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VfB Stuttgart: Ruhiger statt Zorniger

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Gegen Dortmund hatte Jürgen Kramny seine Premiere als VfB-Trainer und ging 1:4 unter. Nun treffen die Teams im DFB-Pokal aufeinander - doch inzwischen hat er Stuttgart zur Mannschaft der Stunde gemacht.

Jürgen Kramny hatte gerade erst auf der Trainerbank im Dortmunder Stadion Platz genommen, da riss es ihn schon wieder aus dem Sitz. Keine drei Minuten waren gespielt, und Kramny hatte schon sein erstes Gegentor hinnehmen müssen als neuer Coach des VfB Stuttgart.

1:4 verlor seine Mannschaft Ende November letztlich beim BVB - mit Kramny auf der Bank, aber noch ziemlich viel Zorniger auf dem Platz und in den Köpfen.

Alexander Zorniger hatte den VfB zum Saisonbeginn übernommen und war mit großen Zielen und lauten Sprüchen angetreten. Er hatte mit seinem fraglos talentierten Team die Gegner überrennen wollen, doch die Stuttgarter gerieten schon beim Start ins Straucheln und kamen nicht mehr auf die Beine. Bis Kramny übernahm.

Seit der Niederlage in Dortmund hat Stuttgart kein Spiel mehr verloren und sich vom letzten Tabellenplatz bis auf den zwölften Platz vorgearbeitet. 14 Punkte in sieben Spielen, vier Bundesligasiege in Serie: Nach dem dritten Spieltag der Rückrunde ist Stuttgart Erster, wenn man lediglich die absolvierten Partien im Jahr 2016 betrachtet. Der VfB ist fraglos die Mannschaft der Stunde.

Und nun könnte der Verein auch noch den Sprung ins DFB-Pokalhalbfinale schaffen. Der Gegner am Abend heißt: Borussia Dortmund (Anpfiff 20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

"Halbfinale ist nicht unmöglich"

Das Selbstvertrauen ist groß bei der Mannschaft der Stunde. "In unserer Verfassung ist das Halbfinale nicht unmöglich", sagt Kramny: "Zwei Spiele, dann bist du in Berlin. Muss ich da noch eine Motivationsrede halten? Jeder Einzelne, der auf dem Platz stehen wird, hat den Willen zu gewinnen."

Viel scheint sich getan zu haben seit der Klatsche im November. Aber was genau?

Sportdirektor Robin Dutt, der Zorniger geholt und dann auch wieder verabschiedet hatte, sagte während der Winterpause im SPIEGEL-ONLINE-Interview: "Wir wollen nach wie vor mutigen Fußball spielen. Jürgen Kramny geht jetzt einfach etwas zurück, um die Mannschaft zu stabilisieren."

Kramny hat den Stil von Zorniger nicht komplett verworfen, sondern seinen Spielern vor allem ein bisschen mehr Ruhe verordnet. Auch Kramny will, dass der Gegner früh unter Druck gesetzt wird, aber er ist abgerückt vom Pressing zum Selbstzweck.

Bei seiner Premiere in Dortmund hatte der 44-Jährige noch mit ansehen müssen, wie sein Team gegen die offensivstarken Dortmunder vom Anpfiff weg attackierte. Zwei Minuten ging das gut, dann hatte Gonzalo Castro getroffen. Unter Kramny hat Stuttgart das Risiko deutlich minimiert, die Abwehr konnte sich so stabilisieren. Bis zur Zorniger-Entlassung setzte es 31 Gegentore in 13 Partien. Seitdem sind zehn Gegentore in sieben Spielen dazugekommen.

Niemand verkörpert den Aufschwung so wie Georg Niedermeier. Der 29-Jährige war unter Zorniger aussortiert worden. Nun ordnet er die Defensive wieder mit viel Übersicht, am Wochenende beim 4:2 gegen Eintracht Frankfurt traf er per Kopf und gab einen Assist.

Mehr Ruhe - auch vor dem Tor

"Wir spielen gut in der Defensive, aber die Offensive leidet nicht darunter", sagt Dutt. Ein weiterer Faktor für den Aufschwung der Schwaben ist die Effizienz vor dem Tor. Unter Kramny weist das Team eine Chancenverwertung von knapp 25 Prozent auf, unter Zorniger lag der Wert lediglich bei 17 Prozent.

