Wolfsburger Sieg in Gent Den Motor zu früh abgeschaltet

3:0 geführt, und dann noch zwei Tore kassiert: Der VfL Wolfsburg hat in Gent in der Schlussphase seine exzellente Ausgangslage für den Viertelfinal-Einzug der Champions League aufs Spiel gesetzt.

Aus Gent berichtet

Getty Images

Julian Draxler machte einen ziemlich unentspannten Eindruck, als er den Umkleidetrakt der Ghelamco-Arena verließ. In der einen Hand hielt er seinen Kosmetikbeutel und ein Stück Pizza, mit der anderen zupfte er an seiner dunklen Strickjacke herum. Die Fragen, die ihm zum 3:2-Erfolg seines VfL Wolfsburg bei der KAA Gent im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gestellt wurden, zu dem er zwei hübsche Tore beigetragen hatte, beantwortete Draxler im Schnellverfahren.

Seine Hektik lag vor allem daran, dass es schon spät war. Bis kurz vor Mitternacht hatte Draxler bei der Dopingprobe ausharren müssen. "Die Jungs warten schon", sagte er, deutete in Richtung Mannschaftsbus und war wenige Augenblicke später verschwunden.

Auch das Spiel zuvor hätte Anlass gegeben, ein bisschen durch den Wind zu sein. Vor allem die Schlussphase. Lange hatte es danach ausgesehen, als müssten sich die Wolfsburger im Rückspiel am 8. März keine Sorgen mehr um den Einzug ins Viertelfinale machen. Durch die beiden Draxler-Tore und den Treffer von Max Kruse hatte der VfL nach einer Stunde 3:0 geführt. Alles deutete darauf hin, dass die Partie zum finalen Akt der Befreiung werden würde für die Wolfsburger, die am Wochenende durch das 2:0 gegen Ingolstadt einen Serie von sieben Spielen ohne Sieg gestoppt hatten.

In drei Wochen droht noch einmal Schwerarbeit

"Über 80 Minuten haben wir ein überragendes Spiel gemacht", sagte Trainer Dieter Hecking. Bekanntermaßen genügt das aber nicht. In der Schlussphase ließen die Wolfsburger noch zwei Gegentore zu und verspielten damit die exzellente Ausgangslage für das Rückspiel im eigenen Stadion. Dem VfL drohen in drei Wochen noch einmal 90 Minuten Schwerstarbeit.

Sorgen machen wollen sich die Wolfsburger wegen des Einbruchs in der Schlussphase nicht. Sie hatten sich schnell entschieden, die Partie positiv zu deuten. "Wir hätten das Ding gerne sicherer nach Hause gebracht. Aber wir haben alles in der eigenen Hand. Ein Auswärtssieg mit drei Toren ist eine gute Ausgangslage", sagte Robin Knoche, der in der Innenverteidigung den gelbgesperrten Naldo ersetzte.

"Wir haben im Achtelfinale der Champions League auswärts gewonnen. Das sollten wir erstmal genießen", befand Manager Klaus Allofs. Und auch Trainer Hecking wollte sich den Abend nicht von den späten Gegentoren trüben lassen. "Natürlich ist die Freude sehr groß. Es ist ein optimales Ergebnis, wenn Du auswärts gewinnst." Sein Gesicht sah allerdings aus wie versteinert. Hecking war anzusehen, dass ihm der Kontrollverlust auf den letzten Metern möglicherweise mehr zu schaffen machte, er er zugeben wollte.

Gent braucht mindestens zwei Tore

Der Wolfsburger Positivismus ist nachvollziehbar. Tatsächlich sind die Aussichten auf den Verbleib im Wettbewerb nach dem Sieg in Gent ja ordentlich. Der belgische Meister muss im Rückspiel mindestens zwei Tore schießen, weshalb der betont gemütliche Trainer Hein Vanhaezebrouck die Chancen seiner Mannschaft auf den Viertelfinal-Einzug bei "null Prozent" sieht. "Zumindest, wenn wir spielen wie heute." Doch die wilde Schlussphase zeigte, dass sich die Wolfsburger in dieser Saison nicht auf sich verlassen können. Dass sie sich von einem Moment auf den anderen ins Chaos stürzen lassen.

Beim 3:1 durch Sven Kums in der 80. Minuten verteidigten die Wolfsburger zu lässig. Mittendrin der wieder einmal unglückliche André Schürrle. Auch Koen Casteels, der ansonsten ein guter Vertreter von Stammtorwart Diego Benaglio war, sah schlecht aus. Beim 3:2 durch Kalifa Coulibaly versuchte Christian Träsch nur mit gebremstem Elan, die Flanke zu verhindern. In der Mitte kam Dante zu spät. Die Gegentreffer seien "zu einfach gefallen", klagte Trainer Hecking. "Man hat gesehen, dass wir noch nicht so stabil sind, wie wir in der Vergangenheit waren."

Der VfL ist nach wie vor nicht einbruchssicher. Das ist die Erkenntnis aus der Partie in der tosenden Arena.Aus Sicht von Manager Allofs können die beiden Gegentore kurz vor Schluss allerdings auch einen positiven Nutzen haben. "So brauchen wir im Rückspiel wieder eine konzentrierte Leistung." Was dann möglich ist, haben die Wolfsburger in den ersten 80 Minuten gezeigt.

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insgesamt 21 Beiträge
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experte1305 18.02.2016
1. Solange Hecking diese lauffaulen Faulpelze trainiert,
wird sich das auch nicht ändern! Keinen Schritt zuviel, von kämpfen noch nie etwas gehört! Darum steht diese Truppe auch zurecht auf dem 8. Platz in der BL. Jetzt kommen die harten Brocken, und dann gehts weiter nach unten in der Tabelle! Drei Adjektive beschreiben den Zustand des Vfl sehr gut: pomadig, phlegmatisch, lethargisch! Habe mich schlappgelacht, als Draxler im Interview meinte: wir haben uns in einen Rausch gespielt! Am Ende waren sie so berauscht, dass sie sich gegen diese 3. klassigen Belgier fast noch den Ausgleich eingefangen hätten!
Tavlaret 18.02.2016
2. Eigentlich wollte ich gar nicht ...
Ich kam in eine Gaststätte in der das Spiele lief, wollte es zuerst eigentlich gar nicht sehen und wurde mit der 1. HZ bestätigt ... was für ein schlechter Kick (außer dem Angriff zum Draxler-Tor). Die 2. HZ. zeigte dann plötzlich tollen Fußball, zuerst Wolfsburg, dann kam Gent zurück - gut und spannend. Wer weiß, vielleicht verbleibt Wolfsburg als einzige deutsche Mannschaft in der nächsten runde der CL .... Naja, hoffen wir's mal nicht.
hj.binder@t-online.de 18.02.2016
3. Hecking
hat das Spiel beinahe versaut. In der 80 Min herum kam irgendeine schwachsinnige Taktikanweisung samt hirnrissiger Umstellungen auf dem Spielfeld und schon war die Ordnung im Eimer, Verunsicherung groß und zudem sprang Hecking mehr oder weniger behandlungsbedürftig in der Zone auf und ab. Er hätte die Jungs nur das spielen lassen sollen, was sie sehr gut konnten und vor allem auch eine Freude daran hatten. Gibt es eigentlich für größenwahnsinnige Trainer nicht irgendwelche spezielle Ärzte.
Msc 18.02.2016
4.
Vom Gong gerettet! 10 Minuten länger und Wolfsburg hätte noch 3:4 verloren.
genaumeinding 18.02.2016
5. Hecking und Allofs sind eine Fehlbesetzung
Sie passen besser zu Hannover.
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