Stuttgart gegen Hamburg "Chancen, Chancen, Chancen"

Manchmal ist Fußball doch gerecht: Der VfB Stuttgart vergab gegen den HSV erst Torgelegenheiten im Minutentakt und gewann dann doch, als keiner mehr damit rechnete. Alles Wichtige zum Duell der Traditionsteams.

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Jubelnde Stuttgarter: Sieg trotz Hamburger Wetters
Bongarts/Getty Images

Jubelnde Stuttgarter: Sieg trotz Hamburger Wetters


Die Ausgangslage des Spiels: Die Meteorologen beim Wetter-Bezahlsender "Sky" hatten vor der Partie schon "Hamburger Wetter in Stuttgart" ausgemacht. Wind, Regen, Sturm. Der Schwabe liebt das nicht, der Norddeutsche kann ohne nicht. Klare Voraussetzungen also für einen Auswärtssieg.

Das Ergebnis des Spiels: Ein Heimsieg. 2:1 durch Treffer von Aaron Hunt (66./Eigentor) und Artem Krawez (88.). Zwischendurch gelang Artjom Rudnevs auf irgendeine Weise der Ausgleich für den HSV (75.).

Die erste Halbzeit des Spiels: Der Hamburger Sturmwind wehte offenbar nur in eine Richtung - dorthin wo René Adler einen Angriff nach dem anderen auf sich zurollen sah. Der VfB führte eine Art Hommage an den im Dezember entlassenen Trainer Alexander Zorniger auf. Unter dem der VfB bekanntlich Dutzende Chancen herausspielte, aber keine Tore erzielte. Nur dass es diesmal nicht Dutzende waren, sondern gefühlt Hunderte. Der HSV war auch da und freute sich über ein 0:0 zur Pause.

Die zweite Halbzeit des Spiels: Ging einfach so weiter. irgendwann twitterte der VfB über seinen Vereins-Account nur noch resignativ: "Chancen, Chancen, Chancen". Man hatte fast vor Augen, wie der Social-Media-Beauftragte des Klubs dabei traurig eine Flasche Trollinger entkorkte. Bis HSV-Profi Aaron Hunt ein Einsehen hatte und den Ball nach einem Stuttgarter Eckstoß über die eigene Torlinie kullern ließ. Die DFL freute sich sehr, dass ihre teure Torlinientechnik auch einmal zum Einsatz kommen durfte.

Mit dem ungefähr ersten Gegenangriff stellte der HSV zehn Minuten später auf Remis. Und gerade als sich das Spiel für den Award des ungerechtesten Unentschiedens dieser Saison bewerben wollte, köpfte der frisch eingewechselte Krawez den Siegtreffer. Zorniger wird in diesem Moment den Fernseher ausgeschaltet haben.

Spieler des Spiels: Krawez. Krawez. Gesichertes Mittelfeld ante portas.

Duell des Spiels: Stuttgarts Timo Werner gegen HSV-Keeper Adler, gegen das Geschick, gegen alle Fußballgötter, gegen das Hamburger Wetter. Werner ist hochtalentiert, er ist schnell, aber den Ball ohne Umschweife ins Tor zu bringen scheint nicht seine Bestimmung zu sein. Wer je Teamkollegen Martin Harnik als Chancentod bezeichnet hat, muss umdenken.

Wechsel des Spiels: In der 87. Minute wechselte VfB-Coach Jürgen Kramny, zuvor noch ein bisschen mehr ergraut, Alexandru Maxim für den gewohnt umtriebigen Daniel Didavi ein. Maxims erste Ballberührung war eine Maßflanke auf Krawez, der gerade einmal zehn Minuten zuvor das Spielfeld betreten hatte.

Zitat des Spiels: "Der muss jetzt aber drin sein." Sky-Kommentator Kai Dittmann musste sich im Lauf des Spiels mehrfach wiederholen. Irgendwann bekam er dann recht.

Erkenntnis des Spiels: Wenn Kramny-Fußball Zorniger-Fußball sein sollte, der aber anders ausgeht, dann wird der VfB mit dem Abstieg eher wenig zu tun haben. Der HSV dagegen bewegt sich nach seiner dritten Niederlage in Folge und mit nur noch einem Pünktchen Vorsprung vor dem VfB langsam in die Sphären der Tabelle, die am Ende unweigerlich auf die Relegation zulaufen. Also dürfte auch er nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

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Seite 1
Ultras 30.01.2016
1. Super!
Toll geschriebener Artikel, Herr Ahrens. Besser kann man dieses Spiel nicht beschreiben, alles außer einem VfB-Sieg hätte bewiesen, dass Nietzsche wenigstens in Bezug auf den Fußball recht hatte!
mme.saarlodri 30.01.2016
2.
Ich hätte nicht für möglich gehalten heute noch etwas lustigeres zu sehen, als Werner vor dem gegnerischen Tor. Dann las ich Ihren Artikel. Vielen Dank dafür. Ich habe sehr gelacht.
AndreHa 30.01.2016
3.
Der Artikel ist wirklich gut. Genauso habe ich gelitten. Spieler des Tages war allerdings Dié.
derwo 30.01.2016
4. Super Artikel!
Das Sport-Resort von Spon ist inzwischen einigen 'Spezial'-Medien vorzuziehen, klasse kurzweiliger und treffender Artikel.
dreiimweckla 30.01.2016
5. HSV, quo vadis?
Langsam siedelt sich der HSV wieder in jenen Tabellenregion an, wie man es aus der Vergangenheit gewöhnt war! Bedenklicher als das heutige Ergebnis ist die gezeigte Leistung. Der Trend ist eindeutig uns paßt auch irgendwie zur bisherigen Trainerkarriere des Bruno Labbadia! Ich prognostiziert, der HSV wird dieses Jahr die Relegation gegen den Glubb spielen und das war's dann endlich und endgültig! Denn drei Mal ist bekanntlich ja nur Bremer Recht!!! ;-)
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