Kramny kennt sich nicht nur aus mit Taktik, er hat auch ein gutes Händchen für seine Spieler. Dutt sagt: "Er nimmt sich selbst nicht so wichtig, und so fühlt sich jeder in seiner Umgebung ein Stück weit wichtiger."

Es sei ein neuer Geist entstanden. Das zeigt beispielweise der Umgang des Trainers mit dem immer noch unerfahrenen, aber hochtalentierten Timo Werner. Der Coach stärkt den 19-Jährigen mit Garantien auf Einsätze und betont dessen Entwicklung regelmäßig vor der Presse. Zorniger hatte sich dagegen über den "Küsschen-Torjubel" von Werner lustig gemacht und ihn öffentlich mit Gesten von der Seitenlinie bloßgestellt.

Kramny kennt sich aus mit jungen Spielern. Seit 2010 ist er beim VfB angestellt, zwischenzeitlich war er Co-Trainer von Jens Keller, aber überwiegend kümmerte er sich um die zweite Mannschaft. Zuvor hatte Kramny als Jugendtrainer beim FSV Mainz 05 gearbeitet, wo der geborene Ludwigsburger auch die längste Zeit seiner aktiven Karriere verbrachte (1997 bis 2005).

Die selbstbewussten Sprüche, mit denen Zorniger sich selbst unter Druck gesetzt hatte, hört man von Kramny nicht. Er ist ein sorgfältiger Arbeiter, und er hat immer noch gut zu tun. Dutt sagt: "Wir müssen noch ein paar Basics aufarbeiten." Bisher klappt das schon ziemlich gut.

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    Seite 1    
1. Vfb
nummer50 09.02.2016
Ich sehe heute Abend gute Chancen für den VFB, dass er das Spiel gewinnt. Stuttgart hat gerade einen Lauf und der BVB scheint doch etwas zu schwächeln, wenn man die letzten Ergebnisse sieht.
2. Wenn nicht jetzt wann dann
spon-1309986622190 09.02.2016
So schwach trifft man die Dortmunder selten an.
3.
May 09.02.2016
Man muss ehrlich sein und dem BVB nach wie vor die besseren Karten zugestehen. Stuttgart hat eine tolle Offensive, einzig die Durchschlagskraft eines Timo Werner laesst zu wuenschen uebrig. Der zweifellos sehr talentierte Stuermer denkt vor dem Tor leider oft noch einen moment zu viel nach. Verglichen mit Dortmund gibt es hier nur ein kleines Plus auf Seiten des BVB. Aber die Abwehr ist die grosse Unbekannte beim VfB. Der wiedererstarkte Niedermeier strahlt zwar wieder mehr Sicherheit aus, aber auch gegen Frankfurt haette es durchaus noch deutlich mehr Gegentore geben koennen. Es bedarf schon einer extrem beherzten Leistung des VfB um ins Halbfinale einziehen zu koennen.
4. Da kann man VFB Fan bleiben oder werden
Ge-spiegelt 09.02.2016
Manchmal ist doch der Trainer schuld. Ein Sieg gegen Dortmund, das wär's!
5. BVB ist Favorit
spatialeffect 09.02.2016
Die Karten sind für den VfB nicht mehr ganz so schlecht verteilt, wie beim Aufeinandertreffen in der Liga, aber der BVB hat trotzdem die eindeutig bessere Mannschaft. Und damit ist der BVB auch der erste richtige Test des VfB-Aufschwungs. Die letzten Gegner waren halt doch eher Bundesliga-Mittelmaß. Wenigstens darf man auf ein spannendes Spiel hoffen. Übrigens ist der Artikel zum Spiel dann doch sehr oberflächlich und Klischeebehaftet. Niedermeier profitiert von der kompakteren Spielweise, die Verteidigung produziert aber immer noch genügend Böcke. Und Werner war auch schon vor Zornigers Entlassung im Aufschwung. Da profitiert Kramny vielleicht sogar von der ruppigen Kritik seines Vorgängers.
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