatte auf die Jugend setzen und mit weniger Aktionismus zu Werke gehen wollen. Da passte es nicht ganz so gut ins Bild, wenn ein Trainer vor die Tür gesetzt wird, der zum Zeitpunkt der Entlassung nicht einmal auf einem Abstiegsrang war. Beim Spiel gegen Gladbach gab es allerdings keine Missfallensbekundungen von den Rängen - weder gegen Korkut noch gegen Vereinsfunktionäre.

Michael Reschke (l.)
DPA

Michael Reschke (l.)

Den Verdacht, dass Reschke sich als eine Art Trainer-Trainer sieht, konnte er am Sonntag allerdings nicht ausräumen. Der Rheinländer, der Wolf nach der 2:3-Niederlage gegen Mainz durch unverblümte Kritik an dessen taktischer Marschroute geschwächt hatte, kommentierte nun wieder munter die Direktiven von Korkut. Der habe nun "schon zweimal taktisch gute Maßnahmen" ergriffen. Auch die Umstellung auf eine Fünferkette sei richtig gewesen: "Dadurch hat er die Mannschaft stabilisiert."

Andere Sorgen hat derweil die Borussia nach der vierten Niederlage im fünften Spiel. Zumal auch 62 Prozent Ballbesitz und ein Ecken-Verhältnis von 8:1 nichts an dem Eindruck änderten, dass die Mannschaft wieder kein Tor schießen würde. "Wir brauchen nicht drum herum zu reden: Das ist gerade eine schwierige Phase", sagte Trainer Dieter Hecking und kündigte an, vor dem Dortmund-Spiel am Wochenende "daran zu arbeiten, dass der Kopf nicht die Überhand gewinnt." Das wird er in der gebotenen Ruhe tun können. Zumindest hat sich Sportdirektor Max Eberl am Sonntag nicht bemüßigt gefühlt, die taktischen Vorgaben seines Trainers zu kritisieren.

insgesamt 3 Beiträge
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max_mustermann_stgt 11.02.2018
1. Zwiespalt
Den einzigen Kritikpunkt, dem man dem Trainer anlasten könnte, wäre die Aufstellung von Beck und Aogo. Immerhin hat es zu einem Sieg gereicht. Das blöde an der Sache ist nur, dass Reschke und Dietrich Auftrieb bekommen, wenn der Trainer erfolgreich ist. Dabei wäre es wünschenswert, wenn man diese beide Personalien austauschen könnte.
espressodupio 12.02.2018
2. Drei Punkte für den VfB, ...
aber sechs gegen den HSV und Co. Das ist das was am Ende des Tages für den VfB zählt. Daneben muss man auch zur Kenntnis nehmen, dass für den VfB nach Ostern mit dem Restprogramm (Bayern, BVB, LEV) nur noch gegen die Hoffenheimer gefühlte Punkte zu holen sind und der Klassenerhalt bis dahin in trockenen Tüchern stecken muss!!! ⚽️
hamburger.jung 13.02.2018
3.
Bei der Auswärtsschwäche wird Stuttgart weiter solche Spiele brauchen. Dieses Wochenende sind sie mit Bremen der Sieger des Wochenendes. Übler Tag für Köln, Hamburg und Mainz.
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