Bayern-Sieg beim VfB Stuttgart Das "e" in Goretzka steht für "elegant"

Stuttgart macht viel richtig und hat trotzdem keine Chance. Goretzka, Lewandowski und Müller entscheiden das Spiel. Erkenntnis: Der FC Bayern ist auch unter Niko Kovac viel zu gut für die Bundesliga.

Leon Goretzka (M.)
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Leon Goretzka (M.)

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Der Mann des Spiels: Leon Goretzka. Der deutsche Nationalspieler war neben Mats Hummels und Arjen Robben als einer von drei neuen Spielern in die Münchner Startelf gerückt - und gleich der auffälligste Mann. Als Sechser? Als Achter? Von beidem ein wenig, wobei sein Teamkollege Thiago Alcántara tatsächlich etwas tiefer agierte. Ganz sicher aber war Goretzka: der Matchwinner.

Das Ergebnis: 0:3 (0:1). Der FC Bayern gewinnt ohne größere Probleme beim VfB Stuttgart. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: "Klar haben wir uns was ausgedacht. Wir sind vorbereitet", hatte Tayfun Korkut angekündigt. Was meinte der VfB-Trainer? Stuttgart agierte gegen den Ball in einer 4-5-1-Grundordnung, führte vor allem im Zentrum seine Zweikämpfe konsequent und oft erfolgreich. Eine Folge: Der FC Bayern kam kaum gefährlich in den Stuttgarter Strafraum. Eine weitere Folge: Der VfB (30 Prozent Ballbesitz) kam selbst nur zu wenigen Offensivvorstößen. Echte Torchancen gab es nicht. Zumindest 36 Minuten lang.

Die 37. Minute: Jérôme Boateng - der nicht zu PSG durfte - spielte in die Spitze. Über Robert Lewandowski und Thomas Müller landete der Ball an der Strafraumkante bei Leon Goretzka. Der VfB war wirklich nur einen winzigen Moment unsortiert, das aber reichte Goretzka: In aller Ruhe schlenzte er den Ball ins rechte untere Eck - und es hieß 1:0 für die Gäste. These: Das "e" in Goretzka steht für elegant. Oder effizient. Oder ergebnisorientiert. Ein Treffer, wie ihn im deutschen Vereinsfußball aktuell nur der FC Bayern erzielen kann.

Leon Goretzka trifft zum 0:1
DANIEL MAURER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Leon Goretzka trifft zum 0:1

#DieMannschaft: "Die Mannschaft ist fokussiert", hatte Niko Kovac vor dem Anpfiff bei Sky gesagt. "Die Mannschaft will sich die Tabellenführung holen." Die Mannschaft hier, die Mannschaft da. Sollte der DFB sich im Zuge seiner mehrmonatigen WM-Aufarbeitung nach intensivem Dialog mit den "Stakeholdern" tatsächlich dazu durchringen, diesen Spitznamen abzulegen, ist zu erahnen, wer ihn sich im Anschluss schnappen könnte.

Mit gleich zwei Ausrufezeichen: Traditionell geht dem ersten VfB-Heimspiel ein kurzer Fanmarsch voraus, vom Bahnhof Bad Cannstatt bis zum Stadion. Diesmal gab die sogenannte Karawane Cannstatt ein eindeutiges Votum dafür ab, die Investorenschutzklausel in der Bundesliga in irgendeiner Art zu reformieren. "Unverhandelbar! 50+1 bleibt!"

Die "Karawane Cannstatt"
DPA

Die "Karawane Cannstatt"

Die zweite Hälfte: #DieMannschaft startete gleich mit mehreren Großchancen. David Alaba setzte einen Freistoß an den linken VfB-Pfosten (49.), Goretzka einen Kopfball knapp am Tor vorbei (52.). Hummels scheiterte an VfB-Keeper Ron-Robert Zieler (56.). Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit: Goretzka legte dann in der 62. Minute für Robert Lewandowski auf, der den Ball präzise ins lange Eck platzierte. Auch das zweite Bayern-Tor war etwas aus der Kategorie "brutal gut ausgeführt". Treffer Nummer drei steuerte schließlich Müller bei, nach Hackenzuspiel von Lewandowski. Wer kann, der kann.

Flügelzange, 69 Jahre alt, gut erhalten: Franck Ribéry absolvierte in Stuttgart sein 250. Bundesligaspiel. Das klingt eindrucksvoll, ist es aber nicht: Ribéry, 35, spielt schließlich schon seit elf Jahren in München. Auf dem anderen Flügel: Robben, mittlerweile 34 Jahre alt. Diese Saison müssen die beiden noch durchhalten, für die Bundesliga scheint es locker zu reichen.

