Weinzierl neuer Stuttgart-Trainer Der VfB soll erfrischender, aggressiver und torgefährlicher werden

Markus Weinzierl ist neuer Trainer beim VfB. Sein Auftrag: "erfrischender Fußball". Die Wahl leuchtet ein. Stuttgarts eigentliche Probleme aber bleiben wohl ungelöst.

Markus Weinzierl
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Markus Weinzierl


Die Trennung des VfB Stuttgart von Tayfun Korkut am Sonntag konnte kaum überraschen. Das lag weniger daran, dass die Bilanz des Trainers mit fünf Punkten nach sieben Spieltagen tatsächlich schwach war. Sondern daran, dass der VfB fast immer im Spätsommer oder Frühherbst einen Trainerwechsel verkündet. 14 Trainer saßen seit 2008 auf der VfB-Bank - nur der HSV hat mehr verschlissen.

Diese Fluktuation ist ein Problem für die Schwaben. Zumal in den vergangenen zehn Jahren selten ein Coach eine ähnliche Spielidee hatte wie sein jeweiliger Vorgänger. Das noch größere Problem ist aber der hohe Anspruch.

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Gerade Präsident Wolfgang Dietrich hat in der Vergangenheit immer wieder Ziele formuliert, die nicht realistisch waren, sprach im vergangenen Mai noch vom oberen Tabellendrittel, das der VfB perspektivisch erreichen wolle. Was allerdings nichts daran ändert, dass mit diesem Kader, der im Sommer mit vielen Millionen vom neuen Anteilseigner Daimler aufgepeppt wurde, zumindest ein einstelliger Tabellenplatz drin sein müsste. Doch spätestens, als Defensiv-Papst Korkut beim Tabellenletzten in Hannover mit acht defensiv ausgerichteten Profis antrat, hatte er die Spieler mit seiner Angst angesteckt. Der VfB verlor 1:3, Korkut musste gehen.

Nun kommt Trainer Nummer 15, Markus Weinzierl. Dass sich der 43-Jährige, der zuletzt Schalke trainiert hatte, als Nummer zwei hinter Wunschkandidat Ralph Hasenhüttl fühlen muss, ist niemandem vorzuwerfen. Es wäre fahrlässig gewesen, bei jemandem mit Hasenhüttls Profil nicht anzufragen. Er hatte RB Leipzig 2017 als Aufsteiger zur Vizemeisterschaft geführt, gilt als sehr guter Taktiker.

Auch die Tatsache, dass Weinzierl 15 Monate lang ohne Job war, muss kein Anlass zur Kritik sein. Denn im Gegensatz zu manch anderem Trainer, der in seiner Verzweiflung nach zwei Monaten ohne Engagement jedes Angebot annimmt, hat Weinzierl gewartet, bis etwas kam, das zu ihm und seinen Ansprüchen passte, die im Übrigen nur unwesentlich geringer sind als jene Hasenhüttls.

"Erfrischender spielen"

Die Zielvorgabe für den Neuen hat Sportvorstand Michael Reschke so formuliert: "Es geht darum, ein bisschen erfrischender, aggressiver und torgefährlicher zu spielen." Darum ging es allerdings bereits vor der Saison. Dass Reschke Korkut damals zutraute, diese Art von Fußball spielen zu lassen und dessen Vertrag ohne Not bis 2020 verlängerte, gehört zu den Fehlern, die sich der eloquente Rheinländer vorhalten lassen muss. Schließlich war Korkut bei seinen bisherigen Profistationen stets auf Stabilität bedacht gewesen. Reschke hätte wissen können, dass das nicht passen würde.

Einiges deutet allerdings darauf hin, dass sich die Schwaben ausführlicher mit Weinzierl beschäftigt haben als sie das zuvor bei Korkut getan hatten. Das schwache Umschaltspiel wurde als eine der Hauptgründe für Tabellenplatz 18 erkannt. Gerade das hat Weinzierl aber in seiner Augsburger Zeit so fest implementiert, dass es seither zum Erkennungszeichen jeder Augsburger Mannschaft wurde (außer der unter dem Missverständnis Dirk Schuster).

