Wolfsburg im Viertelfinale "Das ist historisch"

Angriffslustige Wölfe stehen im Viertelfinale der Champions League - auch weil ein Offensiv-Trio immer besser in Fahrt kommt. Nun hoffen die Wolfsburger, eine bisher mäßige Saison zu retten.

Von , Wolfsburg


Und dann war da noch die Anekdote mit Josep Guardiola. Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking hatte gerade ausführlich Stellung bezogen zum 1:0-Erfolg gegen die KAA Gent im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League und zur Bedeutung des ersten Wolfsburger Einzugs ins Viertelfinale des Wettbewerbs.

Er hatte André Schürrle gelobt, den Schützen des siegbringenden Treffers, und Julian Draxler, der unter dem Einfluss von Schmerztabletten eine starke Partie gezeigt und das Tor vorbereitet hatte. Am Ende seiner Ausführungen berichtete Hecking, wie es sich nach dem Bundesligaspiel gegen den FC Bayern vor anderthalb Wochen mit Guardiola unterhalten habe, dem scheidenden Trainer der Münchner.

Vielleicht sehe man sich ja noch mal wieder, habe Hecking mit Blick auf ein mögliches Champions-League-Duell mit dem Rekordmeister gesagt. "Aber erst in Mailand", soll Guardiola entgegnet haben. Dort also, wo am 28. Mai das Finale stattfindet. "Der traut uns noch eine Menge zu", lautete Heckings Schlussfolgerung aus der Plauderei unter Kollegen.

André Schürrle im Video: "Jetzt geht es erst richtig los"

"Das muss noch nicht das Ende sein"

Vom Finale haben die Wolfsburger natürlich nicht gesprochen nach dem knappen Sieg gegen Gent, der nach dem 3:2-Erfolg im Hinspiel mehr als ausreichend war, um in den Kreis der besten acht Mannschaften des Kontinents aufzusteigen. Aber sie haben sich schon sehr selbstbewusst gegeben. Allen voran Hecking, der mit Bayern-Trainer Guardiola insofern einer Meinung war, als auch er seiner Mannschaft noch einiges zutraut.

"Das muss noch nicht das Ende sein", sagte Hecking. Er weiß, dass die Wolfsburger mehr erreicht haben, als ihnen die Fachwelt zugetraut hatte. Und ihm ist klar, dass seine Mannschaft im Viertelfinale wohl Außenseiter ist unter der A-Prominenz des europäischen Fußballs. In Ehrfurcht erstarren will Hecking aber nicht. Im Gegenteil. "Ich bin nicht dabei, schon einen Schlussstrich unter unsere Champions-League-Saison zu ziehen. Jetzt geht's richtig los!", rief Hecking in den Pressesaal der Wolfsburger Arena. Sollen sie nur kommen, die Reals und Barças, die Manchester Citys oder PSGs. Die Wölfe sind angriffslustig.

Der VfL schickt sich in diesen Wochen an, eine durchwachsene Saison doch noch zu retten. "Es ist schon etwas Außergewöhnliches, ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen", sagte Manager Klaus Allofs nach dem Spiel gegen Gent. "Das ist historisch. So weit ist der VfL noch nie gekommen", freute sich Schürrle, der mit seinem Siegtreffer in der 74. Minute letzte Zweifel am Wolfsburger Verbleib im Wettbewerb zerstreut hatte.

"Man sollte uns nicht abschreiben"

Auch in der Liga geht es aufwärts. Mit den beiden Siegen gegen Hannover (4:0) und Mönchengladbach (2:1) haben die Wolfsburger wieder den Anschluss an die Europapokal-Plätze hergestellt. "Wir haben die Leidenschaft wiedergefunden und uns aus unserem Tief herausgekämpft", sagte Max Kruse. Trainer Hecking gab sich auch mit Blick auf die Bundesliga offensiv. "Es sind noch viele Punkte zu vergeben. Man sollte uns nicht abschreiben", sagte er.

Dass die Wolfsburger spät, aber vielleicht gerade noch rechtzeitig in Schwung kommen, hat viel mit dem Offensiv-Trio Kruse, Draxler und Schürrle zu tun. Nach Anlaufschwierigkeiten harmonieren die deutschen Nationalspieler immer besser. Draxler hatte schon im Hinspiel in Gent mit zwei Toren überragt.

Im Rückspiel war er am einzigen Treffer maßgeblich beteiligt mit seiner kraftvollen Vorarbeit. Er zog über die rechte Seite zur Grundlinie und legte denn zurück. Schürrle, in der vergangenen Woche Dreifach-Torschütze in Hannover, musste nur noch einschieben. Er entschied eine Partie, die über weite Strecken ziemlich trostlos gewesen war, weil die Wolfsburger mit dem Vorsprung aus dem Hinspiel keinerlei Risiko eingehen wollten und Gent nicht in der Lage war, den VfL vor Probleme zu stellen.

"Klar war das für die Zuschauer kein attraktives Spiel. Aber es ging uns darum, weiterzukommen", sagte Schürrle. Das ist gelungen. Die Fans werden ihrer Mannschaft den geringen Unterhaltungswert des Spiels schnell verzeihen.

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