Erkenntnis des Spiels: Wer geglaubt hatte, unter Neu-Trainer Kovac brauche der FC Bayern vielleicht ein wenig Anlaufzeit, dürfte die Hoffnung auf eine spannende Bundesliga-Entscheidung spätestens jetzt auf die Saison 2019/2020 verschoben haben. Topvorbereitet, topmotiviert, dazu "ein überragendes Spielerpotenzial" (VfB-Sportvorstand Michael Reschke), diese Bayern sind der Liga entwachsen. Stuttgart, immerhin der Vorjahressiebte, hat wenig falsch gemacht - und war mit dem Ergebnis am Ende trotzdem noch gut bedient. Es dürfte eine Blaupause für seeehr viele Ligaspiele mit Beteiligung der Münchner gewesen sein. Das "l" in Bundesliga steht wahrscheinlich für langweilig.

VfB Stuttgart - FC Bayern München 0:3 (0:1)
0:1 Goretzka (37.)
0:2 Lewandowski (62.)
0:3 Müller (76.)
Stuttgart: Zieler - Maffeo, Baumgartl, Pavard, Insua - Aogo - Donis (57. Thommy), Castro (78. Akolo), Ascacibar, Gentner (64. Didavi) - Gomez
Bayern: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba - Thiago - Robben (78. James), Müller (80. Tolisso), Goretzka, Ribéry (77. Gnabry) - Lewandowski
Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Harm Osmers

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realist4 01.09.2018
1. Wie mans nimmt
Ich denke Stuttgart hat viel falsch gemacht, nur hinten hinein stellen reicht selten gegen die Bayern. Gegen die muss man um jeden Ball kämpfen und schnelle Konter setzen und selbst dann wird es schwierig. Konter habe ich fast keine gesehen, richtig harten Kampf auch nicht.
Pela1961 01.09.2018
2. Harter Kampf?
Wie weit man damit kommt, haben letzte Woche die Hoheimer erfahren. Und leider ist dann sehr schnell die Grenze vom harten zum unfairen Kampf überschritten. Worum gehts eigentlich? Soll der Gegner kaputt getreten werden oder will man ein Spiel gewinnen, wenn der FC Bayern kommt oder man nach München reist?
thorgur 01.09.2018
3. Mitleid
Wenn man die Artikel so liest kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass selbst die Reporter schon Mitleid mit den Bayern Gegnern haben. Nemand tritt gern noch auf jemand, der sowieso schon am Boden liegt. Womit die 17 übrigen Mannschaften der BuLi gemeint sind, die um die Brotkrumen kämpfen, welche der FCB liegen lässt.
verruca 01.09.2018
4. Falsches Konzept!
"Stuttgart, immerhin der Vorjahressiebte, hat wenig falsch gemacht - und war mit dem Ergebnis am Ende trotzdem noch gut bedient." Finden Sie? Ich finde, dass der VfB wenig RICHTIG gemacht hat. Genaugenommen: Gar nichts! Keine Torchance, mehr als die Hälfte der Zweikämpfe verloren (defensiv!), nur rund 20% Ballbesitz (und auch das nur wegen der Zeit, die es braucht, einen Abstoß zurück ins Spiel zu bringen), ... Die taktische Vorgabe war katastrophal! Fürs Ergebnis und erst recht für die Fans! Der VfB ist nachweislich KEINE Kontermannschaft! Wie willst Du mit solch einer Mörteltaktik solch ein Spiel gewinnen? Oder: Okay, dann eben nur Unentschieden? Aber mal ernsthaft: 90 min. kein Tor kriegen gegen Lewandowski & Co.? Das kann und wird auch in dieser Saison höchstens ab und zu mal dem ein oder anderen Glücklichen passieren. Aber Freunde in der Fankurve für solchen Hasenfußfußball zu finden? Das wird NICHT passieren! Und das ist gut so!
retterdernation 01.09.2018
5. Hertha BSC ...
ist seit drei Spielen gegen Bayern ungeschlagen. Also diesen Schuh ziehen wir Berliner uns nicht an, dass gegen die Superbayern nix geht. Und genau an dieser Stelle - denkt man an die Leistung der übrigen 16 Kandidaten. Denn die Hertha ist eigentlich immer ein Abstiegskandidat ...
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