Außen fehlt Tempo, im Zentrum ein Sechser

Fraglich ist allerdings, ob Weinzierl sein Spiel in Stuttgart mit der Konsequenz durchsetzen kann, wie er das einige Kilometer östlich tun konnte. Bei aller individuellen Qualität fehlt es dem VfB-Kader auf den Außenbahnen an Tempo, ein spielintelligenter Sechser ist nicht auszumachen, keine Mannschaft spielte bislang so wenige Pässe in die Sturmspitze, wo man mit Mario Gomez, Anastasios Donis und Nicolás González eigentlich gut besetzt ist.

Dennoch dürfte es beim VfB, der an sich eine offensivstarke Mannschaft hat, bald besser werden. Zum einen wird Weinzierl wohl im Winter noch mal einkaufen dürfen. Und zum anderen ist er ein Trainer, der zwar weder auf Schalke noch in Augsburg Harakiri spielen ließ, aber dennoch nicht in Panik gerät, wenn eine Mannschaft, die Fußball spielen kann, auch wirklich Fußball spielt - statt nur zu verteidigen. Dem VfB kann das nur gut tun.



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mariomeyer 09.10.2018
1. Yo!
"Erfrischender. Aggressiver. Torgefährlicher". Echt jetzt? Am Ende vielleicht sogar erfolgreicher? Ich bin begeistert. So hat noch kein neuer Trainer seine Ziele definiert. Noch nie.
Levator 09.10.2018
2. Viel Glück
und eine längere Halbwertszeit wünsche ich dem neuen Übungsleiter. Als Dunkelroter bin ich im Übrigen mit einem Platz im gesicherten Mittelfeld schon äußerst zufrieden und mit mir wahrscheinlich tausende von VfB-Fans! Also festina lente oder für Nichtlateiner: Eile mit Weile!
PARLIAMENT 09.10.2018
3. Von Tigern und Bettvorlegern
Mit Augsburg ist er aufgestiegen, man erreichte mit bescheidenen Mitteln sehr viel und man spielte einen guten Fußball. Chapeau. Er wurde mit einer Ablöse von Schalke aus dem Vertrag gekauft… schon eine hohe Wertschätzung für einen Trainer. Und ab hier geht´s bergab. Der als Tiger gekommene landete als Bettvorleger. Und jetzt ? Ich prophezeie, dass er die Saison nicht übersteht oder aus ihm ein Abstiegstrainer wird. Da schließt sich der Kreis.
kloppononstoppo 09.10.2018
4. Jugendwahn?...Nein - Alterswahn...
Da werden sich die Nachwuchsspieler beim VFB aber freuen...und sich schleunigst anderweitig umtun. Wenn es in Deutschland einen Trainer gibt, der eigene Nachwuchsspieler noch mehr ignoriert als Bruno Labbadia, so ist dies Weinzierl. Lediglich die, die es vor seiner Zeit schon in den Kader geschafft haben, können wie z.B. Özcan jetzt oder Kehrer (damals bei Schalke) noch hoffen. Alle anderen werden in den sauren Apfel der Regionalliga Südwest oder der entsprechenden A-Jugend BuLi-Staffel beißen müssen. Während die Herren damals beim FCA Framberger, Richter oder Erik Thommy ihren Durchbruch der Demission von Weinzierl zu verdanken hatten.. Ach halt... der Thommy spielt ja jetzt beim VFB! Na so ein Pech aber auch...
kai.friedrich 09.10.2018
5. Nur noch Geschäft
Fußball hat nix mehr mit Sport zu tun, kein Verein setzt auf Kontinuität, Trainer werden nach kürzester Zeit gefeuert, ein Aufbau findet überhaupt nicht mehr statt. Die Ablösesummen steigen ins unermessliche, die Gehälter ebenso... nur noch zum Kopf schütteln...
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